Vendée Globe aktuell: Herrmanns Begegnung mit Bestaven – Sam Davies großer Gewinner

Flotte in der Flaute

Charlie Dalin (Apivia) ist bei der Vendée Globe 70 Meilen vor Ryant möglicherweise eine Vorentscheidung geglückt. Er scheint das Schlimmste hinter sich zu haben. Herrmann hofft, dass die Nordroute funktioniert.

Der Süd-Atlantik ist eigentlich der schnellste Teil der Vendée-Globe-Route. Hierfür sind die IMOCA-Foiler konstruiert. Für lange Highspeed-Surfs. Hier hat Alex Thomson vor vier Jahren den aktuellen IMOCA Rekord auf 536.81 Meilen in 24 Stunden hochgeschraubt. Und hier sollte auch die Basis gelegt werden für den Vendée-Globe-Rekord, den Armel Le Cléac’h mit 74 Tage und 3 Stunden aufgestellt hatte. Die Konstrukteuere hatten nun vorhergesagt, dass sogar eine Zeit von unter 70 Tagen möglich sei. Stattdessen liegt der Führende Charlie Dalin bereits vier Tage hinter der Spitzenzeit zurück. Aber ihn wird es wenig stören. Denn er hat seinen Verfolger eindrucksvoll abgeschüttelt und segelt im frischen Wind

Die Lage im Südatlantik. Jede Menge Flautenpassagen.

Für den Rest der Flotte aber wird es nicht besser. Sie liegt immer noch in der Flaute. Das St. Helena-Hochdrucksystem lässt die Einhandsegler nicht los. Es wird von einer Kaltfront durchschnitten und hat nun die Spitzengruppe der Vendée Globe-Flotte gespalten. Die einen segeln nördlich davon, die anderen südlich.

Dalin (gelb) hat sich von Ruyant (blau) absetzen können. Erweist sich die nördliche Position für Herrmann (grau) als Falle?

Dabei haben sich nun immer mehr Skipper für die Südroute entschieden. Louis Burton (Bureau Vallée) war der erste Abbieger und schien der große Gewinner sein zu können. Aber in der Nacht holte Samantha Davies (Initiatives Coeur) 90 Meilen zu ihm auf, nachdem sie etwas später den Blinker gesetzt hatte.

Die Speed-Entwicklung in der Spitzengruppe. Apivia (gelb) ist am Schnellsten, Thomson (schwarz) kommt nur langsam in Fahrt. Davies (rot) hat viel Boden gut gemacht.

“Ich denke, ich habe den richtigen Zeitpunkt gewählt, um nach Süden zu halsen und durch die Front zu kommen”, sagt Davies. “Ich hatte in den Regenböen an der Front  richtig guten Wind, um damit nach Süden zu kommen. Zeitweise segelte ich 20 Knoten schnell auf Foils. Es ist mir gelungen, Louis Burton einzuholen. Im Moment liegt er nur zwei Meilen im Lee von mir. Es ist schön, ein Boot in der Nähe zu haben, mit dem man sich vergleichen kann.”

Zu zweit im Norden der Kaltfront. Ob das gut geht? © BHR

Das gilt auch für Boris Herrmann. Der segelt Bord an Bord mit Yannick Bestaven (Maitre Coq) und hatte mit ihm Funkkontakt und ihn sogar mit seiner Drohne besucht.

Strategisch ist die nördlich Position der beiden zusammen mit Escoffier (PRB) gefährlich. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht dem alten Haudegen Jean Le Cam zu folgen. Seine Windnase scheint zurzeit bestens zu funktionieren. Dabei kokettiert der 61-Jährige mit seinem Alter und der Erfahrung. “Die Leute müssen denken: “Ach du meine Güte, Le Cam ist alt…Aber je mehr dumme Dinge man getan hat, wenn man jünger ist, und wenn man so viele getan hat wie ich, dann lernt man, was man vermeiden sollte.”

Boris Herrmann misst sich mit Yannick Bestaven mitten im Südatlantik. © BHR

Momentan scheint die Südoption besser auszusehen. Auch Alex Thomson hat auf diesem Kurs wieder Fahrt aufgenommen. Aber in diesem Gebiet des Südatlantiks können sich die Skipper momentan auf nichts mehr verlassen. Die Wettermodell sind unzuverlässig. Escoffier sagt, ein Routing empfehle ihm 100 Grad nach Osten zu steuern und ein anderes schicke ihn auf einen Südkurs.  “Vielleicht sollte ich Jean um Rat fragen, er scheint es zu wissen. Ich denke, dass man der Geschwindigkeit den Vorzug geben muss. Das habe ich die ganze Nacht getan, mit vier Segelwechseln. Ich versuche, das Boot einfach nur schnell in Bewegung zu halten.”

Boris Herrmann zeigt, wie ein Segelwechsel funktioniert:

Alex Thomson gibt ein Update zu seinen Reparaturarbeiten. Er hat fertig laminiert:

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe aktuell: Herrmanns Begegnung mit Bestaven – Sam Davies großer Gewinner“

  1. avatar Kristof sagt:

    Mal eine Frage zu dem Tracker: Für alles Mögliche gibe es ja heutzutage 3D-Ansichten, also vom Globus. Das Rennen heißt Vendee Globe, und die Jungs biegen ab, um in den nächsten Woche den Südpol zu umrunden. Trotzdem ist der offizielle Tracker in der dafür denkbar schlechtesten Projektion dargestellt (“Mercator”). Alles was man sieht, Positionen, Richtungen und Wettergeschehen, ist schrecklich verzerrt.
    Gibt es das Ganze auch in einer “Globus-Ansicht”, oder zumindest in einer angemessenen Projektion? Ich habe nichts gefunden.

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