Vendée Globe: Jean-Pierre Dick in der Bass Strait – Le Cleac’h zieht davon

"Ich habe es satt"

Jean-Pierre Dick hat bei der Vendée Globe tatsächlich die Bass Strait bezwungen. Kein Spaß bei 30 Knoten Wind. An der Spitze fällt Alex Thomson immer weiter zurück.

Jean Pierre Dick

…nach entspanntem Segeln im Schutz von Tasmanien sieht das nciht aus.

Jean Pierre Dick

Jean Pierre Dick in der Bass Strait…

“Das ist wirklich komisch, plötzlich diese Lichter an Land zu sehen”, sagt Jean-Pierre Dick, als er im Schutz der Küste von Tasmanien 12 Stunden lang den brutalen Sturm abwettert, der ihm den Weg nach Westen versperrt. Er hat einen Umweg von gut 400 Meilen in Kauf genommen, um sich und das Material zu schonen.

Dick muss im Seegebiet bei Tasmanien höllisch aufpassen im Einhand-Modus. Es besteht die gEfahr von Kollisionen.

Dick muss im Seegebiet bei Tasmanien höllisch aufpassen im Einhand-Modus. Es besteht die Gefahr von Kollisionen.

Kein einfacher Weg für Dick durch die Bass Strait.

Kein einfacher Weg für Dick durch die Bass Strait.

Das Trio im Sturm. Dick (hell orange) gab Gas Richtung Tasmanien, Eliès stoppte im Sturm ab.

Das Trio im Sturm. Dick (hell orange) gab Gas Richtung Tasmanien, Eliès (grau) stoppte im Sturm ab.

Dabei war es navigatorisch keine leichte Aufgabe, denn der Wind wehte immer noch mit 30 Knoten, und da möchte man als Einhandsegler nicht unbedingt eine Küste in der Nähe haben. “Ich habe das AIS angemacht, denn dort herrscht Verkehr.” Dick hatte Angst vor einer Kollision, aber schließlich ist alles gut gegangen.

Aber der Mann, der bei der vergangenen Vendée Globe mehr als 2000 Meilen ohne Kiel segelte, hat nun gut 50 Meilen auf Yann Eliés verloren und seinen sechsten Platz an Jean Le Cam abgeben müssen. Der konnte die ungewöhnliche Wetter-Situation am besten für sich verwerten. Sein 300 Meilen-Rückstand auf Dick verwandelte sich in einen 60 Meilen großen Vorsprung.

Eliès außerhalb der Retter-Reichweite

Am härtesten hat es Yann Eliès erwischt, der die ganze Sturm-Gewalt zu spüren bekommt. Er segelt schon eine ganze Zeit lang ohne Vorsegel mit drei Reffs im Groß bei sieben Meter hohen Wellen. “So erreiche ich teilweise immer noch 20 Knoten Speed.” Aber die Welle wird immer schlimmer.

Dennoch steht er zu der Entscheidung, nicht den langen Weg durch die Bass Strait genommen zu haben. “Ich lag zu weit voraus, und das war keine Option. Ich mochte es auch nicht, in dem Sturm plötzlich die Küste von Tasmanien in Lee zu haben. Aber es stimmt schon. Sicher ist es ein besseres Gefühl, bei diesen Bedingungen näher an Land, als hier draußen außerhalb der Reichweite von Rettern zu segeln.”

Yann Eliès wettert schon den zweiten Sturm ab und ist genervt. © Elies

Yann Eliès wettert schon den zweiten Sturm ab und ist genervt. © Elies

Le Cleac'h (blau) segelt seit zwei Tagen klar schneller als Thomson.

Le Cleac’h (blau) segelt seit zwei Tagen klar schneller als Thomson.

Aber Eliès hadert mit seinem Schicksal. “Es zieht mich runter. Das ist jetzt schon das zweite Tief, das ich abwettern muss. Man weiß nie, was es mit dir oder dem Material macht. Ja, ich mache mir Sorgen, und ich habe es langsam satt. Ich verliere jedesmal 24 Stunden.” Im Indischen Ozean musste er schon einmal einem Sturm ausweichen. Dabei hat er vor ihm insbesondere den viertplazierten Jérémie Beyou im Blick, auf den er gut 400 Meilen verlor. Der Rückstand beträgt jetzt fast schon 1000 Meilen.

Thomson fällt weit zurück

Derweil hat sich der Zweikampf an der Spitze deutlich entspannt. Armel Le Cleac’h hat die komplizierte Wetterlage vor zwei Tagen bei der Passage eines Tiefdruck-Kerns deutlich besser erwischt als sein britischer Gegner. Der Vorsprung ist auf 274 Meilen angestiegen. Und Thomson glaubt nicht, dass sich das in nächster Zeit ändert.

Aber er äußert ein wenig Hoffnung: “Der große Vorteil ist, dass der Nord-Süd-Abstand gewachsen ist.” Daraus können sich bei dem drehenden Wind Möglichkeiten ergeben. Er wolle bloß nicht mit Wind von Backbord kreuzen müssen. Dabei werde sich das fehlende Foil sehr negativ bemerkbar machen.


Die nächsten beiden Tage bringen für die beiden Topp-Plazierten eine Entlastung durch den leichteren Wind. Aber taktisch werden sie zur Herausforderung. Schafft Thomson das Comeback oder macht Le Cleac’h alles klar?

Härter wird gerade der Kampf um Rang drei ausgefochten. Jérémie Beyou macht mit seinem Foiler ordentlich Druck auf Paul Meilhat mit dem konventionellen Siegerboot der vergangenen Vendée Globe. Er ist auf knapp 60 Meilen heran gekommen.

Jérémy Beyou (rot) war zuletzt deutlich schneller unterwegs als Meilhat und setzt zum Überholen an.

Jérémy Beyou (rot) war zuletzt deutlich schneller unterwegs als Meilhat und setzt zum Überholen an.

Vendée Globe Tracker

Le Clac'h hat sich einen komfortablen Vorsprung erarbeitet. Dick

Le Clac’h hat sich einen komfortablen Vorsprung erarbeitet. Dick

Der Starkwind-Wirbel bei Tasmanien

Der Starkwind-Wirbel bei Tasmanien

 

 

 

 

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Carsten Kemmling

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