Vendée Globe 2024/25: Deutsch-Japaner DMG MORI nehmen teil – Förderung mit vier Mini 6.50

Vendée Hype in Japan

Bemerkenswert – Masahiko Mori, Präsident der weltweit agierenden DMG MORI AG, kündigt auf einer Pressekonderenz die Fortführung der Vendée Globe-Kampagne von Kojiro Shiraishi an. Als Bonbon: Ein paar Mini 6.50 für junge Talente.

Kojiro Shiraishi ist der erste Asiate, der die Vendée Globe beendete. Mit Unterstützung des deutsch-japanischen Unternehmens DMG MORI © zedda/Alea

Nach der Vendée Globe ist vor der Vendée Globe. Insbesondere die Wochen und Monate direkt nach der Überquerung der Ziellinie sind für viele Kampagnen maßgeblich – im positiven wie negativen Sinne. So war etwa bei der letzten Vendée Globe dem Pechvogel Armel Tripon auf den letzten Meilen längst klar, dass Sponsor l’Occtitane en Provence den (noch) gleichnamigen Plattbug stante pede auf dem Steg in Les Sables d’Olonnes verkaufen würde. Der drittplatzierte Louis Burton erhielt den Zuschlag und gehört somit jetzt schon zum Favoritenkreis für die Vendée Globe 2024. 

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen

Oder Boris Herrmann: Er bezeichnete im Interview mit Johannes B. Kerner die Wochen nach dem Zieleinlauf als viel zu wichtig für Zukünftiges, um jetzt Urlaub zu machen. 

Unter fast allen Vendée Globisten, die Ambitionen für weitere Weltumseglungen hegen, dürfte also derzeit eine gewisse Geschäftigkeit vorherrschen. Allerdings gibt es auch „Kandidaten“, die man eher unter dem Motto „Einmal und nie wieder“ einstufen würde, besser gesagt: eingestuft hätte. 

Doch genau bei denen kann man sich mitunter schwer täuschen!

So hat ausgerechnet der Japaner Kojiro Shiraishi bereits jetzt die Verlängerung seines Sponsorship-Vertrages mit dem deutsch-japanischen Werkzeugmaschinen-, CNC-Dreh- und Fräsmaschinen-, Advanced Technologies-Hersteller DMG MORI AG bekannt gegeben. Eine Information, die in der (europäischen) Szene für durchaus positive Überraschung gesorgt hat.

Denn das neue Projekt ist ambitioniert: Shiraishi peilt mit seinem aktuellen IMOCA – ein Zwillings-Geschwisterboot der berühmt-berüchtigten Charal – nach Umbauten einen Platz unter den Top 8 bei der Vendée Globe 2024/25 an. 

Eines der aktuell schnellsten Boote – langsam gesegelt

Dies hat Masahiko Mori, Präsident der DMG MORI Co bei einer Pressekonferenz in Japan bekanntgegeben. Skipper Kojiro Shiraishi („erst jetzt, nach dem erfolgreichen Vendée Globe-Finish, darf ich mich professioneller Segler nennen!“) hat offenbar in Japan genau das abgeliefert, was von ihm erwartet wurde: Zen-artige Ruhe auch in kniffligen Situationen, Durchhaltevermögen, auch wenn’s aussichtslos scheint und (typisch-japanisch) eher zurückhaltender Botschafter einer Sportart, die im Land der aufgehenden Sonne noch relativ unbekannt war.

DMG MORI im VG-Rummel © Blanchet/Alea

Wohlgemerkt: war! Denn Kojiro Shiraishi hat, trotz reichlich Pech im Rennverlauf (das Großsegel riss früh, nach mehrtägiger Reparatur segelte der Japaner auf einem der schnellsten Boote der Flotte flügellahm mit einem Reff im Groß hinter den meisten anderen her) und segelsportlich wenig herausragenden, strategischen oder taktischen Aktionen, dem Hochseesegeln in Japan einen faszinierenden Vorschub geleistet. Nahezu unbemerkt von uns Europäern schaffte es Kojiro, seine Landsleute für seine Abenteuer auf dem Meer während der Vendée Globe rundum zu begeistern. Beobachter sprechen von einem ähnlichen Effekt wie in Deutschland durch Boris Herrmann.

In Japan ein Held

Doch eine „simple“ Weiterführung der bisherigen DMG MORI-Kampagne – Slogan: Global One! –  reicht zumindest den Japanern der deutsch-japanischen Gesellschaft nicht. 

