Vendée Globe: Herrmann segelt mit vier Booten in Sichtweite – Dalin im Stop-and-Go-Modus

"Ein toller Tag"

Die Vendée Globe hat mit dem Treffen der fünf Verfolger an der Eisgrenze einen neuen Höhepunkt geliefert. Boris Herrmann steckt mittendrin. Charlie Dalin gibt weiterhin Rätselraten auf.

Gemeinsam in den Sonnenuntergang. Herrmann und Burton. © Boris Herrmann / Seaexplorer – YC de Monaco

Boris Herrmann hat sichtlich Spaß. Schön, ihn so aufgekratzt zu sehen. Kein Wunder. So etwas gab es noch nie: Ein Treffen von fünf IMOCAs nach knapp der Hälfte der Vendée Globe. Nach gut 12.000 bewältigten Meilen im Bereich des 50. Breitengrades. Allen beteiligten Skippern ist die Freude anzusehen. Eine hübsche Auflockerung nach der ganzen Quälerei im Indischen Ozean, der es wahrlich nicht gut mit ihnen meinte.

Situation am 16.12 9h. Das Duo an der Spitze ist auf 450 Meilen weggesegelt. Die Verfolger segeln mit achterlichem Wind und müssen mehrfach halsen.

Der Deutsche schwärmt: “Es war ein toller Tag, ich musste wirklich aufpassen, um nicht mit Damien zusammenzustoßen. Die Boote haben sich wie Magnete angezogen. Aber ich wollte meinen Autopiloten wirklich nicht anfassen. Er war perfekt eingestellt, um schnell zu fahren… Jetzt kann ich in der totalen Dunkelheit vier Lichter um mich herum sehen – das ist noch nie passiert! Ich war so nah an Damian dran, dass ich mit ihm von Boot zu Boot reden konnte…Und dann haben wir auch noch über WhatsApp gechattet…das ist wirklich schön – keine Einsamkeit mehr. Mein Traumtag! Es war warm… einen Teil des Tages habe ich draußen ohne Jacke gearbeitet: Ich habe das Heck des Bootes zu meiner Werkbank gemacht und habe mit dem Schleifer und der Bohrmaschine und diesem und jenem gespielt… und das Segel wieder zusammengeklebt. Ein wirklich lustiger Tag zur Abwechslung!”

Nach einem Tag im Fleetrace-Modus klebt die Gruppe der fünf Verfolger auch immer noch eng zusammen. Sie segeln im sogenannten VMG- Modus (Velocity Made Good) mit achterlichem Wind. Das heißt, sie drücken mit der größtmöglichen Beseglung den Bug nach Lee und versuchen den besten Kompromiss zwischen maximaler Tiefe und Geschwindigkeit zu erzielen.

Dabei kann Boris Herrmann seine schönen langen Flügel wieder einmal nicht gewinnbringend einsetzen. Sie bremsen ihn ebenso wie Louis Burton und er hatte sie zuletzt bei leichterem Wind so weit wie möglich eingezogen. Die Nicht-Foiler von Le Cam und Seguin und Dutreaux konnten zuletzt auch deshalb im Schnitt 15 Meilen davon ziehen.

Der Abstand zum Führungsduo beträgt nun 450 Meilen und wächst weiter. Dabei hat Yannick Bestaven die Führung übernommen. Er war mit seinem älteren Foiler zuletzt etwas schneller als Thomas Ruyant, der nun eigentlich auf dem Bug mit seinem intakten Flügel segelt.

Damien Seguin freut sich über den Besuch von Boris Herrmann. © Boris Herrmann / Seaexplorer – YC de Monaco

Herrmann segelt hinter Louis Burton. © Boris Herrmann / Seaexplorer – YC de Monaco

Burtons Sicht auf Seexplorer. © Louis Burton / Bureau Vallée

Rätselraten gibt es immer noch um Charlie Dalin. So richtig erklärt hat er noch nicht, was exakt sein Problem ist – und ob es gelöst ist. Er war auch schon wieder schnell auf Backbordbug unterwegs und hätte damit die Stelle des Schadens voll belastet. Dann segelte er aber kurzzeitig wieder mit vier Knoten, ist aber nun nach einer Halse mit mehr als 20 Knoten Speed wieder Schnellster im Feld.

Bestaven (Maitre Coq) rechnet damit, dass er den Vorsprung in der Dreiergruppe weiter ausbauen kann. Er hatte zuvor sein Schiff maximal gepuscht, um nicht wie die Fünfer-Gruppe hinter ihm von der Leichtwind-Zone eingeholt zu werden. Mit dem kleinen Gennaker segelte er am Limit. Aber nun erntet er die Früchte des wilden Rittes. Im Zweikampf mit Ruyants Neubau macht er sich aktuell erstaunlich gut. Dazu sagt er: “Meine Foils sind nicht sehr groß, aber sie sind stark!”

Race-Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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