Vendée Globe: Erster Skipper hat umgedreht – Schreck-Momente für Ruyant und Thomson

Die erste Nacht

Boris Herrmann wird nach der ersten Nacht der Vendée Globe auf Rang 22 geführt, aber diese Momentaufnahme täuscht. Alex Thomsons Hugo Boss mit Mühen. Ruyant und Plattbug geben Gas.

Die erste Nacht auf See bei der Vendée Globe hat schon für reichlich Verschiebung im Feld der 33 Einhand-Skipper geführt. Besonders Boris-Herrmann-Fans, die am Morgen auf die aktuelle Rangliste sehen, mögen sich erschrecken, weil der Deutsche auf Platz 22 geführt wird. Aber da der Tracker jeweils die Position entsprechend der kürzesten Route misst, diese aber selten die schnellste ist, entspricht die Berechnung nicht der tatsächlichen Situation.

Nicolas Troussel (blau) führt das Feld vor Armel Tripon (schwarz) auf dem Weg gen Westen an, auch wenn die südlicher gelegenen Boote laut Tracker vorne gelistet werden. Boris Herrmann (grau) segelt am weitesten gen Norden.

Denn die Vendée-Globe-Flotte nutzt den Südwind, um sich mit Wind von Backbord auf die Rechtsdrehung des Windes zuzubewegen und nach einer Wende dann den Westwind zu nutzen. Bei diesem Rennen bis zum optimalen Wendepunkt ist Herrmann als nördlichstes Boot gut platziert. Er zeigt, dass er tatsächlich mit den schnellsten Neubau-Foilern mithalten kann.

Das Feld besegt sich auf die Westwind-Zone zu, um mit der erwarteten Rechtsdrehung wenden zu können.

Diese können auf dem eher spitzen Kurs ihre Überlegenheit zwar noch nicht voll ausspielen, aber „Seaexplorer“ zeigt, dass er mit seinem Foil-Update auch gegen den Mitfavorit Charlie Dalin konkurrenzfähig ist. Er liegt auf gleichem Kurs nur fünf Meilen achteraus.

“Charal” vom Gas gegangen

Die beste Position haben sich Nicolas Troussel (“Corum L’Épargne”) und Armel Tripon mit seinem Plattbug “L’Occitaine” erarbeitet. Top-Favorit Jérémy Beyou mit “Charal” hat anfangs den Speed vorgegeben, ist nun aber etwas vom Gas gegangen und liegt knapp hinter dem Führungsduo.

Boris Herrmann testet den Speed des hochgewetteten Neubaus Arkea-Paprec aus und liegt zurzeit fünf Meilen voraus. © Yvan Zedda / Alea / VG 2020

Sorgen musste man sich um Thomas Ruyant mit “LinkedOut” machen, der ebenfalls sehr schnell aus den Startblöcken gekommen war, aber dann mit seiner Tracker-Linie einen Haken zeichnete und zurückfiel. Der berichtet, “ein kleines Problem mit einem Segel” gehabt zu haben. Es rollte sich ungewollt aus, und Ruyant musste stoppen.

Mitfavorit Charlie Dalin segelt in seinen ersten Sonnenuntergang. © Charlie Dalin #VG2020

Seine Erklärung: “Mitten in der Nacht hatte ich ein kleines technisches Problem, durch das ich etwa fünfzehn Meilen verloren habe. Ich segelt mit dem Vorsegel J2, als sich das Fallenschloss eines der aufgerollten Segel löste und einen kleinen Kollateralschaden verursachte. Es ist nichts Ernstes, und ich werde mich darum kümmern, sobald es die Umstände erlauben.

Charlie Dalins Apivia im perfekt getrimmten Drei-Segel-Modus. © Yvan Zedda / Alea / VG 2020

Es ist ein bisschen schade, denn ich hatte guten Kontakt zu Nico (Troussel), Jeremie (Beyou) und Armel (Tripon). Aber das ist in Ordnung. Es liegt noch ein langer Weg  vor uns. Ich habe nur zwei Stunden geschlafen und werde versuchen, ein paar kurze Nickerchen zu machen, während ich darauf warte, dass der Wind nachlässt, um meine kleinen Reparaturen in Angriff zu nehmen. Der Beginn der Nacht verlief sehr gut, wir waren teilweise sehr schnell unterwegs, es gab aber auch Phasen, in denen der Wind nicht sehr stabil war.”

“Hugo Boss” noch nicht in Fahrt

Eine solche hat offenbar Alex Thomson erwischt, der aus anfangs guter Position unter den Topp Drei auf einem südlicheren Kurs plötzlich zurückfiel und in der realistischen Rangliste etwa auf Rang elf liegt noch hinter Boris Herrmann – etwa auf Platz sieben – rangiert.

Ein frühes Drama erlebt schon Fabrice Amedeo, der mit “Newrest Art & Fenêtres” schon wieder nach Les Sables d’Olonne umgedreht ist und am Morgen gegen 0100 Uhr an einer Boje festmachte, um ein Problem mit dem Fallenschloss eines Segels zu beheben. Bei 20 Knoten Wind und starkem Seegang kletterte ein Shoreteam-Mitglied in den Mast. Er konnte den Schaden aber nicht beheben, weil das Boot so stark im Seegang rollte. Deshalb ist Amedo um 7.00 Uhr mit der Flut wieder in den Hafen eingelaufen und kann erst am Nachmittag das Rennen wieder aufnehmen.

Charlie Dalins Apivia im perfekt getrimmten Drei-Segel-Modus. © Yvan Zedda / Alea / VG 2020

Ein echter Einhandsegler: Paralympics-Sieger Damien Seguin startet bei seiner ersten Vendée Globe. © Olivier Blanchet/Alea

Die Luftwaffe verabschiedet Charal. © EQPAA / Armée de l’Air et de l’Espace

Race-Tracker

Matt Sheahan stellt noch einmal die stärksten Teilnehmer und ihre Yachten vor:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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