Vendée Globe: Thomson zeigt Aufnahmen vom Foiling – Psycho-Techniken des Extremseglers

"Das Feuer brennt noch!"

Alex Thomson hatte es nicht einfach, diese Vendée Globe zu überstehen. Er deckt auf, wie ihn die Tiefschläge belasteten und wie er es schaffte sie psychologisch zu bewältigen.

Loick Peyron glaubt, dass nur fünf Menschen auf der Welt in der Lage sind, eine Vendée Globe zu gewinnen. Ihm ist es wichtig, die heroische Leistung herauszustellen, die gerade das Spitzenduo geleistet hat. Peyron weist auf die unglaubliche Lärm-Belastung in der Kajüte der neuen Foiler-Boliden hin, die erheblichen Einfluss auf die Psyche nehmen kann.  Alex Thomson gewährt mehr und mehr Einblicke in sein Innerstes während der Regatta.

Höhen und Tiefen

Die Höhen und Tiefen sind nicht spurlos an ihm vorüber gegangen wie er dem britischen Telegraph preisgibt. Schließlich muss er schnell gemerkt haben, dass er mit siegfähigem Material gesegnet ist. Zu Beginn ist das Duell mit Le Cleac’h noch ein vorsichtiges Abtasten und der Brite legt seine Karten noch nicht offen. Umso unverständlicher ist die Entscheidung, dass Thomson vom Gegner weg halst Richtung Portugal.

Alex Thomson

Alex Thomson auf dem Weg zum Bug. © Hugo Boss

“Ich habe da eine schlechte Entscheidung getroffen”, ärgert sich der Hugo-Boss-Skipper. “Es hat nicht funktioniert und ich habe schnell gemerkt, dass es ein Fehler war als ich von der Spitze auf Rang neun zurückgefallen bin. Es war unglaublich frustrierend.”

Aber Thomson erklärt, wie er sich psychologisch auf solche Momente vorbereitet hat. Er arbeitete im Vofeld intensiv zusammen mit dem Psychologen Ken Way, der unter anderem Leicester City zum Sieg in der Premier League geführt hat.

Eigentlich sei er eine ziemlich positive Person, aber bei Schlafentzug habe er die Tendenz negative Gedanken zuzulassen. Für solche Situationen trainierte er Visualisierungstechniken wie die Hubschrauber Perspektive. Dabei entfernt er sich mental vom Boot, um entspannen und schlafen zu können, wenn es nötig ist. Es helfe auch, sich kleine Ziele zu setzen, so wie sich etwas selbst zu kochen. Man fühle sich dann besser, wenn etwas erreicht ist und sei die Aufgabe noch so klein.

Schwierig, positiv zu bleiben

Dann erlebte er den Bruch des Foils. “Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Ich kann nur annehmen, dass wir etwas im Wasser getroffen haben, denn die Lasten beim Segeln bewegten sich innerhalb der empfohlenen Parameter.” Der Wellengang sei etwas ungemütlich gewesen, so dass er sogar die Tragfläche zu 30 Prozent in das Schiff gezogen habe.

Alex Thomson

An Bord mit Alex Thomson. © Hugo Boss

“Es war so schwierig, positiv zu bleiben. Ich war frustriert und ärgerlich, weil nun klar war, dass das Speed-Defizit mit Wind von Backbord mein Ziel, als erster nicht-Franzose die Vendée Globe zu gewinnen, gefährden würde.” Es seien sehr schwierige Tage nach dem Bruch gewesen. “Aber ich bin stolz, diese negativen Gedanken noch einmal gedreht zu haben.” Er habe gelernt “Hugo Boss” auch ohne Foil einigermaßen schnell zu segeln.

Le Cleac’h lag mehr als 800 Meilen vorne, als er Kap Hoorn rundete, aber dann schenkte ihm das Wetter viele Tage mit Wind von Steuerbord und die Angriffslust kehrte zurück. Er nutzte auch das steigende Interesse seiner Fans als Motivationsschub. Das Video des französischen Marine-Hubschraubers wurde über sechs Millionen Mal angesehen. “So eine Nachricht hat mir einen echten Boost gegeben.”

“Hätte gerne gewonnen”

Am Ende reichte der unübliche Süd-Ost-Wind dann doch nicht aus, um mit Wind von Steuerbord bis ins Ziel zu gelangen. Nach der Wende stellte sich heraus, wie langsam “Hugo Boss” ohne Foil hoch am Wind wirklich ist. Aber Thomson ist inzwischen bewusst, was für eine große Show er abgeliefert hat.

Alex Thomson

Wie das Wasser in Luv am Bug hochspritzt. © Hugo Boss

“Ich hätte gerne gewonnen, aber nach den technischen Problemen bin auch glücklich mit dem zweiten Platz und den gebrochenen Rekorden. Armel hat ein unglaubliches Rennen gesegelt und nach zwei zweiten Plätzen hat er diesen Sieg verdient. Mit Glück werde ich nächstes Mal zurückkommen. Das Feuer brennt noch! Aber nun will ich erst einmal Zeit mit der Familie verbringen, mich an einem Burger und Bier erfreuen und viel schlafen.”

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://segelreporter.com/pressemitteilungen/freiwilliges-soziales-jahr-2017-2018-beim-hamburger-segel-club/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *