Vendée Globe: Alex Thomson stoppt Hugo Boss – Schwerwiegende Reparaturen

Alex in Nöten

Alex Thomson hat bei der Vendée Globe gestoppt, um einen strukturellen Schaden zu beheben. Er wird viele Meilen zurückfallen. Führender Ruyant klettert in den Mast.

Am Abend hatte das Hugo-Boss-Team die Rennleitung über ein strukturelles Problem auf dem Boot von Alex Thomson informiert. Es arbeite fieberhaft daran, dem Skipper die besten Reparaturmöglichkeiten vorzuschlagen. Der hat sein Boot ersteinmal zum Entlasten der Strukturen auf einen Vorwindkurs gedreht und treibt mit vier Knoten nach Süden.

Alex Thomson (schwarz) hat abgestoppt, um die notwendigen Reparaturen zu erledigen.

Im Update von Ross Daniel, dem Technischen Direktor bei Alex Thomson Racing, heißt es:

“Gestern Abend (Samstag, 21. November), entdeckte Alex bei einer Routineinspektion an Bord der HUGO BOSS im Bugbereich einen strukturellen Schaden. Er benachrichtigte mich sofort und das Team, und wir haben ihm klare Anweisungen gegeben, nach denen er eine vollständige Inspektion des Schadens bewerkstelligen konnte.

Diese Inspektion hat einen Strukturschaden an einem Längsstringer im vorderen Teil des Bootes ergeben. Der Schaden scheint nur auf diesen Bereich beschränkt zu sein. Es ist noch unklar, was diesen Schaden verursacht hat. Bislang gab es während des Rennens keine Vorfälle die damit in Verbindung gebracht werden können.

Er wird die Reparatur schaffen

Zusammen mit unseren Bootsbauern Schiffsbaukonstrukteuren haben wir die Nacht durchgearbeitet, um einen vollständigen Reparaturplan für Alex zu erstellen. Während dieser Zeit hat sich Alex an Bord etwas ausgeruht, um sich auf den Beginn der Reparaturarbeiten am heutigen Morgen vorzubereiten.

Alex hat das Boot nun in eine sichere Position gebracht, um die Bewegungen an Bord während der Reparatur zu reduzieren. Er hat alle notwendigen Materialien an Bord, einen detaillierten Plan, der befolgt werden muss, und ein Team von Weltklasse-Ingenieuren, die ihn beraten. Wir sind daher zuversichtlich, dass er in der Lage ist, die Reparatur zu schaffen.”

Hugo Boss als sie noch allen davon flog.© Lloyd images

Wie lange die Reparaturen dauern sollen, ist nicht bekannt. Der aktuelle Figro-Sieger Yoann Richomme glaubt an eine 24 Stunden Reparatur. Der Zeitpunkt ist allerdings denkbar ungünstig. Denn nach der aktuellen Wetterlage verpasst er das Fenster, dass sich für die beiden Führenden öffnet. Somit könnte Thomson einen 1000 Meilen-Rückstand erleben.

“Hoffentlich nicht so schlimm”

Der zurzeit zweitplatzierte Konkurrent Charlie Dalin äußert sich bedauernd über das Problem des Briten. “Für Alex hoffe ich, dass es nicht zu schlimm ist und sich das Ausmaß des Schadens begrenzt. Vor allem hoffe ich, dass dies für ihn nicht das Ende der Vendée-Globe bedeutet. Wir segeln gerade ein großartiges Rennen mit ihm. Und dieser Dreikampf, den wir gerade ausfechten, ist sehr motivierend.”

Zuletzt waren die beiden Verdier-Designs von Dalin (Apivia) und dem Führenden Thomas Ruyant (LinkedOut) bei den vorherrschenden Flachwasser-Foiling-Bedingungen klar schneller als Hugo Boss. Erst war Ruyant noch vor Thomsons Problemen vorbeigeflogen und auch Dalin hatte zum Überholmanöver angesetzt. Bei diesen Bedingungen scheint das schwarze Boot etwas schwächer zu sein. Das musste allerdings noch nichts heißen. Möglicherweise ist das Design mehr noch auf die speziellen Southern Ocean Bedingungen zugeschnitten, bei dem diese IMOCAs im deutlich höheren Wellengang zeigen müssen, ob sie dann auch fliegen können.

Dieser Dreikampf ist jetzt aber erst einmal vorbei. Und Thomson muss sich später fragen lassen, ob der Strukturschaden auch eine Folge seines risikoreichen Kurses mitten in den Sturm Theta hinein sein könnte. Seine beiden Konkurrenten waren einen Umweg außen herum gesteuert.

Ähnlicher Schaden bei Corum

Andererseits sagt Spezialist Richomme, dass solche Strukturschäden im Bug eher ein Zeichen für die hohen Belastungen im Foil-Modus sind. Bei den hohen Geschwindigkeiten schlagen die Wellen heftig unter den Rumpf, und Delaminierungserscheinungen sind dabei ein bekanntes Problem.

Bei den frühen Foil-Versionen seien sie unter dem Rumpf direkt vor dem Kielansatz aufgetreten. Dort mussten sie die heftigsten Wellenschläge abfangen, weil die IMOCAs noch sehr hoch mit dem Bug aus dem Wasser kamen. Zuletzt wurden die Foils so optimiert, dass sich der Bug nicht mehr so weit aus dem Wasser hebt.

Das hat laut Richomme zur Folge, dass das Vorschiff öfter in eine Welle knallt und nun diser Rumpfbereich wieder größeren Kräften ausgesetzt ist. Nicolas Troussel hatte auf seiner Corum im Vorfeld schon mit solchen Problemen zu kämpfen und musste das Schiff vorne verstärken.

Ruyant klettert in den Mast

Derweil kann sich auch der Vendée Globe-Führende Thomas Ruyant (LinkedOut) nicht über fehlende Aufregung beschweren. Früh im Rennen hatte sich ein Fall im Topp verklemmt, das er nicht lösen konnte. Bisher benötigte er es nicht, aber bei den anstehenden Leichtwindphase muss er daran größere Vorsegel setzen, und im Southern Ocean wird er das Problem nicht beheben können. Also kletterte der Skipper nun die 28 Meter in den Mast, um sich das Fall zu angeln. Ruyant hatte mehrere Tage auf den richtigen Moment gewartet. Nun hat er dabei kaum etwas verloren. Er liegt immer noch 23 Meilen vor Charlie Dalin.

Aber in den nächsten Stunden wird es kompliziert auf dem Rennkurs. Der Apiva-Skipper erklärt: “Es herrscht leichter Wind und wir werden uns durch dieses Nadelöhr arbeiten müssen, um den Wind zu behalten. Wir müssen die Ränder vermeiden, um in diesem Korridor zu bleiben. Deshalb muss man intensiv das Wetter beobachten. Die Modelle sind nicht sehr genau und ändern sich ständig. Diese Bedingungen werden uns für mehrere Tage beschäftigen, und irgendwann haben wir keine andere Wahl, als ein Gebiet mit sehr schwachen Winden zu durchqueren, bevor wir die Autobahn des Südlichen Ozeans erreichen. Wir haben viel zu tun. Ich vergleiche permanent die Informationen mit der Realität. Es gibt viele Werkzeuge, Wetterdateien, Satellitenbildern…

Mein Ziel war und ist es immer, in dieser Führungsgruppe zu sein, wenn wir in den Süden kommen. Erster oder dritter, das spielt keine Rolle: Ich will nur in der richtigen Gruppe sein. Apivia macht sich gut und ist in sehr guter Verfassung”.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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