Vendée Globe: Die Strategie des Jägers – Wie sich Armel Le Cléac’h den Gegner zurecht legt

"Ich denke an Vincent"

Der neue Vendée Globe Zweite Armel Le Cléac’h erwartet, dass sich das Feld an der Spitze wieder zusammen schiebt.  Der Skipper von “Banque Populaire VIII” erzählt, dass die Intensität des Windes in der Front verringert hat und die See nun etwas ruhiger geworden ist. Man könne nun deutlich besser schlafen.

Die Front ist durch. Von hinten kommt der nächste Tiefdruck.

Die Front ist durch. Von hinten kommt der nächste Tiefdruck.

Ab heute Abend geht er von einer weiteren Reduktion der Windgeschwindigkeit aus und instabilen Bedingungen für bis zu drei Tage. Deshalb sollte es den Verfolgern möglich sein, die Lücke etwas zu schließen. Er glaubt, dass auch ein Rückstand von 500 Meilen noch aufzuholen ist, da man sich dann immer noch im gleichen Wettersystem befinde.

Vor vier Jahren sei es auch so gewesen. “Wir werden erst wissen, was unser Vorsprung wirklich wert ist, nachdem wir langsamer geworden sind. Sie sollten mit dem neuen Tief hinter uns deutlich beschleunigen und aufholen”, sagt der Franzose. Es gibt für die Führenden kaum eine Chance, diesem Prozess zu entkommen, da sie zum Beispiel nicht südlich abtauchen können. Die viel kritisierte vom Veranstalter festgelegte Linie, die nicht überschritten werden darf, um den Kontakt mit Eis zu vermeiden, setzt der Strategie enge Grenzen.

Vendée Globe, Vorschau

“Banque Populaire” von Armel Le Cleac’h im Hardcore-Einsatz © BP

Warme Worte hat Le Cleac’h für Vincent Riou nach dessen Rennabbruch: “Ich denke an ihn und leide mit ihm. Er war einer der Favoriten und ein fantastischer Wettkämpfer, der auch ohne Tragflächen den Speed halten konnte. Er war immer nahe an uns dran, deshalb wird es jetzt nicht einfach für ihn sein. Gott sei Dank hatte ich noch keine Kollision. Ich klopfe auf Holz.”

Warten auf die Chance

Strategisch segelt der Franzose äußerst konservativ und hat bisher damit Erfolg. Er hat bisher auf dramatische Schlenker verzichtet und scheint geduldig auf seine Chance zu warten.

Der Speed von "Safran" (gelb, hinter Front) und "Rothschild" (hellblau, Reparaturpause) ist sichtbar zurückgegangen. "Hugo Boss" (schwarz) und "Banque Populaire" waren zuletzt immer noch flott unterwegs.

Der Speed von “Safran” (gelb, hinter Front) und “Rothschild” (hellblau, Reparaturpause) ist sichtbar zurückgegangen. “Hugo Boss” (schwarz) und “Banque Populaire” waren zuletzt immer noch flott unterwegs.

Vor vier Jahren war das noch anders. Gerade im südlichen Seegebiet setzte er zahlreiche risikoreiche Angriffe im Dreikampf mit Jean Pierre Dick und Francois Gabart. Als Führender wählte er einen deutlich anderen Kurs als die Konkurrenz durch das erste damals noch vorgesehene Eistor, fiel virtuell zeitweise 160 Meilen zurück und schloss am Ende einer fünftägigen Zitterpartie wieder zur Konkurrenz auf.

Damals schien er schon früh ein Manko gegenüber Francois Gabart bei harten Power-Reach Bedingungen ausgemacht zu haben. Ein geheimes Raumschots-Segel hatte “Macif” beschleunigt. Mit einem so genannten Jib Top Reacher, einem flachen Vorsegel mit hohem Schothorn konnte er hohe  Geschwindigkeiten erreichen.

Das Segel funktionierte perfekt bei über 30 Knoten Wind und einem Windwinkel von 120 bis 130 Grad. So entschied Gabart die Vendée Globe, als er Le Cléac’h in kürzester Zeit gut 46 Meilen abnahm und auch den immer noch geltenden IMOCA 24 Stunden Rekord aufstellte. Le Cléac’h schien wegen dieses MAnkos sein Heil in risikoreicher Taktik zu suchen.

Das muss er jetzt nicht. Denn Thomson ist an der Spitze durch das gebrochene Foil gehandicapt. Immer noch steht ihm der Wettergott mit perfekten Windwinkeln beiseite. Auch jetzt hilft ihm eine südlichere Positionierung im Vergleich zu den direkten Verfolgern. Aber Le Cléac’h mag die Zeit abwarten bis der Brite in Schwierigkeiten kommt. Der Franzose scheint immer noch sehr geduldig zu sein.

Derweil hält sich Alex Thomson unüblicherweise in den letzten Tagen mit Kommentaren sehr zurück. Dafür veröffentlicht sein Team eine Zusammenfassung der ersten Rennwoche mit starken Segelbildern von “Hugo Boss”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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