Vendée-Globe-Hype: 45 Teilnehmer könnten Boris Herrmann herausfordern – Zehn Neubauten?

Stand der Dinge

Nach dem großen Erfolg der vergangenen Vendée Globe wirft schon die nächste Auflage ihre Schatten voraus. 2024 könnten 45 potenzielle Einhandsegler dabei sein. Ein Überblick über die stärksten Projekte.

Der Start zur Vendée Globe 2020. © Jean-Louis Carli/Alea

45 Skipper bereiten aktuell eine Teilnahme bei der nächsten Vendée Globe vor. Das ist das Ergebnis von Recherchen unter anderem der französischen Zeitschrift V&V. Bei der vergangenen Regatta waren 34 Boote erlaubt, 33 haben teilgenommen und 25 sind ins Ziel gekommen. Wie viele IMOCAs es diesmal an die Startlinie schaffen, ist nicht klar. Aber offenbar nimmt die Begeisterung für die Einhand-Weltumsegelung immer weiter zu.

Das zeigt sich unter anderem bei den Neubauprojekten. Während 2021 sieben neue 60-Fußer das Abenteuer begannen, alle mit großen technischen Problemen zu kämpfen hatten, aber Charlie Dalin mit Aivia immerhin auf Rang zwei segelte, könnten es diesmal sogar zehn neue Schiffe werden.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Projekte:

  • Vendée-Globe-Sieger Yannick Bestaven hat mit Maître CoQ den Bau eines neuen Verdier-Designs verkündet, das auf der Form des Neubaus für 11th Hour basiert mit das US-Team Top-Favorit bei The Ocean Race ist. Es wird bei der CDK-Werft gebaut
  • Jérémie Beyou baut ebenfalls bei CDK in Lorient seine “Charal 2”. Designer wird Sam Manuard der Plattbug-Spezialist sein.
  • Kevin Escoffier bekommt eine neue PRB die schon bei Carrington in England, wo Alex Thomson seie IMOCAs bauen lässt. Das Schiff ist schon halb fertig, weil es eigentlich für ein The Ocean Race Projekt gedacht war, das aber nicht zustande gekommen ist
  • Boris Herrmann hat “Malizia 3” auf den Weg gebracht, ein VPLP-Design, das auf der Multiplast-Werft in Vannes entsteht.
  • Maxim Sorel, der zehntplatzierte Shootingstar hat den Bau eines Schwesterschiffes der aktuellen Apivia verkündet.

Soweit die bestätigten Projekte. Darüber hinaus gibt es Anzeichen für weitere Initiativen.

  • Sam Davies versucht offenbar ihren Sponsor Initiatives Coeur davon zu überzeugen, das Schwesterschiff der Bureau Vallée 3 (ex-L’Occitane en Provence) zu erwerben, dessen Bau auf der Black Pepper-Werft bereits begonnen hat.
  • Charlie Dalin hat die Ambitionen verkündet, dass er es noch einmal mit einem neuen Schiff versuchen wolle. Sein Vertrag mit der Versicherungsgesellschaft „Apivia“ läuft 2021 nach der Transat Jacques Vabre aus und ist noch nicht für eine weitere Vendée Globe in trockenen Tüchern. Doch eine Vertragsverlängerung – dann inklusive Neubau – scheint sich abzuzeichnen.
  • Thomas Ruyant sieht seine Vendée Globe Geschichte auch noch nicht beendet. Sein Vertrag mit LinkedOut endet nach der Route du Rhum 2022. Er will Ende 2022 seinen blauen IMOCA, mit dem er auch beim Ocean Race Europe gegen Robert Stanjek und Crew angetreten ist, als einer der wenigen VG-Spezialisten auch beim Crew-Rennen um die Welt antreten. Ob er danach noch einmal neu bauen darf, ist offen.
  • Alex Thomson kommuniziert derzeit auch sehr verhalten seine Pläne. Hugo Boss ist überholt und mit zwei neuen Rudern ausgestattet worden. Er wird noch einmal beim Fastnet Race im Doublehanded Modus antreten. Ein Auftritt bei der Transat Jacques Vabre im Herbst ist wahrscheinlich, aber ob er noch mal neu baut für die Vendée Globe 2024?

