Vendée Globe: An Bord mit Rennfavorit Seb Josse – Wie der Gitana IMOCA funktioniert

"Wende dauert eine Stunde"

Sebstien Josse (41) gehört mit dem neuen IMOCA “Edmond de Rothschild” zu den besten Einhand-Skippern der Welt. Im Video zeigt er, wie er seinen neuen Foiler bedient.

Wenn man die bewegten Bilder des rasenden 60 Fußers “Edmond de Rothschild” von außen sieht, mag man sich gar nicht vorstellen, wie es da drinnen aussieht. Wenn die Boliden mit 15 bis 20 Prozent mehr Speed über die Wellen krachen, scheint es unmöglich, noch irgendeine Art von Kontrolle auszuüben.

Josse Gitana

Seb Josse bei der Arbeit im Cockpit. © Gitana

Aber diese Annahme täuscht, wie das Yachting-World-Video zeigt, auf dem der Skipper das Innenleben seines Racers vorstellt.

Auf den ersten Blick ist der Anblick der sogenannten Pit-Station überwältigend. Sage und schreibe 26 Leinen führen auf das Schaltpult. Von dem aus werden sie zu den zwei Winschen geführt, die im Cockpit für den Segeltrimm vorgesehen sind. Die Trimmleinen werden durch sogenannte Constrictor Klemmen fixiert (Das Prinzip wird hier gezeigt).

Beeindruckend ist die Tatsache, dass der Einhand-Skipper bei jeder Wende 800 Kilo auf die neue Seite bringen muss. Josse erzählt, dass er 35 bis 40 Minuten benötigt, um die Wende vorzubereiten. Danach dauert es noch einmal 15 Minuten um das Boot aufzuräumen. “Insgesamt benötigt man eine Stunde. Da wendet man nicht bei jedem fünf Grad-Dreher”, sagt Josse.

IMOCA Gitana

“Gitana” lässt sich vom Foil über die Welle heben. © Martinez/Gitana

Reparaturmöglichkeiten gibt es nicht viele. Er führt nur Material mit, mit dem er die Segel bei kleineren Schäden laminieren kann. Wenn ein Foil bricht, ist es nicht zu ersetzen. Das muss nicht das Aus sein, aber ohne Foil muss kann der Kiel nicht mehr so weit nach Luv geneigt werden, da er dann als Lateralfläche dienen muss.

Im Cockpit gibt es einen Grinder, der auf vier Winschen geschaltet werden kann. Zwei sind für die Trimmleinen im Pit vorgesehen, zwei für die Schoten, die aus dem hinteren Teil des Cockpits auf die Trommeln laufen. Die Winschtrommeln sind auf Kniehöhe angebracht, um das Gewicht möglichst tief zu halten.

Das Cockpit ist vollkommen vor Spritzwasser geschützt. Die nicht gebrauchten Segel sind so kompakt verzurrt, dass sie vor der Wende nach Lee rutschen können und dort fixiert werden, damit sie danach auf dem neuen Bug Gewicht in Luv machen. Außerhalb des Cockpits bewegt sich der Skipper nur wenn es nicht anders möglich ist. Das macht im Rennen etwa 20 Prozent der Segelzeit aus.

Seb Josse, einer der Schnellsten

Sebastien Josse ist einer der Favoriten beim diesjährigen Vendée Globe. Mit 41 Jahren hat er schon viel Erfahrung auf hoher See gesammelt. Als Jungspund war er an Bord des Maxi-Katamaran “Orange” von Bruno Peyron als er den Jules-Verne-Rekord brach. Als 29-jähriger nahm er danach bei seiner ersten Vendée Globe teil und wurde Fünfter.

Danach skipperter er “ABN AMRO 2” beim Volvo Ocean Race 2005/2006 um die Welt und musste erleben, wie ein Segler seiner jungen Crew über Bord ging und verstarb.

2008 gehörte er zu den Favoriten für die Vendée Globe, aber er musste nach 48 Tagen aufgeben. Dann segelte er für das Gitana-Trimaran und gewann mit dem MOD70 2013 die Transat Jacques Vabre. Nun hat er eines der schnellsten Schiffe unter dem Hintern. Josse wird zugetraut, dass er es mit Armel Le Clea’ch aufnehmen kann. Nach der Vendée wartet schon ein neues Abenteuer. Dann konzentriert er sich auf den Maxi Tri, den sein Team gerade für ihn baut.

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Carsten Kemmling

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