Vendée Globe: Herrmann kämpft sich wieder voran – ZDF-Bericht über die 10. Woche

Ist jetzt die Zeit gekommen?

Boris Herrmanns Rückstand bei der Vendée Globe war in der Flaute auf 157 Meilen angewachsen. Aber mit seiner Zeitgutschrift liegt er immer noch im Bereich des Führungsduos. Nun holt er wieder auf.

Der Seaexplorer Skipper hatte jede Menge Segelwechsel zu absolvieren, bevor er aus den instabilen Winden in die Nordostwind-Zone eintauchte. Er wundert sich über die ungewöhnlich hohen Wellen. Das Boot knallt wieder ungemütlich in die Wellen. “Das ist extrem unkomfortabel. Aber ich bin natürlich viel glücklicher – das ist viel besser als kein Wind.”

Zurzeit knallt er mit zwei Reffs und der kleinen J3 Fock gut 17 Knoten schnell gen Norden und macht wieder Boden auf die Konkurrenten gut.

Gut zu erkennen die Ausschläge beim Windwinkel (AWA) auf 150 Grad korrespondierend zum absackenden Speed. Immer dann, wenn Herrmann für einen Segelwechsel abfällt.

Viel geschlafen habe er nicht. Aber nun ist das Schiff wieder in Schwung. Auch wenn der Rückstand in der aktuellen Tabelle um 18 Uhr immer noch bei 160 Meilen liegt und er auf Rang sechs geführt wird. Zuletzt war Herrmann wieder schnellstes Boot in seiner Gruppe.

Gefahr weiterer Ausfälle

Yann Eliés, dreifacher Figaro Sieger und Vendée-Globe-Fünfter 2017, warnt vor den starken Passatwinden zwischen 20 und 25 Knoten. Man muss die richtige Balance zwischen hohem Speed und ausreichender Schonung des Bootes finden bei einem ziemlich spitzen Windwinkel von etwa 70 Grad (TWA) und rauer See. “Es würde mich nicht überraschen, wenn noch ein oder zwei Boote bis zum Ende ausfallen.”

Als Favorit sieht Eliés Charlie Dalin, mit dem er überlegen im Doublehanded-Modus die Transat Jacques Vabre Atlantik-Regatta auf Apivia gewonnen hat. Aber er glaubt, dass es für ihn dennoch nicht einfach wird Burton, Herrmann und auch Bestaven in Schach zu halten.

Boris Herrmann bei der Arbeit auf seinem IMOCA. © Andreas Lindlahr

Boris Herrmann habe er mit seinen großen Foils eigentlich schon früher in der Spitzengruppe erwartet. “Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht”, sagt er gegenüber V&V. “Ich war enttäuscht, dass er nicht schon länger vorne segelt. Ist er der Favorit? Hat er sich bis jetzt zurücckgehalten und jetzt ist seine Zeit gekommen? Er hat alles, um erfolgreich zu sein, aber ich habe 60 Tage auf ihn gewartet…”

50 Knoten Wind kurz vor dem Ziel

Aber die Zeit-Joker für Herrmann und Bestaven könnten noch eine große Rolle spielen. Es sei noch ein bisschen früh, aber man könne beginnen die Stunden mitzuzählen, wenn sich die Flotte dem Azorenhoch nähert. “Es ist besser so einen Joker zu haben, als ihn nicht zu haben.”

Das Cockpit mit seinem Trimmleinen. © Andreas Lindlahr

Die Spitzengruppe habe etwa am 25 Januar aber noch nördlich der Azoren eine harte Prüfung zu überstehen. Böen bis zu 50 Knoten Wind. Also etwa drei Tage vor dem Ziel könne noch eine späte Entscheidung fallen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Herrmann kämpft sich wieder voran – ZDF-Bericht über die 10. Woche“

  1. avatar brahms sagt:

    Boris ist zu weit nach Westen abgekommen. Er hat mehrere West-Schlenker schon in den vergangenen Tagen gemacht. Wozu? Wäre er dich mit seiner Zeitgutschrift einfach nah dran einem der beiden Führenden geblieben.
    Den Rückstand segelt er so schnell nicht mehr heraus. Auch wenn die Geschwindigkeit gut ist, die VMG von Dalin ist immer besser.

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