Vendée Globe aktuell: Herrmann verliert 40 Meilen – Thomson repariert – Führungswechsel

"Ich kaute an den Nägeln"

Alex Thomson hat bei der Vendée Globe seinen Bug während der Reparaturen wieder in die richtige Richtung gedreht. Dalin (Apivia) übernimmt Führung. Boris Herrmann steckte in der Flaute.

Apivia (gelb) liegt nun knapp vorne. Herrmann (grau) hat auf PRB (orange) verloren aber wieder Fahrt aufgenommen. Thomson (schwarz) segelt im Reparaturmodus nur halb so schnell mit 5 kn.

Boris Herrmann hat in der Nacht lange Zeit in der Flaute gesteckt und insbesondere auf den zuvor nur 30 Meilen voraussegelnden fünftplatzierten Kevin Escoffier (PRB) gut 40 Meilen verloren. Aber der deutsche Skipper von “Seaxplorer – Yacht Club De Monaco” nimmt es in seinem jüngsten Video von Bord in der bewundernswerten Gelassenheit, die er in den vergangenen Tagen schon oft zur Schau gestellt hat.

Er stellt fest: “Seit gestern Mittag war der Wind sehr schwach, ich fuhr zeitweise mit guter Geschwindigkeit, sogar mit meinem Jib-Top-Vorsegel, und dann mit dem Code Zero. Aber von Mittag bis Mitternacht fiel die Bootsgeschwindigkeit von 20 auf 3 Knoten. Ich kaute ich an meinen Nägeln und hoffte, dass die Bewegung nicht ganz aufhören würde. Und das tat sie auch nicht. Die Geschwindigkeit reichte gerade aus, um das Boot in die richtige Richtung zu lenken. Viel mehr noch als ich gehofft hatte.

Bei Sonnenuntergang lächelte ich wieder, aber in der Nacht hatte ich nicht das größte Glück, hier durchzukommen. Ich weiß nicht warum, aber ich verlor 40 Meilen auf PRB. Er er erreichte den Wind vor mir und konnte sich absetzten. Als ich mit etwa fünf Knoten unterwegs war, fuhr er in diesen Stunden 11 Knoten.

Boris Herrmann hat die Drone ausgepackt. © BHR

Aber es ist schön, in dieser Gruppe mitzufahren. Ich habe ein paar Plätze verloren, aber ich versuche, sie zurückzugewinnen. Das ist ein bisschen wie in den Doldrums mit Winddrehern von 30 Grad und großen Änderungen in der Windstärke. Aber nun weht es wieder stabil. Ich liege gut, der Weg ist weit, und es wird noch viele Gelegenheiten geben. Es ist toll, auf See zu sein. Es ist einfach eine Herausforderung, diese Woche mit dieser Wettersituation zu überstehen, um in den Southern Ocean zu gelangen. Aber bald werden wir dort sein.” Herrmann rechnet mit dreieinhalb Tagen, die vorerst noch bei wechselnden Winden absolviert werden müssen.

Duell der Trainingspartner

An der Spitze hat der Zweikampf der Trainingspartner mit den beiden Verdier-Schwesterschiffen an Fahrt aufgenommen. Charlie Dalin (Apivia), der mit fünf  Solitaire-du-Figaro-Podium-Platzierungen schon besondere taktische Fähigkeiten im In-Fight bewiesen hat, ist in seinem Element.

Mit fünf Halsen übte er Druck auf Thomas Ruyant (LinkedOut) aus, der nur dreimal das Heck durch den Wind drehte, und wird nun vom Tracker durch eine östlichere Position 18 Meilen in Führung gewertet. Ruyant steuert aber auf ein stärkeres Windfeld weiter südlich zu.

Dieser hatte einen Tag zuvor er noch den 28 Meter hohen Mast erklommen, um sich ein verklemmtes Fall wieder zum Deck heruunter zu holen:

Alex Thomson ist inzwischen mit knapp 300 Meilen Rückstand auf Rang fünf zurückgefallen. Er repariert noch und bewegt sich mit fünf Knoten Speed vorwärts während die Konkurrenz etwa 13 Knoten erreicht. Dafür gibt sich Jean Le Cam immer noch nicht geschlagen. Der 61-Jährige wird auf seinem abermals östlicheren und kürzeren Kurs wieder auf Platz drei geführt.

Schnellstes Boot im Feld ist zurzeit Charal. Jéremie Beyou segelte in 24 Stunden 403 Meilen mit einem Schnitt von 17 Knoten. Der ehemalige Rennfavorit segelt nahe der afrikanischen Küste dem Feld knapp 3000 Meilen hinterher.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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