Vendée Globe: Boris Herrmanns Yacht verkauft – Attanasio tritt aus dem Schatten seiner Frau

Scharfe Waffe

Samantha Davies hat bekannt gegeben, dass ihr Mann Romain Attanasio die “Seaexplorer” von Boris Herrmann gekauft hat. Er beendete die vergangene Vendée Globe auf Rang 15 – mit gebrochenen Rippen.

Boris Herrmann mit seiner Malizia. © Jean-Marie Liot / Azimut

“Das ist fantastisch!”, kommentiert Samantha Davies die Nachricht, dass ihr Mann den IMOCA von Boris Herrmann erworben hat. “Ich denke, es ist eines der besten Boote in der Flotte”, sagt sie im T&S-Newsletter. “In der Zeit als ich bei der Vendée neben Boris gesegelt bin, habe ich es kaum geschafft, seinen Speed zu halten. Ich freue mich wirklich für Romain und denke, er hat eine weise Entscheidung getroffen. Und es ist auch schön, weil wir jetzt wissen, dass wir zur gleichen Zeit ins Ziel kommen werden!”

Romain Attanasio mit Sohn Ruben im VG -Ziel – Mutter Sam kommt später. © Liot VG2020

Davies und Attanasio sind das erste Ehepaar, das die Vendée Globe gemeinsam bewältigt hat. Im SR-Porträt beschreiben sie, wie sie es geschafft haben erstmals zugleich die Herausforderung zu bestreiten und Sohn Ruben (9) zurückzulassen.

Im Schatten der Frau

Attanasio stand bisher immer im Schatten seiner Frau, die u.a. 2014 als Volvo Ocean Skipperin in Erscheinung trat (Team SCA) und 2009 bei der Vendée Globe auf Platz vier segelte. Auch bei der aktuellen VG war sie mit einem größeren Budget und schnelleren Boot ausgestattet und stand im Rampenlicht, während er mit dem 13 Jahre alten ehemals für Loïck Peyron gebauten Nicht-Foiler kaum Chancen auf eine vordere Platzierung hatte sich aber mit Rang 14 bestens schlug.

Sam Davies und ihr Lebenspartner Romain Attanasio an Pontons beim Start der Vendee Globe in les Sables d’Olonne, Frankreich, am 8. November 2020. Er segelt selber mit auf Rang 14. © Jean-Marie Liot / Alea

Bei der nächsten Vendée Globe kann der 43-Jährige nun sportlich auf Augenhöhe mit seiner Frau segeln, wenn er mit Herrmanns Foiler ausgestattet ist. Wie genau er das Budget stemmt, ob etwa seine Sponsoren Pure und Best Western die Investition tätigten, hat er noch nicht bekannt gegeben. Aber offenbar waren seine Geldgeber besonders auch über seine Fähigkeiten vor der Kamera erfreut. Er fand durch seine humorvollen Videos von Bord beim französischen Publikum viele neuen Fans.

Dabei erhielt auch der dramatischer Bericht von Bord viel Aufmerksamkeit, als er preis gab, bei Böen bis zu 50 Knoten Wind und schwerem Seegang mit Treibgut kollidiert und durch den plötzlichen Stopp schwer auf eine Winsch gestürzt zu sein. Er verlor das Bewusstsein und brach sich sechs Rippen. Knapp 1000 Meilen hinter Boris Herrmann segelnd schaffte er es aber dennoch ins Ziel.

Die Vendée-Globe-Teilnahme realisierte er durch die Unterstützung von mehreren kleinen und mittleren Unternehmen. Schon während der Vendée Globe führte er von Bord Verhandlungen über ein neues Projekt und berichtete von guten Fortschritten. Er machte keinen Hehl daraus, dass er sich für sein nächstes Projekt einen moderneren Foiler wünsche.

Der Wunsch nach einem Neubau

Mit der “Seaexplorer” hat er nun eine ordentliche Waffe zur Verfügung. Sie bleibt umso schärfer, weil die aktuell beschlossenen neuen IMOCA-Regeln eine extreme Weiterentwicklung der Boote nun verhindern. “Seaexplorer” ist auch wieder bestens in Schuss für den Verkauf. Der Immobilien-Unternehmer Gerhard Senft, der das Schiff für Boris Herrmann gekauft und dessen Vendée Globe-Erfolg damit maßgeblich befeuert hatte, dürfte nun einen guten Preis dafür erzielt haben. Der IMOCA stand schon vor dem Zieleinlauf für 2,7 Millionen Euro zum Verkauf. Nach der Kollision mit dem Fischerboot ist das Schiff von Boris Herrmanns Bootsbau-Team repariert worden.

Auch für Herrmann dürfte es eine gute Nachricht sein. Von dem Verkauf des Schiffes sollte abhängen, wie es für ihn weitergeht. Dieser Tage wollte er die Verträge für den Fortlauf seines Projektes unterschreiben. Viel deutet darauf hin, dass er es schafft, einen Neubau zu organisieren.

Samantha Davies nach Beendigung ihrer Weltumsegelung. © Vincent Curutchet / Alea

Auch Sam Davies “Initiatives Coeur” befindet sich in der Werft, um diverse Schäden nach ihrer Kollision vor Kapstadt zu reparieren. Sie bereitet sich darauf vor, im November dieses Jahres bei der Zweihand-Regatta über den Atlantik Transat Jacques Vabre zu starten. Einen Co-Skipper hat sie noch nicht bestimmt.

Offenbar schielt aber auch sie auf einen möglichen Neubau. Bei T&S sagt Davies: “Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir mit diesem Boot konkurrenzfähig sein können. Aber manchmal ist es frustrierend, nicht auf Augenhöhe mit den neueren IMOCAs zu sein.” Von den sechs Teilnehmerinnen bei der Vendée Globe habe keine einen Neubau realisiert und damit nicht wirklich Chancen einen Gesamtsieg. “Das wäre aber ein echter Herzenswunsch von mir.” Ihr Mann könnte sicher damit leben, wieder in ihren Schatten zu treten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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