Als Sahnehäubchen wird eine neue Initiative ins Leben gerufen, die es jungen Skippern ermöglicht, in die Fußstapfen von Kojiro Shiraishi zu treten, um die Segel-Kultur in Japan zu fördern.  Noch in diesem Jahr wird das DMG MORI Sailing Team einen neuen Mini 6.50-Prototypen in Auftrag geben, der Federico Sampei anvertraut wird; einem japanischen Segler (24), der 2017 beim Youth America’s Cup in Bermuda und 2018 in der GC 32-Klasse auf Mamma Aiuto! an den Start ging. Federico Sampei gehört seit 2020 zum Team von DMG MORI. Er arbeitete dort als Rigger und Trainingspartner. 

Damit nicht genug.  Das DMG MORI Sailing Team will außerdem vier Serien-Mini 6.50 kaufen, von denen zwei in Frankreich und zwei in Japan stationiert sein werden. Sie sollen offenbar u.a. als Ausbildungsboote für die Paralympics und für die Olympischebn Spiele dienen, aber wohl auch junge Segler in die Hochseeszene als solche einführen. 

Global oder alle für Einen?

Ab Juli wird Kojiro mit der IMOCA DMG MORI Spirit of Yukoh durch japanische Yachthäfen und Segelzentren touren. Um die Skipper von morgen zu suchen und zu finden? 

Das sei keineswegs sein Plan, beteuert der japanische Segelheld dem Redaktionsteam der Vendée Globe Website: “Wenn es um die Auswahl der Skipper geht, suchen wir nach besonderen Menschen. Als ich anfing, sah ich Yukoh Tadas Dokumentarfilm im Fernsehen; er inspirierte mich, und ich arbeitete hart daran, ihn persönlich zu treffen und schuftete sogar lange Zeit ohne Entlohnung für ihn. Ich würde gerne die gleiche Art von Initiative und Motivation bei den zukünftigen Skippern unserer Minis und IMOCA sehen.“

Das DMG MORI-Team nach dem Finish © Blanchet Alea

Spätestens an diesem Punkt stellt sich die Frage, was es tatsächlich mit dem DMG MORI-Slogan “Global One” auf sich hat. Auf seiner deutschen Website schreibt das Unternehmen: “Unsere Motivation: Die Vereinigung aller DMG MORI Mitarbeiter, Kunden, Partner- und Beteiligungsunternehmen, sowie der Teammitglieder und Fans auf der ganzen Welt hinter der „Global One“ zur Unterstützung des Teams”

Könnte der so gemeint sein, dass auch andere Nationen an diesem durchaus zukunftsträchtigen Projekt teilhaben können? Zwar startete der deutsche Part DMG ambitioniert mit dem DMG MORI Sailing Team (siehe SR-Artikel „Deutsche Akzente“ und „Technik und Teamgeist“). Doch während der Vendée Globe hielt man sich in Sachen PR und Vermarktung des Engagements deutlich zurück.

Was wiederum beim Sponsorship eines weltweit aktiven Unternehmens mit deutschem Stammsitz nichts Neues ist. So finanziert bekanntlich der schwäbische Modeschneider Hugo Boss seit Jahren den Briten Alex Thomson auf seiner IMOCA – von PR-spezifischen und werblichen Auftritten auf dem Deutschen Markt keine Spur. 

Klasse Werbeträger – auch für Deutschland? DMG MORI in Action! © classe imoca

Bisher übrigens mit gutem Grund: Denn der deutsche Markt zeigte sich bisher nicht gerade begeistert von seglerischen Heldentaten bei der Vendée Globe. Was sich seit der letzten Ausgabe jedoch anders darstellt. Boris Herrmann hat mit seinem medial-genialen Auftritt den Weg für mehr bereitet – Aufmerksamkeitswerte für ein deutsches Unternehmen im Globisten-Zirkus sind seitdem garantiert. Wenn man entsprechend agiert… 

Aber vielleicht ist das ja alles schon wieder Schnee von gestern. Und DMG MORI hat längst einen der vier Serien-Minis auch für deutsche Nachwuchstalente im Segelsport vorgesehen. Dann wäre zumindest im Ansatz der Begriff “Global” im Slogan: Global One gerechtfertigt. 

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Michael Kunst

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