Vor der vergangenen VG war den Foilern der älteren Generation mit kleineren Flügeln keine Chance gegenüber den Neubauten eingeräumt worden. Es kam anders. Spezielles Wetter und Bruch bei den Favoriten führten sie auf Rang eins und drei. Daraus kann man sicher keine Regel für 2024 ableiten. Aber die möglicherweise ist bei der nächsten VG-Auflage der technische Unterschied zwischen älteren und neuen Booten nicht mehr so groß. Denn die neuen Regeln haben etwa die ausufernde Entwicklung der Foil-Länge stark reglementiert. Es muss sich zeigen, ob die Designer bei Neubauten noch viel aus der Formel herausholen können, was sie schneller machen könnte.

Deshalb besteht eine Chance, dass die Konstruktionen für die vergangene VG noch sehr konkurrenzfähig sein werden. Folgende Segler könnten deshalb auch eine gewichtige Rolle spielen.

    • Louis Burton hofft etwa, nach dem Kauf der ex L’Occitane en Provence von Armel Tripon wieder auf das Podium segeln zu können. Diese Strategie – den Kauf eines verlässlichen Bootes wie damals des Siegerboots 2016 Banque Populaire VIII – hat ihm schon einmal großen Erfolg gebracht.
    • Romain Attanasio kann nach der Übernahme von Boris Herrmanns ehemaliger “Malizia 2” größere Ansprüche anmelden und vielleicht auf Augenhöhe mit seiner Frau Sam Davies segeln – wenn sie kein neues Boot bekommt.
    • Benjamin Dutreux ist ebenfalls in eine höhere Liga eingestiegen, seitdem er nach dem TORE-Sieg mit Stanjek verkündet hat, dass er seinen Nicht-Foiler gegen die von 11th Hour optimierte ex Hugo Boss tauschen darf. Das Schiff ist wohl das Schnellste der vergangenen Generation.
    • Damien Seguin will auch weiter vorne angreifen nach seinem unglaublichen 7. Rang mit einem Nicht-Foiler bei der VG. Er hat Yannick Bestavens  Siegerboot Maître CoQ gekauft. Wenn er es mit neuen Foils updaten darf, könnte auch er vielleicht mit den Neubauten mithalten.
    • Benjamin Ferré ist ein neuer Name bei der Vendée Globe. Der Drittplatzierte beim Mini-Transat 2019 soll einen Partner gefunden haben, der ihm den Kauf der Banque Populaire X (ex SMA und Macif, Sieger der VG 2012-13) ermöglicht. Das inzwischen elf Jahre Boot galt lange Zeit als schnellster Nicht-Foiler und wurde von der jungen Clarisse Cremer bei ihrer Premiere wohl nicht entsprechend seinem Potenzial um die Welt gesegelt. Ein Foil-Update könnte es auf Augenhöhe etwa mit einem Boot von Sam Davies Initiatives-Cœur bringen.
    • Violette Dorange die durch Optimist-Langstrecken und beim Minitransat große Aufmerksamkeit erreichte, will 2024 die jüngste Vendée Globe-Teilnehmerin werden. Die 20-Jährige hat keinen Hehl aus ihren Ambitionen gemacht und peilt offenbar einen Neubau an. Aber das Budget ist noch nicht gesichert.

Weitere große Namen wie Isabelle Joschke, Armel Tripon, Sebastien Simon oder Altmeister Jean Le Cam haben sich noch nicht über ihre Pläne geäußert. Auch Sie könnten noch konkurrenzfähige Projekte an die Startlinie bringen. Es scheint jetzt schon sicher zu sein, dass die nächste Vendée Globe die spannendste aller Zeiten werden könnte. Der Erfolg der vergangenen Auflage hat den Fokus neuer Sponsoren auf diese Regatta gerichtet. Und gerade Boris Herrmann ist für den neuen Zyklus so gut aufgestellt, wie noch nie.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée-Globe-Hype: 45 Teilnehmer könnten Boris Herrmann herausfordern – Zehn Neubauten?“

  1. avatar Andreas sagt:

    Der sympathische Beat Fankhauser hat das Rennen auch auf seiner Page:
    https://bf-racing.com/?page_id=165

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