Vendée Globe: Armel Tripon nun ohne Boot – Wer der Nutznießer sein könnte

Der im Regen steht

Armel Tripon hat bei der Vendée Globe gezeigt, dass sein Plattbug-Neubau vielleicht am besten für die große Runde geeignet ist. Zur Belohnung steht er nun ohne IMOCA da.

Ob Armel Tripon noch ein Licht aufgeht, wie er weitermachen soll? © Bernard Le Bars / Alea

Das hat nicht lange gedauert. Kaum setzte Armel Tripon am Dienstag seinen Fuß auf trockenen Boden  – nach 84 Tagen und 17 Stunden auf See – muss er sein Boot abgeben. Es bestätigte sich seine Befürchtung. Reinold Geiger (73) österreichischer Chef der Kosmetikfirma L’Occitane, der das Boot für Armel Tripon bauen ließ, verkauft den Plattbug.

Es ist wohl eine nachvollziehbare unternehmerische Entscheidung. Die revolutionäre Konstruktion von Sam Manuard hat bei der Vendée Globe gezeigt, dass sie auf der Rennstrecke um die Welt bestens funktioniert und damit an Wert gewonnen. Tripon wurde zwar durch Probleme mit seinen Fock-Fallenschlössern zurückgeworfen, legte dann aber eine eindrucksvolle Aufholjagd hin. Gerade im Southern Ocean scheint das Plattbug-Design zu helfen. Es stoppt nicht so heftig ab, wenn es beim Glitsch in die nächste Welle knallt.

Jetzt direkt nach der Vendée Globe werden die Weichen für das nächste Rennen in vier Jahren gestellt. Schnelle IMOCAs werden besonders hoch gehandelt. Insbesondere nach diesem Ergebnis. Erstmalig segelten zwei Boote der alten Generation auf das Podest.

Weichen werden jetzt gestellt

Vor vier Jahren etwa um die gleiche Zeit traf Louis Burton mit Bureau Vallée die im Nachhinein wegweisende Entscheidung, noch während der laufenden Regatta das Siegerboot von Armel Le Cleac’h (Banque Populaire) zu kaufen.

L’Occitaine zeigt seine ungewöhnlichen Flügel, die weit oben am Rumpf ansetzen. © Pierre BOURAS / L’Occitane en Provence

Damals allerdings konnte er nicht davon ausgehen, dass ihn dieses Boot vier Jahre später auf das VG-Podium bringen würde. Längst war klar, dass die Klassenregeln gelockert werden und die nächste Foiler-Generation schneller sein würde. Auch deshalb folgte eine Flut von acht IMOCA Neubauten. Vergleichsweise günstig war damals das Boot der alten Generation zu haben.

Diesmal tendiert die Klasse eher dazu, die Regeln – insbesondere bezogen auf die Foil-Länge – einzufrieren. Ob man dann noch schnellere Neubauten aus der Box-Rule herausquetschen kann, ist nicht klar. Vielleicht muss man die aktuellen Schiffe erst einmal näher an ihr theoretisches Potenzial heranführen. Ein Neubau kostet schließlich zwischen 5 und 6 Millionen Euro.

“Ich bin enttäuscht”

Entsprechend hoch sollte deshalb aktuell der Wert von “L’Occitane” sein. Ein erfolgreicher Unternehmer wie Milliardär Geiger, der bei Forbes als sechstreichster Österreicher geführt wird, macht  eine Risiko-Investition dann eben zu Geld. Zumal in Corona-Zeiten das Geschäft mit 1.500 Filialen in über 85 Ländern und 7700 Mitarbeitern sicher schon besser gelaufen ist.

Armel Tripon wird von seinen drei Söhnen begrüßt. © Bernard Le Bars / Alea

Für Tripon ist diese Entscheidung keine wirkliche Überraschung. Zuvor sei das so besprochen gewesen. “Aber ich bin natürlich enttäuscht”, sagt der Skipper aus Nantes gegenüber V&V. “Ich bin gerne mit dem Schiff gesegelt und habe eine Verbindung zu ihm.” Das Ende sei nun ein wenig brutal.

Doch Tripon versteht den Verkauf, der ja auch für Boris Herrmanns IMOCA ansteht. Die Lage für den Franzosen ist aber schwieriger, auch sich L’Occitane offenbar auch als sein Sponsor zurückzieht. Hinter dem Engagement habe eben kein wirklich großer wirtschaftlicher Nutzen gestanden. Die international aufgestellte Firma mache nur sieben Prozent ihres Umsatzes in Frankreich. “Die Vendée Globe ist  immer noch eine sehr französisch geprägte Veranstaltung.”

Leidenschaft und Bescheidenheit

Tripons Projekt war nicht unbedingt dauerhaft angelegt. Es kam durch die persönliche Beziehung von Geiger zu dem Besitzer der Black Pepper-Werft in Nantes zustande. Der machte ihn mit dem IMOCA-Skipper bekannt. Und nach gemeinsamen Teilnahmen bei den Veranstaltungen Voiles de Saint-Tropez und Giraglia habe sich die Vendée-Globe-Idee entwickelt.

“Armel hat uns mit seiner Leidenschaft und Bescheidenheit berührt”, sagte Geigers Sohn Adrien in einem Interview zum Projekt-Start. “Er ist ein wirklich guter Mensch und versteht auch die unternehmerische Seite. Das brachte uns dazu, ihm zu helfen.”

