Vendée Globe: IMOCA-Video zum Trost für gebeutelte Skipper – Faszination Offshore-Racing

Schwierig, Flugmeilen zu sammeln

In dieser Saison sollte die Vendée Globe der absolute Höhepunkt des Segeljahres 2020 werden. Nun haben viele Skipper große Probleme. Die IMOCA-Klasse macht ihnen Mut mit einem Highlight-Video.

Der Start der Vendée Globe am 8. November 2020 steht bisher nicht in Frage. Und Einhand-Hochseesegler sollten eigentlich die am wenigsten Betroffenen der Corona-Krise sein. Aber die aktuelle Saison ist für viele Skipper entscheidend, ob sie es tatsächlich bis an die Startlinie schaffen werden.

Die Startliste ist nicht final. Bisher gibt es 35 Bewerber für 30 Plätze. Aber längst nicht alle sind qualifiziert. Vielen fehlen die nötigen Offshore-Regattameilen, die ein Boris Herrmann schon bei der Route du Rhum 2018 gesammelt hat. Die beiden Vorbereitungsrennen von Brest nach New York und zurück nach Les Sables-d’Olonne im Mai und Juni werden wohl ausfallen.

Auch die Budgets vieler Skipper dürften leiden, wenn die wirtschaftliche Krise bei ihren Sponsoren ankommt. Mindestens vier gemeldete Skipper hatten schon vor dem Virus-Ausbruch nicht ihr nötiges Budget zusammen. Und das dürfte nun nicht einfacher werden.

19 Foiler am Start

Aber vor dieser Vendée Globe ist der Wert der Trainingsmeilen unter härtesten Bedingungen ungleich größer als bei vorherigen Auflagen. Denn der Entwicklungsschritt hin zum Foil-unterstützten Segeln ist in jüngster Zeit besonders extrem ausgefallen. 

Während vor vier Jahren von 27 IMOCA 60 Fußern sieben mit den Beschleunigern unterwegs werden diesmal 19 an der Startlinie erwartet – davon acht Neubauten. Und die Erkenntnisse für die Foil-Vorgaben bezüglich Form und Stabilität haben sich so radikal verändert, dass für Skipper, die einigermaßen im Vorderfeld mitsegeln wollen, eine Umrüstung auf die aktuellste Version unverzichtbar ist. Der Speed-Zuwachs gegenüber Nicht-Foilern bei entsprechenden Bedingungen beträgt nun bis zu 15 Prozent. Die Einhandsegler erreichen bis zu 40 Knoten Geschwindigkeit.

Der IMOCA Neubau für Thomas Ruyant wartet auf ein neues Paar Flügel. © Pierre Bouras

Aber die Generation der neuen Flügel muss ebenfalls ausgiebig getestet werden. Nun wird der Zeitplan allerdings eng. Einige Segler wie Thomas Ruyant, warten in Lorient darauf, dass ihr Schiff den letzten Schliff bekommt. Ab April wollte er mit seinem Neubau “Advens for Cybersecurity” ersten Flugmeilen sammeln und insbesondere ein neues Foil-Paar anbauen. Aber er wird sich wohl gedulden müssen. Die Flügel sollen von der italienischen Hightech-Yachtwerft Persico geliefert werden. Die liegt aber inmitten des Corona-Ausbruchzentrums Bergamo. An Arbeit ist dort zurzeit nicht zu denken.

Licht am Ende des Tunnels

Team Manager Markus Hutchinson glaubt dennoch, dass das sein Skipper in einer besseren Position ist, die Krise zu überstehen, als einige andere. Die haben ihre neuen Boote noch nicht zu Wasser gelassen, die Qualifikationspassagen noch nicht abgeschlossen oder Probleme mit ihren Sponsoren.

Die Flügel für Thomas Ruyants Neubau sind schon wieder obsolet. Er wartet auf ein neues Paar. © Pierre Bouras

Das gilt auch für Boris Herrmann. Mitglieder seines Teams konnten noch in letzter Minute die neuen Tragflächen beim Hersteller abholen, bevor dieser die Tore schloss. Er hofft jetzt, dass bei der vermuteten Transat-Absage eine alternative Vorbereitungsregatta zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet.

Aktuelle Pläne dazu hat die IMOCA-Klassenvereinigung allerdings noch nicht veröffentlicht. Im Moment stehen andere – existenzielle – Probleme im Vordergrund. In der Hoffnung auf eine schnelle Wendung der Dinge zum Positiven vertrösten die Organisatoren  aber Segler und Fans mit dem obigen neuen Video. Die Botschaft: Irgendwann sollte wieder Licht am Tunnel zu sehen sein.

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *