Vendée Globe: Bestaven 411 Meilen in Führung – Herrmann mit bestem 24-Stunden-Schnitt

Duell um Platz zwei

Yannick Bestaven zieht bei der Vendée Globe davon, aber er darf sich nicht zu sicher sein. Herrmann ist wieder besser in Schwung und hat zwei Plätze gutgemacht.

Charlie Dalin macht in der Flaute einen Ausflug nach oben. © Charlie Dalin / Apivia

411 Meilen Vorsprung für Yannick Bestaven an der Spitze sind eine Menge Holz. Zusammen mit den 10,5 Stunden Zeitgutschrift mag man denken, dass die aktuelle Vendée Globe schon entschieden ist. Zumal er mit 356 Meilen in 24 Stunden den zweitbesten Schnitt der Flotte hinlegte.

Besser war nur – Trommelwirbel – Boris Herrmann. Der Seaexplorer-Skipper schaffte 365 Meilen. Besser noch. Er zeigt sein Speed-Potenzial im Vergleich zur direkten Konkurrenz. Maxim Sorel segelte im gleichen Windfeld mit seinem alten Nicht-Foiler 25 Meilen weniger und Isabelle Joschke mit ihrem kaputten Kiel 50 Meilen. Herrmann schob sich an beiden vorbei auf Rang neun und macht Hoffnung, dass er im Atlantik seine Form wiederfindet.

Herrmann (grau) im Vergleich zum Nicht-Foiler von Sorel neben ihm. Aktuell kann er seinen Speedvorteil ausfahren.

Sein Co-Skipper Will Harris erkennt in der Wettersituation jedenfalls beste Möglichkeiten:

Ob auch Bestaven noch Probleme bekommt? Sein Vorsprung scheint aktuell uneinholbar zu sein. Aber wenn man bedenkt, dass die neuen Foiler locker in der Lage sind bei passenden Bedingungen über 500 Meilen in 24 Stunden zurückzulegen, darf sich der Führende nicht zu sicher fühlen. Zumal ihm die Wetterprognosen in den nächsten Tagen viel Gegenwind vorhersagen.

Aber da müssen Dalin und Ruyant auch erstmal durch. Und wenn sie dann endlich den Bereich des stabilen Südost-Passats erreichen, segeln die Duellanten mit Wind von Steuerbord – den Bug auf dem beide Verfolger nach ihren Foil-Schäden nicht das volle Potenzial ausspielen können. Wird es nur noch ein Match-Race um Platz zwei?

Die Abstände der Spitzengruppe. Die rote Führungslinie von Bestaven entfernt sich immer weiter von den Verfolgern.

Vielleicht kann aber auch sogar Damien Seguin von der Situation profitieren. Er wurde vom Tracker sogar schon kurzzeitig auf Rang zwei geführt. Seine Position mehr als 300 Meilen im Süden als Ruyant und Dalin ist aber schwer mit der von den Kollegen zu vergleichen. Er steckt auch in der Flaute, hat sich aber bewusst genau vor der großen Verfolgergruppe positioniert.

Glaube an den Glücksstern

“Mein Kurs hat damit zu tun, dass ich meine Gegner hinter mir kontrollieren wollte.” Er habe etwas antizipieren müssen, für welchen Weg sich die Konkurrenten achteraus entscheiden. Das hat bestens funktioniert. Die Meute folgt ihm im Kielwasser. Und wenn das bremsende Hochdruckgebiet endlich gen Osten abgezogen ist, sollte Seguin zuerst einen stabilen Süd-Ostwind bekommen.

Die Situation am 7.1. Bestaven rauscht vorne mit Backstagbrise davon. Ruyant und Dalin befinden sich im Match Race. Seguin bremst in der Ost-Flaute.

“Bis jetzt habe ich bei dieser ganzen Regatta taktisch noch keine eine schlechte Wahl getroffen”, sagt Seguin. “Ich glaube weiterhin an meinen Glücksstern. Ich kann meine Freude kaum verbergen, hier in dieser Position auf dem Wasser zu sein. Voraus mag es weiterhin kompliziert sein. Es wird immer noch Fallen geben. Aber ich habe nun meine Option gewählt. Ich denke nun ein bisschen mehr über die Platzierung nach, es ist eine ganz andere Phase im Rennen.”

Im Southern Ocean seien die taktischen Optionen durch die Eisbarriere sehr beschränkt gewesen. Jetzt im offenen Wasser des Atlantiks müsse man wieder strategisch eine ganz andere Art des Denkens vollziehen. Zumal die Wetterdaten nicht sehr genau sind. Das sei sehr anstrengend für den Kopf. Der Körper kann sich dagegen etwas erholen.

Giancarlo Pedote genießt das Segeln im Atlantik:

Ob jetzt wieder die Zeit des erfahrenen Jean Le Cam kommt? Der 61-Jährige brillierte im November besonders auf dem Atlantik mit perfektem Routing. Er ist aber auf den letzten Southern-Ocean-Meilen etwas zurückgefallen und segelt jetzt auf Rang sieben. Nun greift er wieder an und machte auf die direkten Gegner Boden gut.

Zuletzt scherzte er, dass sein “Rudel” (Dutreux, Pedote, Sorel, Herrmann und Joschke) eigentlich eine Vereinbarung hätte, im Jägermodus zusammen zu bleiben. Nun mache nur der “junge Dutreux sein eigenes Ding” mit einem etwas nördlicheren Kurs. “Also rufe ich ihn manchmal an und sage ihm, komm zurück, wir haben einen Pakt geschlossen!”

Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Vendée Globe: Bestaven 411 Meilen in Führung – Herrmann mit bestem 24-Stunden-Schnitt“

  1. avatar Joachim Steffen sagt:

    Hi, Carsten,
    Danke für Deine Berichte, es ist immer wieder spannend,
    Wie sich die Situation bei der Vendee Globe verändert.
    Ich schaue gerne wie sich Boris Hermann schlägt. Ich hoffe,
    Dass er heil am Ziel ankommt.
    Gruß Joachim Steffen

  2. avatar Fördepirat sagt:

    Wieso sollte er die Butterfahrt mit 80% Speedpotential ausbeute nicht beenden können?

    Medial macht er das super, aber vielleicht hätte er das ein oder andere mal ein bisschen das Gaspedal drücken müssen. Hat er ja bereits eigenständig bestätigt.

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