Vendée Globe: Boris Herrmann und die Kunst der Außendarstellung – Wie er die Nacht erlebte

Futter für die Fans

Wie sich Boris Herrmann bei der Vendée Globe auf Theta vorbereitet. Speed-Maximum auf 18 Knoten eingestellt. Videos von Bord. Was in der Nacht passiert ist.

Boris Herrmann um 4 Uhr in der Nacht. © BorisHerrmannRacing

Das große Manko früherer Vendée Globes waren die beschränkten Möglichkeiten zum Mitfiebern. Die Einhandskipper hatten in der Regel genug damit zu tun, ihr Schiff an einem Stück um die Welt zu puschen, als auch noch den Medien-Kaspar zu machen. Während beim Ocean Race längst extra ein Medienmann an Bord eingeplant ist, sind die Möglichkeiten des Einhandseglers naturgemäß reduziert.

Aktuelles Boris-Video vom Morgen. Vorbereitung auf Theta:

Die führenden Franzosen-Profis interpretierten es lange Zeit sogar als Schwäche der Konkurrenz, wenn sie auf dem Kurs zu viel von sich preis gaben. Energieverschwendung. Bloß keine Informationen aufdecken, die der Gegner für seine Strategien nutzen konnte. Potenzielle Offshore-Einhand-Siegertypen mussten als verschlossene, gerne auch etwas miesepetrigen Franzosen-Salzbuckel daher kommen. Michel Desjoyeaux und auch Armel Le Cleac’h zählen in diese Kategorie.

Das Spiel mit den Medien

Das ist heute anders. Insbesondere ein Alex Thomson hat diesen Zustand geändert. Seine Kunst der ehrlichen Außendarstellung ist für seinen treuen Sponsor Hugo Boss sogar mehr wert als sportliche Erfolge. Inzwischen liefert Thomson beides. Und er setzt nach wie vor die Standards.

Von wegen “fliegen über die Wellen”. “Hugo Boss” knallt in einen heftigen Brecher. © ATR

Der Brite hat schon immer gerne mit den Medien gespielt, aber die Berichterstattung bei dieser Vendée Globe hat noch einmal ein neues Niveau erreicht. Thomson hat mehrere Kameras installiert, die er per Fernbedienung einschalten kann. Man sieht ihm den Spaß an, den er daran hat:

Natürlich hat die verbesserte Übertragungstechnik damit zu tun, dass Videos von Bord der IMOCAs einfacher gesendet werden können. Auch die Franzosen schicken nun regelmäßig Interviews von Bord. Aber in der ersten Liga beim Spiel “Futter für die Fans” spielt neben Thomson nun insbesondere auch Boris Herrmann.

Der deutsche Skipper hat sich schon immer unter seinen Skipper-Kollegen durch die geschliffene Art hervor getan, mit der er seinen Sport präsentieren kann. Das konnte man insbesondere bei dem Hype um den Greta-Törn beobachten.

Aber auch bei dieser Vendée Globe generiert er für sich und seine Sponsoren wieder einen Höchstwert an Aufmerksamkeit – allein durch die Art seiner ehrlichen und eloquenten Berichterstattung. Die Videos aus der Nacht sind wieder ein gutes Beispiel:

Interessant, dass Herrmann einen 18 Knoten Maxspeed-Alarm auf seinem IMOCA einstellt. Sobald er schneller wird, fällt der Autopilot etwas ab. Dadurch segelt das Schiff maximale Tiefe und bewegt sich nicht so nahe an den Sturmkern heran.

Und es gibt auch einen Alarm, der bei zu starker Krängung auslöst:

Welche Arbeit in der vergangenen Nacht zu verrichten war, zeigt dieses Video:

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Boris Herrmann und die Kunst der Außendarstellung – Wie er die Nacht erlebte“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Mich würde es fertig machen wenn ich beim Regattasegeln auch noch ständig die Medien füttern müsste – egal ob ich gerade ausgeschlafen oder frustriert bin.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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