Vendée Globe: Boris Herrmann auf Rang drei – Chance, sich von Verfolgern abzusetzen

"Traumbedingungen"

Dem Vendée Globe-Spitzentrio inklusive Boris Herrmann könnte bei der Umfahrung des Hochs der Break gelingen. Louis Burtons Coup ist geglückt. Er hat seine beiden Gegner auf die Plätze verwiesen.

Louis Burton ist im Begriff, die Spitze zu übernehmen. Herrmann (grau) scheint sich noch aus dem Schwachwind-Band lösen zu können.

Louis Burton gefährlicher Umweg über die Außenkurve um das südlich der Azoren platzierte Hoch herum funktioniert. Er ist im Begriff, die Führung von Charlie Dalin zu übernehmen und hat sich schon jetzt eine nördlichere Position erarbeitet. Die Frage des Tages ist, auf welchem Niveau sich der noch nicht in der Tabelle dokumentierte Vorsprung stabilisiert.

Die Außenkurve von Louis Burton.

Burton benötigt theoretisch einigen Vorsprung, um sich vor Dalin ins Ziel zu retten, wenn der nach der bald anstehenden Halse mit Wind von Backbord auf seinem intakten Bug Gas geben kann. Für perfekte Foiling-Bedingungen kommt aktuell der Wind zu weit achterlich, aber in der nächsten Woche sind noch ausreichend starke Nordwest-Winde zu erwarten.

Speedvergleich: Dalin (gelb) war zuletzt konstant langsamer als Herrmann

Bis dahin knabbert auch Boris Herrmann im Kielwasser von Dalin wie erhofft dauerhaft an dessen Vorsprung. Er liegt nur noch 59 Meilen zurück. Das müsste aktuell ausreichen um mit dem Zeitbonus von sechs Stunden vor dem aktuell Führenden zu sein.

Wichtiger ist für den deutschen Skipper aber noch, dass er sich in dem schmalen Windkorridor mit den beiden Führenden halten kann. Es scheint möglich, einen Absprung vor den Verfolgern zu schaffen, die näher am Hoch segeln und gebremst werden.

Die jüngsten Speed-Daten deuten darauf hin, dass Herrmann fünf Knoten schneller ist als etwas Yannick Bestaven, der in direkter Linie achteraus segelt. Er kann ihm durch seine um 4:15 Stunden höhere Zeitgutschrift gefährlich werden. Dessen Rückstand ist aber auf 80 Meilen angewachsen

Auf den Booten der Vendée-Globe-Spitzenguppe ist es aktuell wichtig, in welchem Modus sie mit welcher Besegelung den Aufstieg nach Norden bewältigen. Entweder segeln sie mit dem großen Gennaker tiefer und direkter bei einem wahren Windwinkel (TWA) von 145-150 Grad. Oder sie segeln höher und schneller bei 135-140 Grad. Damit sind insbesondere die Foiler zwei bis vier Knoten schneller.

Herrmann hat sich aktuell für den schnelleren Modus entschieden. Der Wind spielt aber auch sehr gut mit und erreicht immer noch gut 18 Knoten. Er segelt stabil mit hoher Geschwindigkeit.

Boris Herrmann ist jetzt im Vorwind-Morus angekommen und steuert maximale Tiefe bei etwa 130 Grad.

Der Wind ist zuletzt bis auf 18 Knoten hochgegangen. Ein gutes Zeichen, dass er weit genug vom Zentrum des Hochs segelt und sich im schmalen Wind-Korridor halten kann.

Der Speed liegt in den frühen Morgenstunden des 22.1. konstant bei 17 Knoten.

Einen deutlich anderen Winkel steuert etwa Damien Seguin (APICIL Group) mit seinem Nicht-Foiler. Er segelt viel tiefer und direkter und die Zugbahn des Hochs gen Osten hilft ihm dabei eine Abkürzung zu nehmen.

Entwicklung der Distanz zwischen den drei Spitzenreitern

Boris Herrmann schmecken die aktuellen Bedingungen sehr. Er berichtete gestern Abend: “Wir haben im Hochdruckgebiet guten Wind gefunden. Manchmal waren es bis zu 22 Knoten. Es ist also nicht so einfach, gut zu schlafen. Aber im Moment ist die See relativ flach. Traumbedingungen. Wir sind steuern die ganze Zeit den direkten Kurs zum Ziel. Es ist ein guter Tag.

Louis Burton sieht schon ganz schön fertig aus. Er segelt seit Tagen am Limit. © Burton / Bureau Vallée

Ich glaube, Louis Burton hat eine fantastische Option dort im Norden gewählt. Er schafft es, auf die andere Seite des Hochdruckrückens zu kommen. Gut gemacht. Mal sehen, wie es sich entwickelt, aber normalerweise sollte dieser eher leichte Wind noch bis Samstag andauern und dann sind wir am Sonntag im Tiefdruckgebiet.

Boris Herrmann freut sich vor dem Sonnenuntergang über beste Bedingungen bei der Ansteuerung der Azoren. © Boris Herrmann / Seaexplorer – YCM

Charlie Dalin frisch rasiert vor den finalen Meilen. © Charlie Dalin / Apivia

Meine Traumvorstellung ist: Maximaler Ballast ganz hinten, kleiner Gennaker, zwei oder ein Reff und dann auf direktem Kurs ohne Segelwechsel ab nach Hause. Es liegt aber noch ein weiter Weg vor uns. Und ich kann nicht versprechen, dass wir auf dem Podium bleiben. Ich glaube auch nicht, dass dies der richtige Moment ist, um darüber zu sprechen. Aber ich tue mein Bestes. Es wird nun ein wenig vom Schicksal bestimmt, was dabei herauskommt. Ich denke, für alle in dieser Spitzengruppe ist es gleich. Sie wollen so gut wie möglich segeln und dann wird es sehr eng werden.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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