Vendée Globe: 24-Stunden-Rekord für Thomson – Le Cleac’h hält dagegen

Auf Biegen und Brechen

In der Nacht hat Alex Thomson bei der Vendée Globe weiter aufgeholt und  segelte zuletzt mit 536.81 Meilen in 24 Stunden zwei mehr als der absolute Rekord. Aber Armel Le Cléac’h war zuletzt wieder schneller.

Die beiden Spitzenreiter bei der Vendée Globe segeln im Endspurt auf Biegen und Brechen. Zuletzt waren sie so schnell, wie noch nie mit ihren IMOCAs. Dabei weist “Hugo Boss” einen um gut 20 Meilen besseren 24 Stunden-Schnitt auf als sein Konkurrent. Mit gut 537 Meilen (Schnitt 22.4 Knoten) toppt er sogar den absoluten Rekord von François Gabart, der ihn 2012 auf 534.48 hochgeschraubt hatte.

Vendee Hugo Boss

Das seitlich abgeschrägte Vorschiff von “Hugo Boss” soll die Windströmung im Vorsegel verbessern. © Hugo Boss

Allerdings gibt auch Armel Le Cleac’h keine Meile ohne Gegenwehr preis. Zwar war er einige Stunden lang etwas mehr als einen Knoten langsamer, aber entsprechend des letzten aktualisierten Rankings hat er sich zwei Meilen seines Vorsprungs wieder zurück geholt. Die Differenz liegt momentan bei 73,3 Meilen.

Perfekte Bedingungen

Für diese perfekten Bedingungen, die der Atlantik im Moment für die beiden Führenden bereit hält, sind die neuen Konstruktionen gemacht. Relativ flaches Wasser im Schutz der europäischen Landmasse im Osten und eine Backstagbrise über 17 Knoten.

Die 24-Stunden-Bilanz der Spitzenreiter. So schnell wie im Moment waren sie noch nie.

Die 24-Stunden-Bilanz der Spitzenreiter. So schnell wie im Moment waren sie noch nie.

Dabei preist die französische Offshore-Szene voller Respekt die Leistung die mutige Entscheidung des Hugo-Boss-Teams, seinen Skipper mit der dritten Version des neuen Foiles vom Konstrukteur-Büro VPLP an den Start zu schicken.

Le Cleac’h ist mit Version zwei am Start, hatte dadurch mehr Zeit für Training, Optimierung und den Ausbau der Verlässlichkeit, muss aber nun mit dem etwas langsameren Schiff zufrieden sein.

“Hugo Boss” ist leichter und schmaler, weist längere, horizontaler ausgerichtete Foils auf, die auch mit ihrem Schaft Auftrieb entwickeln und nicht nur mit den Tragflächen-Enden. Das auffällige seitlich abgeschrägte Vorschiff soll den Windfluss ins Vorsegel begünstigen.  “Banque Populaire” dagegen wurde in langwierigen Testfahrten mit der einschlägigen IMOCA-Konkurrenz entwickelt, und kann mehr Leistung seines Potenzials abrufen.

Foiler kaum schneller

Dass die Foiler nicht so extrem schneller sind, als ihre Vorgänger zeigt sich dadurch, dass der 24 Stunden-Rekord erst jetzt fällt. Zwar liegen vier mit Tragflächen ausgestattete Boote an der Spitze, aber die schnellsten nicht-Foiler “PRB” und “SMA” sind eben schon ausgeschieden. Und die drittplazierte “Maître CoQ” segelte Wochen langen neben Gabarts ex “Macif” (jetzt “SMA”) her, ohne auch nur einen Deut schneller zu sein.

Der Weg zum Ziel. Nach der Umfahrung der Flaute müssen die Spitzenreiter wenden. Das ist nicht gut für Thomson.

Der Weg zum Ziel. Nach der Umfahrung der Flaute müssen die Spitzenreiter wenden. Das ist nicht gut für Thomson.

Dennoch würden sie bei den aktuellen Bedingungen nicht mithalten können. Dafür hätten sie in den kommenden Leichtwind-Tagen Vorteile. Morgen Abend wird für die beiden Führenden das Flautenloch erwartet, in dem sich diese Vendée Globe entscheiden wird. Es muss sich zeigen, ob Le Cleac’h seinem Verfolger eine Chance lässt. Danach dürfte Thomson wieder Probleme bekommen, wenn er mit Wind von Backbord bei stärkerem Wind ohne Foil segeln muss. Mit dem Zieleinlauf wird immer noch am Donnerstag gerechnet.

Auch der drittplazierte Jérémie Beyou bringt sich noch mal ins Gespräch. “Armel ist ein guter Freund. Wir haben viel miteinander trainiert, aber vieles spricht auch für Alex. Es ist beeindruckend, wie er aufgeholt hat.” Er weist darauf hin, dass sich aber keiner der beiden einen großen Fehler erlauben darf. “Ich liege dahinter und warte.” Mit einem Rückstand von gut 800 Meilen ist da aber eher der Wunsch Vater des Gedanken.

Vendée Globe Tracker

 

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Carsten Kemmling

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