Dabei war die Unternehmung von Anfang an mit heißer Nadel gestrickt. “L’Occitaine” lief als vorletzter Neubau vom Stapel, konnte kaum noch getestet werden, wurde von einer Kollision samt Leck zurückgeworfen und schaffte es kaum an die Startlinie. Viele Beobachter tippten Tripon als einen der ersten Ausfall-Kandidaten. Dass ihm schließlich ein brechendes Ausrüstungsdetail fast so weit gebracht hätte, passte ins Bild. Umso erstaunlicher ist im Nachhinein die folgende Leistung zu werten.

Sie könnte die Basis für einen neuen Anlauf bei der Vendée Globe sein. So funktioniert das Geschäft in Frankreich. Kann er ein neues Budget für den nächsten Anlauf generieren. Ein siegfähiges Projekt soll pro Jahr zwei bis drei Millionen Euro verschlingen. Ist das realistisch? “Ich weiß es noch nicht. Wir müssen wieder ein Team zusammenstellen und das Projekt neu definieren. Das wird meine Aufgabe für die nächsten Monate sein. Im Moment ist sicher alles etwas hektisch. Aber so ist das Leben…”

Nutznießer Sorel?

Während auch Boris Herrmann darauf hinweist, dass er nun erst einmal die nächsten Optionen sondieren muss, um den Fortlauf seiner Karriere abschätzen zu können und er anstrebt, durchaus noch einmal auf die große Runde zu gehen, zeigt Maxime Sorel wie schnell man in diesem Geschäft sein muss.

Maxim Sorel segelte auf Platz zehn. © Vincent Curutchet/Alea

Der 34-Jährige Newcomer, der den 13 Jahre alten Nicht-Foiler “V&B” auf Rang zehn um die Welt prügelte und sich nur knapp Tripons Ansturm erwehrt hatte könnte Nutznießer der aktuellen Entwicklung um Tripon zu sein. Gerüchte besagen, dass sich sein Sponsor V and B Mayenne für den Plattbug interessiert.

Der Spirituosen-Händler und Kneipen-Betreiber in Frankreich wertet das Vendée-Globe-Projekt als Marketing Erfolg. Der blonde Rookie, der 2017 die Transat Jacques Vabre in der Class 40 gewonnen hat – mit einer Mach 40.3 vom L’Occitane-Designer Sam Manuard -, soll es bestens verstanden haben, sein Abenteuer mit den Bedürfnissen des Sponsors zu verbinden. Mit der Vendée-Story gelang es gut, die 230 Filialen zu verbinden.

Sorels Geschichte bestätigt die These, dass die Zeit der verschlossenen alten Salzbuckel bei dieser Disziplin des Segelns endgültig vorbei ist. Alex Thomson hat die Ära des an der Spitze segelnden Kommunikators eingeleitet.

Die aktuelle Erfolgsformel: Entertainer-Fähigkeiten machen den Sponsor froh und führen zu einem siegfähigen Budget. Umso mehr nach dieser Vendée Globe, die nicht für möglich gehaltene Fortschritte bei der Übertragungstechnik gemacht hat.

So betont auch Sorel: “Ich gehöre zu denen, die es toll finden, sich mit den Fans an Land viel auszutauschen.” Der Ingenieur aus Concarneau in der Bretagne teilte seine Probleme mit den Fans an Land und machte keinen Hehl daraus, dass es ziemlich knapp war, diese Runde zu schaffen.

Risse im Boot

Insbesondere der Untergang von PRB brachte ihn zum Grübeln. Denn er segelte mit einem fast identischen Design, das schon drei frühere Vendée Globes und ein Barcelona World Race nicht beendet hat. Vor vier Jahren ging Thomas Ruyant nach einem Strukturschaden damit fast unter.

Nach dem Escoffier-Unglück habe er vielfach akribisch nach Rissen im eigenen Boot gesucht. Und kurz nach der Kap-Hoorn-Rundung sei er dann auch am Deck fündig geworden. Fieberhaft laminierte er mit Hilfe seines vom Bruder und Vater geführten Teams an Land fieberhaft, um die Struktur zu verstärken. Eine Situation, die nicht dazu beigetragen hat, im Atlantik noch einmal Druck auf die anderen drei Nicht-Foiler machen zu können. Die seien ohnehin etwas leistungsstärker gewesen. Von dem Speed-Unterschied war er überrascht.

Aber für ihn ist diese Regatta längst Geschichte. Die Arbeit am Folgeprojekt steht im Fokus. Schon unterwegs habe er Budgets ausgetüftelt und an Meetings teilgenommen, bei denen es um die Zukunft ging. Für 2024 will er einen moderneren Foiler kaufen “ein bisschen weiter gehen, weiter zu wachsen, mit einem größeren Team und wettbewerbsfähigeren Projekt. Unser Ziel ist es, bei der Transat Jacques Vabre (24. Oktober) mit einem anderen Boot an den Start zu gehen”. Nicht unwahrscheinlich, das dieses Boot eine platte Nase hat.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Armel Tripon nun ohne Boot – Wer der Nutznießer sein könnte“

  1. avatar Peter sagt:

    Lieber Carsten! Wieder hast Du mit einem lesenswerten Bericht meinen Morgen gerettet. Das ist alles so spannend! Weiter so!

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