Vendée Globe: Führungsduo rund Kap Hoorn – Burton Comeback – Herrmann auf Platz acht

Angriff am Kap Hoorn

Charlie Dalin hat bei der Vendée Globe am Kap Hoorn die Innenkurve genommen und macht sofort Druck auf den Führenden. Herrmann hat einen neuen Konkurrenten in der Verfolgergruppe.

Irres Video von Isabelle Joschke:

“Kein einfacher Tag”, sagt Boris Herrmann. Er nähert sich dem Kap Hoorn und seine Position pendelt regelmäßig zwischen sieben und neun. Zu den direkten Gegnern hat sich nun auch wieder Louis Burton gesellt. Dem ehemals Führenden ist mit seiner Bureau Vallée nach dem Reparaturstopp bei Macquarie Island ein unglaubliches Comeback gelungen.

Wie Louis Burton (gelb) nach seinem Reparaturstopp mehr als 500 Meilen auf die Verfolgergruppe mit Boris Herrmann (grau) gutmachte.

Burton musste unter anderem ein neues Großfall riggen, nachdem die Fallenschloss-Mechanik beschädigt war, und setzt das Segel jetzt klassisch über einer Umlenkrolle am Topp. Aber er hat offenbar vollstes Vertrauen zur Reparatur die auch einen erhöhten Stauchdruck auf den Mast bewirkt. Er drückte jedenfalls anders als die Kollegen bei der Kap Hoorn-Ansteuerung das Gaspedal wieder voll durch.

Dalin nimmt am Kap Hoorn die Innenkurve durch die Le-Maire-Straße und steuert einen direkteren Kurs. Ist das schon sein Angriff auf die Spitze?

An der Spitze hat Bestaven nach der Kap Hoorn Rundung durch einen Ost-Schlenker erst einmal massiv verloren.

Herrmann berichtet einen Tag vor seiner Kap-Hoorn-Passage: “Der Wind ist sehr instabil, ich habe ein Reff eingebunden und den kleinen Gennaker gesetzt. Es ist nicht einfach vor dem Wind mit der großen See, und wir beschleunigen viel, und foilen.” Wenn er foilt ist er zwar schnell, segelt aber spitzere Winkel bei den sogenannten VMG-Bedingungen die mehr noch maximale Tiefe vor dem Wind belohnt.

An der Spitze hat Bestaven nach der Kap Hoorn Rundung durch einen Ost-Schlenker erst einmal massiv verloren.

Die Flügel helfen also immer noch nicht. Nicht-Foiler wie Le Cam, Detreaux und ganz besonders Damien Seguin, der nun sogar schon Thomas Ruyant Rang drei abgejagt hat, kommen dabei besser zurecht.

“Freue mich auf den Atlantik”

Auch deshalb sagt Herrmann: “Ich freue mich darauf, wieder auf dem Atlantik zu sein, bei den Bedingungen, die ich kenne, bei stabilerem Wind. In der neuen Rangliste bin ich auf den neunten Platz zurückgefallen, und das ist sehr enttäuschend. Aber ich hoffe, dass ich im Atlantik wieder aufholen kann. Aber diese Gruppe ist so kompakt und es geht so eng zu, es ist verrückt.

Letzte Nacht habe ich eine Nachricht in unserer WhatsApp-Gruppe verschickt, dass wir wegen Kollisionen aufpassen müssen. Ich habe ein Problem mit meinem AIS und war nicht so erfreut so nah beieinander zu segeln. Aber ich schließe jetzt wieder zu Louis und Isabelle auf, und es wird interessant. Zehn Grad Winddrehungen hier und da machen den Unterschied aus.”

Nach wie vor liegt Yannick Bestaven komfortabel an der Spitze. Er rundete Kap Hoorn rund zehn Stunden vor Charlie Dalin, und wenn man seine Zeitgutschrift von 10,5 Stunden dazu zählt, verdoppelt sich der 160 Meilen-Vorsprung nahezu. Wenn man dann noch bedenkt, dass in der Vendée Globe-Geschichte der Kap-Hoorn-Führende nur einmal nicht als Sieger über die Ziellinie segelte, spricht Vieles für den Maitre-Coq-Skipper.

