Vendée Globe: Boris Herrmann schwer von Flaute gebremst – 140 Meilen verloren

"Vielleicht sollte ich mehr beten"

In den Doldrums hat Boris Herrmann bei der Vendée-Globe ein hartes Los erwischt. Zwischenzeitlich ist er auf Platz sieben zurückgefallen. Nun hat er wieder Fahrt aufgenommen. Geht da noch was?

Die Situation am 18.1 nach dem Überwinden der Doldrums. Herrmann (grau) hat gut 140 Meilen auf Dalin (gelb, r.) verloren

Es ist wirklich brutal. Boris Herrmann hat bei der Passage der ausgedehnten Flaute nach der Äquator-Passage schwere Schläge einstecken müssen. Stundenlang dümpelte er in der Flaute während die direkte Konkurrenz davon gezogen ist.

Selbst das Beten zu den Windgöttern (im Video) hat nicht geholfen. “Hier will man nicht landen”, sagt der deutsche Einhand-Skipper. “Besonders nicht, wenn die anderen mit 15 Knoten segeln, wie es gerade passiert. Ich mag gar nicht erst an die nächste Nacht denken. Ich verstehe es nicht. Ich bin gestresst.”

Seaexplorer – Yacht Club de Monaco hat jetzt allerdings wieder Fahrt aufgenommen und segelt bei harten Bedingungen relativ spitz zum Wind etwa 15 Knoten schnell. Zum Foilen passt der Windwinkel, der aktuell bei etwa 50 Grad liegt. Aber Herrmann hat nun 146 Meilen Rückstand auf den führenden Charlie Dalin.

Das Drama als Kurve. 1,5 Tage ging es für Herrmann extrem langsam voran…

…Der Wind hat erst jetzt wieder deutlich zugenommen…

…Aber der Vergleich zum aktuellen Sieger der Flautenspiele Louis Burton zeigt, dass dessen Speed-Schnitt-Linie (gelb) kaum unter 12 Knoten gesunken ist.

Besser ist noch Louis Burton (Bureau Vallée) durch die Flaute gekommen auch wenn er laut Tracker 42 Meilen hinter Dalin gerechnet wird. Die Liste benachteiligt aktuell die westlicheren Boote wie auch Herrmann. Dabei könnte diese Positionierung von Vorteil sein bei der Ansteuerung der nächsten Flautenhürde. Der Nordost-Passat dreht in den nächsten Tagen nach rechts und könnte für Burton und Herrmann einen guten Winkel bei ihrem Kurs nach Norden bescheren.

Charlie Dalin liegt 115 Seemeilen südöstlich nominell klar in Führung. Herrmann hat in kürzester Zeit seit dem Eintritt in die Doldrums gut 140 Meilen auf ihn verloren. Damien Seguin im Osten wird sogar auf Rang drei geführt. Aber er ist noch nicht richtig raus aus den instabilen Winden. Wenn er auf den normalen Amwindkurs abfallen muss, liegt er real wieder hinter Herrmann.

Es ist wirklich hart für den Deutschen. Er habe die Satellitenbilder genau studiert und eigentlich eine gute Lösung für die Passage gefunden, aber dann sei es nicht so gekommen wie geplant. Die lokalen Wolken, die den Wind aufsaugen, sind kaum zu berechnen. Zumal bei geringem Speed auch die Möglichkeit fehlen, um diesen Hindernissen auszuweichen.

Vergleich des Meilen-Abstandes zum aktuell Führenden Charlie Dalin.

Vor der Flaute hatte er noch ein Bild seines Computerbildschirms veröffentlicht, das die Aktivität in der Zone visualisiert. “Wünscht mir Glück”, bat er seine Fans. Es hat leider nicht geklappt.

Herrmann postet ein Satellitenbild vor der Flautenzone. “Wünscht mir Glück”.

Wie geht es nun weiter? In etwa zweieinhalb Tagen wartet die nächste Flaute. Ob sich dann die etwas westlichere Positionierung auszahlen könnte? Auf jeden Fall sollte Herrmann jetzt wieder sein intaktes Foil helfen. Er hebt zwar nicht ab auf so einem spitzen Kurs, aber kann den Auftrieb der Tragfläche nutzen, um der Krängung entgegen zu wirken. Auf diese Weise verträgt das Schiff mehr Druck in den Segeln und kann möglicherweise einen Vorteil erlangen.

Die nächste Flaute wartet schon in etwa 48 Stunden. Dreht sich dann das Wetterglück um?

Dieses unglaubliche Rennen ist noch längst nicht vorbei. Und Wetterglück sollte sich eigentlich immer wieder ausgleichen. Ob Herrmann doch noch auf ein großes Happy End zusteuert?

Im NDR-Interview konnte er vor den Doldrums noch viel positiver an die Sache herangehen:

Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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