Vendée Globe: Fünf Skipperinnen in einer Berghütte – Joschke: „Es war royal!“

Vom Mount Everest der Hochsee in die Berge

Skitouren in den Bergen nach Surfs auf der Ozeandünung: Fünf der sechs Teilnehmerinnen der letzten Vendée Globe erholten sich gemeinsam in einer Skihütte. Hoher Sympathiefaktor!

Isabelle und Kolleginnen – ex-Konkurrentinnen © domeyne

Im ersten Moment kam es dem Autor dieser Zeilen etwas seltsam vor, als ihm Isabelle Joschke bei einem Treffen kurz nach der Vendée Globe gestand: „Jetzt freue ich mich erstmal auf die Berge!“ Da segelt die Deutsch-Französin solo um die Welt – wenn leider auch mit Havarie-Stopp in Brasilien – und hat kurz darauf nichts Anderes im Sinn, als Schneetouren auf ein paar Tausend Metern Höhe! Doch Isabelle klärte das rasch: „Logisch, wenn du monatelang nichts als Wasser um Dich herum gesehen hast, kommen dir Berge wie das Paradies vor!“ Und außerdem mache sie diesen Ausflug bereits zum fünften Mal – und zwar in ausgesprochen sympathischer Begleitung. 

Nur für Skipperinnen

Hintergrund dieser kleinen Story ist eine Einladung des „Refuge Buffère“ in den Französischen Alpen, die seit 2017 ausschließlich für Frauen aus dem Hochseezirkus ausgesprochen wird und in den Vendée Globe-Jahren den Finisherinnen der Rund-um-die-Welt-Regatta vorbehalten ist. 

Skitouren tagsüber und Abends Talk vor dem kaminfeuer © domeyne

Isabelle schwärmte schon vor ihrer Anreise: „Ich bin bereits zum fünften Mal dabei. Und jedes Mal ist es für uns Frauen ein besonderes Erlebnis, wirklich entspannt und ohne den Regattadruck und Wettkampfgedanken zusammen zu kommen. Obwohl wir uns ja alle kennen und teilweise sogar vom gleichen Hafen aus lossegeln, sind solche Momente doch eher die Ausnahme.“ 

So kam es, dass sich fünf von sechs Vendée Globe 2020/21-Teilnehmerinnen für vier Tage über 2.000 Meter Höhe trafen: Isabelle Joschke, Clarisse Cremer, Samantha Davies, Alexia Barrier und Miranda Merron. Pip Hare musste wegen aktueller Corona-Auflagen zuhause im Britischen Königreich bleiben – sehr zum Bedauern aller Teilnehmerinnen. Nach dem „Mount Everest des Hochseesegelns“ ging es also tatsächlich in die Berge. 

In Ruhe alles erzählt

Doch dieses Mal sei das Treffen etwas Besonderes gewesen, berichtet Isabelle dem SegelReporter: „Wir sind zwar mit der selben Regatta um die Welt gesegelt, haben auch teilweise auf See Kontakt untereinander gehabt. Aber so richtig ins Erzählen kommt man dann doch erst, wenn alles hinter dir liegt.“ In der Hütte Buffère und bei den Skitouren haben die Frauen endlich die Zeit gefunden, sich ihre Abenteuer, Erlebnisse, Schrecken und natürlich auch Glücksmomente im Detail zu erzählen, berichtet Isabelle weiter. „Es war wirklich beeindruckend, in dieser faszinierenden Berglandschaft die vier KollegInnen zu erleben – losgelöst vom Vendée Globe-Stress, ohne Termine und Verpflichtungen!“ 

Einfach mal die Beine hochlegen! © domeyne

Alle Teilnehmerinnen seien sich einig gewesen, dass diese Tage ein regelrechtes Highlight im Vendée Globe-Zirkus waren. Und die meisten hängten gleich noch ein paar Urlaubstage  an – soweit Corona dies überhaupt zuließ. Isabelle Joschke: „Es waren wirklich motivierende Momente auf der Hütte. Wir haben ja alle schwierige Situationen bei der Vendée Globe erlebt. Alles nochmals in Ruhe Revue passieren zu lassen und sich mit den anderen Frauen auszutauschen – sowas motiviert! Es war einfach royal.“ 

Das nächste (seglerische) Highlight für Isabelle Joschke: Die Transat Jacques Vabre 2021. Bei diesem Rennen hat sie noch eine Rechnung offen, nachdem sie bei der letzten Ausgabe kurz nach dem Start mit ihrem IMOCA auf Grund gelaufen war. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Vendée Globe: Fünf Skipperinnen in einer Berghütte – Joschke: „Es war royal!““

  1. avatar breizh sagt:

    Mit welchem Boot will Isabelle denn die TJV angehen? Ist Ihr Boot nicht schon verkauft bzw. steht zum Verkauf?
    Das klingt aber alles so als würde sie dem Sport als Aktive erhalten bleiben. Wäre klasse.

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