Vendée Globe: Fünf Frauen auf ihren IMOCA am Start – neuer Rekord!

Echte Frauenpower

Kann ganz cool Richtung Vendée Globe blicken: Isabelle Joschke © Martinez/plastimo

Davies, Joschke, Hare, Barrier und Cremer – noch nie gab es so viel weiblichen Andrang. Obwohl das Rennen um die Welt schon öfters von Frauen geprägt wurde.

Nachdem Banque Populaire kürzlich bekannt gab, dass sie für ihr neues Team-„Gesicht“ Clarisse Cremer bei Michel Desjoyeaux einen IMOCA gemietet haben, mit dem die junge Mini-Transat-Zweitplatzierte schon im nächsten Jahr um die Welt segeln soll, war die Sensation perfekt. Noch nie zuvor engagierten sich so viele Seglerinnen für die Nonstop-einhand-Regatta rund um die Welt – Cremers Qualifikation einmal vorausgesetzt. 

Dhream-Cup, Davies, Joschke

Sam Davies, die 2009 die Vendée Globe als Vierte beendete © davies

Seit 1989 haben in dem alle vier Jahre ausgerichteten Rennen sieben Frauen teilgenommen. Und was für welche! Isabelle Autissier, DIE weibliche Hochseelegende in Frankreich, war schon ein echter Star, als sie 1996/97 teilnahm und sogar als Favoritin gehandelt wurde. Doch ein Reparaturstopp in Kapstadt warf sie offiziell aus dem Rennen, was sie nicht daran hinderte, trotzdem um den Globus zu segeln. Im gleichen Jahr schaffte Catherine Chabaud die Frauen-Premiere bei dieser bereits dritten Vendée Globe-Ausgabe – die Tore waren nun sperrangelweit geöffnet für alle SeglerInnnen, die noch folgen sollten. 

Und was für welche! Die Britin Ellen MacArthur, 24 Jahre jung, beendet das Rennen im Jahr 2001 als Zweitplatzierte – lächerliche 24 Stunden hinter Sieger „Professeur“ Michel Desjoyeaux. 

Vier Jahre später sind Anne Liardet (Rang 11) und Karen Leibovici (Rang 13) erfolgreich. 

Bei der nächsten Ausgabe setzen erneut zwei Britinnen dem Rennen ihren Stempel auf. Sam Davies wird brillante Vierte, Dee Caffari (später erste Frau, die Einhand nonstop um die Welt gegen die vorherrschenden Windrichtunngen segelt) schafft Rang 6. Davis geht 2012 wieder an den Start, verliert aber ihren Mast im Atlantik. Dass sie nach einer Notreparatur schließlich mit einem improvisierten „Mast“ aus dem Baum ihrer IMOCA unter einem Laser-Segel (!) zurück in die Bretagne segelte, brachte ihr kaum weniger Schlagzeilen ein, als dem späteren Sieger Francois Gabart. 

Die Britin Pip Hare © Hare Ocean Racing

Dass auch im Segelsport das Leben ein stetiges Auf und Ab ist, zeigen die folgenden Jahre. Erstaunlicherweise ist bei der hervorragend besetzten, und best-gecoverten Vendée Globe aller Zeiten (2016) keine einzige Frau am Start. Und das, obwohl im Hochsee-Zirkus so viele Frauen wie nie zuvor unterwegs waren: Figaro2, Class 40, Mini und natürlich das Frauen Team SCA beim Volvo Ocean Race. 

Doch nun das Sahnehäubchen: Fünf Frauen beim Vendée Globe 2020. Frauenpower pur: 

  • Sam Davies, Britin mit Wohnsitz in Lorient/Bretagne, wird auf dem Foiler Initiative Coeur zum Dritten Mal dabei sein. Sie sieht sich zwar keinesfalls als Favoritin, ihre Chancen auf einen Podiumsplatz werden allerdings mit hoch bis sehr hoch bewertet.
  • Isabelle Joschke, Deutsch-Französin, ebenfalls mit Wohnsitz in Lorient. Seit 2017 segelt sie auf ihrem IMOCA, seit Ende letzten Jahres ist ihre Kampagne auch finanziell durch einen neuen Hauptsponsor (trotz Mastbruch bei der Route du Rhum) abgesichert. Isabelle wird auf einem IMOCA ohne Foils an den Start gehen, streng nach dem Motto: Keep it simple – dann geht schon weniger kaputt. Isabelle ging den klassischen Hochsee-Karriereweg: Mini, Figaro, Class 40… und nun IMOCA. 
  • Pip Hare, britische Journalistin und Profiseglerin mit reichlich Erfahrung auf der Class 40 wird die kommende Vendée Globe auf einem Klassiker bestreiten: Die „ex Superbigou“ wurde noch von Bernard Stamm auf einem Hinterhof selbst gebaut und schon vor 20 Jahren zu Wasser gelassen. Letztes Mal finishte der jüngste VG-Teilnehmer aller Zeiten, Alan Roura (damals 23 Jahre jung) ohne nennenswerte Probleme auf dem Boot. Vintage hin oder her – in Sachen Robustheit ist das Boot keine schlechte Wahl!

Alexia Barrier © barrier

  • Alexia Barrier segelt ebenfalls auf einem älteren Modell, zeigt sich in der Wahl des Bootes aber eher frauensolidarisch: Die Profiseglerin trainiert derzeit (im Mittelmeer) auf einem Lombard-IMOCA, den Catherine Chabaud 1998 für ihre erste Vendée Globe noch selbst gebaut hatte. Alexia segelte das Boot bei der Route du Rhum 2018 immerhin auf Rang 15.
  • Clarisse Cremer wird (siehe SR-Artikel) ebenfalls ohne Siegambitionen an den Start gehen, aber jetzt schon die Tage zählen, bis ihr Boot wieder aus der Werft geschoben wird. Die exSMA (Sieger_IMOCA der letzten Route du Rhum) wird derzeit vom Banque Populaire Team aufgepäppelt. Clarisse ist zwar ein Rookie in der IMOCA-Klasse, hat sich aber bereits Lorbeeren in der heiß umkämpften Mini-Serien-Klasse verdient: Rang 2 ist mehr als respektabel!

Clarisse Cremer wirkt auch nach wochenlanger Einsamkeit auf See erfrischend locker © breschi

Voilà, bleibt abzuwarten, wie sehr die „Girls“ den „Junx“ um die Ohren segeln werden. In einem Starterfeld von wahrscheinlich über 30 Booten dürfte der eine oder andere Herr im Kielwasser der Frauen bleiben. Vor allem aber wäre allen Frauen am VG-Start zu wünschen, dass sie heil die Runde um den Globus schaffen. Wettkampf der Geschlechter hin oder her. 

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