Vendée Globe: Gute Prognosen für Boris Herrmann – Sechs Meter Wellen im Anmarsch

"Warum nicht vom Sieg träumen?"

Gegnerischer Teamchef sieht Boris Herrmann auf dem Podium der Vendée Globe. Auch andere Berechnungen deuten in diese Richtung. Die nächsten Stunden entscheiden, ob er nicht vom Hoch gefangen wird.

“Wenn ich wirklich wetten müsste, dann darauf, dass Boris aufs Podium kommt”, sagt Marcus Hutchinson, irischer Team Manager von LinkedOut mit Skipper Thomas Ruyant, einem der härteste Konkurrenten Herrmanns. “Es wird deutlich, dass er ein sehr schnelles Boot hat. Wir kennen es sehr gut, haben in Frankreich viel gegen ihn trainiert. Und es ist intakt.” Sein Speed zeige im Vergleich aber auch, wie viel schneller Apivia und LinkedOut eigentlich segeln müssten, wenn ihre Backbord-Foils voll einsatzfähig wären.

Herrmanns Co Skipper Will Harris erklärt die aktuelle Situation noch einmal ausführlich. Der Deutsche wird bei der 15 Uhr-Positionsmeldung nach wie vor auf Rang zwei geführt mit stabilem Rückstand von 77 Meilen zum Führenden Charlie Dalin.

Aber die Prognosen verdichten sich, dass Louis Burton mit seinem West-Schlag Erfolg haben wird. Im täglichen Vendée Globe-Programm sieht die Voraus-Animation der Wetter-Berater den Bureau Vallée Skipper klar vorne. Und demnach würde auch Herrmann noch der Absprung in den westlichen Wind-Korridor schaffen, der seinen Verfolgern nicht mehr gelingt.

Wird es so kommen? Die Routing-Berechnungen der VG-Organisatoren sehen am Sonntag Burton klar in Führung und Herrmann (3.v.o.) gleichauf mit Dalin.

Aber sicher ist das keinesfalls, wie auch Will Harris in seiner Interpretation der Lage darlegt. Es könne gut sein, dass sein Skipper ebenfalls von der Schwachwindzone im Osten heimgesucht wird.

“Zeitboni werden sicherlich ins Spiel kommen”

Am Morgen bekundet Herrmann im Interview, dass er sich gut fühle. „Es ist gut für die Moral, Zweiter zu sein, auch wenn es im Moment nicht viel bedeutet. Die vor uns liegende Woche wird die unglaublichste Woche dieser Vendée Globe und überhaupt der Geschichte der Vendée Globe sein. Die sechs oder sieben Boote an der Spitze liegen aktuell alle sehr dicht beieinander, ebenso Jean Le Cam. Die Zeitboni werden sicherlich ins Spiel kommen. Das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Einen garantierten Platz auf dem Podium habe ich noch nicht, das ist natürlich mein Traum und mein Ziel, aber es wird sehr eng werden. Es wird eine harte Woche, aber ich freue mich sehr darauf.“

Anfang der Woche muss er sich nahe der Azoren noch einmal auf harte Bedingungen vorbereiten. Dann bewegt sie noch einmal ein heftiges Tief in nordöstlicher über den Nordatlantik auf die britischen Inseln zu. Dabei müsse er insbesondere die bis zu sechs Meter hohen Wellen beachten, sagt Harris. Sie können den Speed stark beinträchtigen.

An Bord von Seaexplorer-Yacht Club de Monaco läuft zurzeit alles gut, berichtet Herrmann. Er genießt weiterhin den großen Vorteil, das Potenzial seines Bootes voll ausfahren zu können. Die Bedingungen werden angenehmer, je weiter sich die Skipper dem Hoch nähern. Dann wird die See erst einmal ruhiger als in den vergangenen Tagen beim Nordostpassat. Aber richtig ausruhen kann er sich nicht. Wichtige taktische Entscheidungen bezüglich des weiteren Routenverlaufs und der Wahl der besten Segelkonfiguration kommen zum Tragen. Bald wird er halsen müssen.

Armel Le Cléac’h, Sieger der vergangenen Ausgabe der Vendée Globe, kommentierte die gute Platzierung von Boris ebenfalls: „Er segelte auf der ersten Hälfte der Strecke eher konservativ. Er hat die weise Entscheidung getroffen, das Boot, welches unheimlich schnell segeln kann, nicht zu hart zu belasten. Das hat er gut gemacht, sich eher diskret verhalten und gut positioniert. Jetzt wissen wir, dass er das volle Potenzial des Bootes nutzen kann und sich auch bei viel Wind wohl fühlt. Wir könnten diesmal einen Nicht-Franzosen auf dem Podium haben, warum also nicht vom Sieg träumen?“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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