Vendée Globe 2024: “Traum-Foiler” für Pip Hare – Britin segelt die Bronze-Yacht

"Unglaublich, dass mich jemand bemerkt"

Pip Hare darf die nächste Vendée Globe mit Louis Burtons “Bureau Vallée 2”, dem aktuellen drittplatzierten Sieg-Foiler von 2017 segeln. Sponsor Medallia belohnt sie für einen überraschenden Auftritt.

Pip Hare kann es nicht fassen, dass sie die Vendée Globe geschafft hat. © Yvan Zedda / Alea

Die Britin Pip Hare war eine der großen Überraschungen der Vendée Globe. Die 47-Jährige segelte sich in die Herzen vieler Fans, als sie mit einem 21 Jahre alten IMOCA, der schon bei fünf Rennen um die Welt gepuscht wurde, lange im Mittelfeld auf Rang 15  mithielt – bis der Ruderschaft brach. Dabei begeisterte sie insbesondere mit ihrer erfrischenden, ehrlichen Art der Berichterstattung.

Besonders für den Sponsor Medallia, der erst fünf Monate vor dem Start in Hares Projekt einstieg, lohnte sich der Deal. Leslie Stretch CEO, des US-Softwareunternehmens äußerte sich schon zur Mitte des Rennens sehr zufrieden über die Investition. In einer der Live-Video-Shows frage er seine Skipperin: “Was kommt als Nächstes, Pip? Lass uns ins Ziel kommen und dann ein neues Boot kaufen gehen, ja? Lasst uns das tun! Was hältst du von der nächsten Runde?”

Die Britin hatte bisher nicht die Basis für ein Leben als echte Profiseglerin. Sie arbeitete als Segellehrerin und Redakteurin für Segelsportmedien. Die Vendée Globe war für sie ein Traum. Aber schon während der Regatta fasste sie den Entschluss, weiter machen zu wollen.

Siegeryacht von 2017

“Das war nicht meine letzte Vendée Globe. Auf keinen Fall”, schrieb sie. “Ganz und gar nicht. 2024 komme ich zurück. Jetzt habe ich es gesehen, jetzt weiß ich, was mich erwartet, jetzt weiß ich, wo ich mich verbessern kann, und außerdem ist es einfach ein unglaubliches Rennen. Es fordert dich als Person so sehr, warum sollte man nicht wiederkommen wollen?”

Pip Hare freut sich über die Kap-Hoorn-Rundung bei bester Sicht. © Pip Hare / Medallia

Nun geht es tatsächlich weiter – und wie. Sponsor Medallia hat Wort gehalten und einen IMOCA-Foiler für ihre nächste Vendée Globe Kampagne 2024 gekauft. Dabei handelt es sich um “Bureau Vallée 2”, die Siegeryacht von Armel Le Cleac’h 2017, mit der Louis Burton 2021 sensationell auf Rang drei segelte.

Nachdem der Franzose die begehrte “L-Occitaine” von Armel Tripon für geschätzte 5 Millionen Euro erworben hat, war sein alter IMOCA auf dem Markt. Es wurde für einen Marktpreis von etwa 2,7 Millionen Euro gehandelt.

Hare sagt bei der Präsentation: “Medallia und ich hatten im letzten Jahr eine fantastische Partnerschaft – sie haben einen großen Unterschied für mein Vendee Globe Rennen 2020/21 gemacht. Dass sie mir jetzt, ganz am Anfang meiner Kampagne für 2024, zur Seite stehen, ist großartig. Ihre Unterstützung gibt mir die Chance, das Boot zu sichern, das mich in etwa drei Jahren um die Welt bringen wird.

Die perfekte Wahl

Ich bin nun entschlossen, diese Jahre mit Training, Upgrades und Feinschliff zu verbringen. Ich kann kaum erwarten zu sehen, was Medallia und ich im Vorfeld der nächsten Vendée gemeinsam erreichen werden.”

Louis Burton vertraute bei seiner Bureau Vallée (ex Bnque Popularie) auf die alte Flügel-Generation. © Stephane MAILLARD

Für sei es die perfekte Wahl. Ihr Mentor und Projektleiter Paul Larsen – seit 2012 schnellster Segler der Welt – habe vor der vergangenen Vendée “Maitre Coq” oder “Bureau Vallée” als seine Wunschboote in der gesamten IMOCA-Flotte benannt, ohne zu wissen, dass sie auf Platz eins und drei landen würden. Genau so ein Boot habe sie nun auch für sich haben wollen, “auf keinen Fall eines der aktuellen Generation 2020”. Sie seien für sie einfach zu extrem. “Ich habe das Gefühl, dass es sich zu sehr von dem Segeln unterscheidet, das ich kenne.”

“Aber ich denke, dass die Foiler der 2016er Generation stark und bewährt sind. Besonders diese beiden Boote stechen hervor. Als Medallia also sagte: ‘OK, lasst uns ein Boot finden’, gingen wir los und schauten uns diese beiden Boote an. Wir kamen zu dem Schluss, dass das Bureau Vallée das beste Boot für mich ist. Also habe ich am Ende tatsächlich genau das Boot bekommen, das ich wollte!” Als Rennsieger von 2016/17 hält das Schiff – gesegelt von Armel Le Cléac’h – immer noch den Kursrekord von gut 74 Tagen.

Fesselnde Geschichte

Hare nimmt das neue Boot im Juli in Empfang und beginnt mit dem Training. Schließlich sei sie noch nie auf einem Foiler gesegelt. Dabei beinhaltet das Projekt auch einen Vier-Jahres-Plan zur Entwicklung neuer Tragflächen. Pip fügte hinzu: “Dies war immer eine Zwei-Rennen-Kampagne und mein Blick war immer auf das Rennen 2024 gerichtet. Bei der letzten Ausgabe habe ich gelernt, wie man alleine um die Welt fährt und meine Fähigkeiten verfeinert. Jetzt weiß ich, worauf es ankommt, und ich habe über drei Jahre Zeit, mein Team aufzubauen, das neue Boot an meinen Segelstil anzupassen und vor allem meine eigenen Fähigkeiten zu trainieren.

Leslie Stretch begründet die Unterstützung von Pip Hare: “Jeder bei Medallia ist beeindruckt von Pips Stärke, Unermüdlichkeit und ihrer fesselnden Geschichte. Aber ihre Reise ist noch lange nicht vorbei. Wir sind stolz darauf, ihr weiterhin zur Seite zu stehen, wenn sie sich neuen Herausforderungen stellt, und ihr dabei zu helfen, sich mit ihren engagierten Unterstützern durch unsere Technologie auf neuartige Weise zu verbinden.”

“Es war unglaublich” sagt Hare im Ziel. “Ich hätte nie gedacht, dass es so sein würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit Foiling-Booten spielen würde.” Unglaublich sei es auch, dass sie jemand bemerkt habe.

Pip Hares Kampagnen-Website: piphare.com

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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