“Ich bin dickköpfig”

Er sagt nach der Rundung: “Ich bin dickköpfig, das ist einer meiner großen Fehler, aber auch eine meiner Qualitäten”, sagte der 48-jährige Ingenieur, der die führende Hydrogeneratoren-Firma Watt & Sea gegründet hat, vor dem Start. Aber er sei eben auch sehr belastbar und verfüge über eine starke Psyche, die besonders bei harten Bedingungen helfe. Das hat er insbesondere den vergangenen Wochen im Südpolarmeer bewiesen.

Am Kap Hoorn blickt er auch zurück: “Ich musste an meine Möglichkeiten und an meine Route glauben, ohne mir zu viele Gedanken darüber zu machen, was meine Konkurrenten tun könnten. Ich musste stur sein. Aber ich hätte nicht gedacht, dass man so weit an die Grnzen des menschlichen Körpers gehen kann, um all den Stress, die Kälte, die Feuchtigkeit und die Einsamkeit physisch und mental zu überwinden. Es gab einige magische Momente auch einige sehr harte. Zum Beispiel, als das Boot aus dem Ruder lief während ich mitten in der Nacht auf dem Deck stürzte. Ich fragte, was zur Hölle ich in diesem Moment dort machte.”

Aber Bestaven kann sich längst nicht ausruhen. Charlie Dalin setzt sofort im Neuen Jahr den ersten Angriff. Während Bestaven in der Außenkurve den Aufstieg im Atlantik beginnt, nimmt Dalin die Abkürzung durch die Le-Maire-Straße zwischen der Isla de los Estados und dem östlichsten Ausläufer des argentinischen Teils von Feuerland.

Charlie Dalin rundet Kap Hoorn mit guter Sicht. © Charlie Dalin / Apivia

Damit spart Dalin viele Meilen und halbiert den Rückstand in kürzester Zeit auf knapp über 80 Meilen. Der Rennfavorit berichtet von den Lehren seines Wetter-Spezialisten Jean Yves Bernot, mit dem er sich auf die Vendée Globe vorbereitet hat. “Er sagt uns immer, dass wir nach Kap Hoorn unseren Modus ändern müssen. Das werde ich nun auch tun. Es ist eine neue Phase des Rennens. Ich arbeite schon seit ein paar Tagen an der Strategie für den Aufstieg. Da gibt es einiges zu tun. Nach Kap Hoorn werden die Schlafpausen noch kürzer.”

“Noch viele Optionen”

Das Boot mache keine Probleme. Er sei zuletzt im Sturm sehr vorsichtig gewesen, damit es nicht so sehr beschleunigt. Nun sei der Unterschied im Atlantik schon zu merken. In den vergangenen Tagen musste er mit sieben Meter hohe Wellen kämpfen. Aber nun ist die See flacher. Es muss sich zeigen, wie viel schneller er nun wirklich mit seinem Neubau ist gegenüber Bestavens fünf Jahre altem Foiler der ersten Generation.

Die aktuelle Maitre Coq segelte als einer der Favoriten die vergangenen Vendée Globe unter dem Namen Safran II und lief nach einer Kollision Kapstadt an. Das Schiff ist nahezu ein Schwesterschiff von Bureau Vallée, dem letzten Siegerschiff (ex Banque Populaire), wurde aber anders als Herrmanns Seaexplorer-Yacht Club de Monaco nicht mit der neuesten Foil-Generation nachgerüstet.

Dalin sollte weiterhin beste Chancen haben, diese Regatta zu gewinnen, wenn er sein Schiff zu 100 Prozent ausfahren kann und ein Einbahnstraßen-Speed-Kurs zum Ziel führen würde. Aber die Wetterprognosen sehen beileibe nicht so aus. Der Atlantik soll kompliziert werden. Dalin bestätigt: “Es ist noch ein langer Weg, noch 7000 Meilen und bei diesem Spiel gibt es noch viele Optionen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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