Vendée Globe: Kevin Escoffier sagt, was mit “PRB” passiert ist – Le Cam erklärt die Rettung

"In zwei Teile gebrochen"

Es habe nur vier Sekunden gedauert, bis das Schiff zusammenklappte. Der gerettete Vendée Globe PRB-Skipper Kevin Escoffier erklärt, warum er seine 60-Fuß-Yacht verlassen musste.

Kevin Escoffier befindet sich jetzt sicher und wohlbehalten an Bord des Bootes von Jean Le Cam. Nach elfeinhalb Stunden in seiner Rettungsinsel erklärt er kurz per Video, was mit seinem Schiff passiert ist. In einem Zeitraum von etwa 4 Sekunden sei der Bug um 90 Grad hochgeklappt. Das Schiff ist in zwei Teile zerbrochen.

Escoffier schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und ist den Tränen nahe.

Kurz habe er noch seinen Kopf in das Cockpit gesteckt und einen Notruf per Textnachricht absetzen können, dann sei eine Welle durch das Schiff geschwappt und sie habe die gesamte Elektronik funktionsunfähig gemacht. “Es war völlig verrückt. Das Schiff hat sich in zwei Hälften gefaltet. Ich habe schon viel gesehen, aber so etwas noch nicht.”

Zu Le Cam sagt er: “Jean, du segelst ein unglaubliches Rennen, und ich habe es verbockt. Es tut mir wirklich leid…Auch wegen des Bootes“, bekundet er gegenüber dem Präsidenten seines Sponsors PRB Jean-Jacques Laurent, der ebenfalls in die Video-Übertragung eingebunden ist. Aber der winkt schnell ab. “Das ist doch nur eine Sache. Das macht nichts.”

Escoffier wiederholt mehr zu sich selber und sehr emotional, dass er sich doch nichts vorzuwerfen habe. Das Schiff sei vor dem Rennen mit 200 Kilogramm Karbon verstärkt worden. “Wir haben es wirklich überall verstärkt.” PRB galt zuvor als eines der leichtesten Boote der IMOCA-Flotte und auch deshalb als schnellstes der älteren Schiffe, die mit Tragflächen nachgerüstet wurden.

Jean Le Cam hat inzwischen erklärt, wie er Escoffier in der Dunkelheit finden konnte, obwohl die Suche mit den drei anderen am Unglücksort eingetroffenen Skippern erst im Morgengrauen bei besserem Licht fortgesetzt werden sollte.

Etwa zwei Stunden nach der EPIRB-Aktivierung sei er angekommen, habe Escoffier auch kurz in seiner Rettungsinsel gesehen, mit ihm per Funk Kontakt aufgenommen, sei vorbei gesegelt und habe gesagt, dass er nach einem Manöver zurückkommen werde. Aber das ist nicht einfach bei 32 Knoten Wind und fünf Meter hohen Wellen. Er verlor ihn aus den Augen.

Escoffier beim Funken unter Deck. © Yann Riou/Polaryse

Fünf oder sechs Mal sei er zu der vermuteten Stelle zurückgekehrt. Immer wieder sei er die schwierige Wende gefahren, und am Ende dabei rückwärts getrieben. Aber er habe ihn nicht finden können. Also sei er in den Stand-by-Modus gegangen, um auf das Tageslicht zu warten.

Dann habe er gedacht, dass er die beleuchtete Rettungsinsel vielleicht gerade nachts besser sehen kann. Und als er wieder auf dem Deck Ausguck hielt, habe er tatsächlich einen Lichtblitz gesehen. “Einbildung? Eine Erscheinung! Ich sagte mir, dass es nicht wahr ist. Ich setzte den Kurs fort und hielt weiter in der Richtung Ausguck. Und es gab mehr Erscheinungen.”

Man gehe ja von Verzweiflung zu Verrücktheit über. Aber irgendwann habe er seinen Sinnen getraut. Das Licht war real. Er hatte wieder Kontakt zum Schiffbrüchigen, befand sich aber in einer nicht idealen Luv-Position für das Mann-über-Bord-Manöver.

Die ganze Story in den Video Mitschnitten (ENG):

Escoffier habe gefragt: “Kommst du zurück?“ “Ich sage: nein, ich komme nicht zurück. Wir machen es genau jetzt.” Le Cams Schiff trieb im Moment des Kontakts rückwärts. Offenbar war der Skipper in den Wind gegangen. “Plötzlich war er ganz nahe, nur zwei Meter vom Heck entfernt. Ich werfe den hufeisenförmigen Rettungsring , den ich Gott sei Dank vorbereitet habe, in seine Richtung, und er kann ihn tatsächlich fangen. Das war Glück!” Escoffier schaffte es, sich selbst an der Leine zum Schiff zu ziehen und über das Heck einzusteigen.

Der Wettfahrtleiter Jacques Caraes erklärt, dass sie durchaus permanent ein Mann-über-Bord-Signal empfangen hätten. Aber es war nicht klar, ob es mit Escoffier verbunden gewesen sei, da es sich sehr extrem bewegte. Oder trieb es im Wasser? Sie wussten auch nicht, ob sich das EPIRB in der Rettungsinsel oder beim Boot befand. Erst als sich die Position mit der berechneten Driftposition deckte, wurde Le Cam in diese Richtung geschickt

Wassereinbruch schon nach drei Tagen

Wie konnte ein solcher Horror-Unfall passieren? Wie kann dieser IMOCA einfach zusammenklappen? Am 11. November, drei Tage nach dem Start bei hartem Wetter, hatte Escoffier einen größeren Wassereinbruch vermeldet. Hunderte Liter waren eingedrungen, aber der Grund für den Schaden soll nur ein defektes Ventil gewesen sein, über das Wasser aus dem Tragflächen-Schacht entfernt wird. Mit Hilfe der Bord-Pumpe und nach mehrstündiger Reparatur konnte der Skipper den Schaden beheben. Diese Episode hat aber vermutlich nichts mit dem Struktur-Kollaps zu tun.

Dagegen könnte ein anderer Vorfall entscheidender gewesen sein. Am 24. September 2020 kurz vor dem Start der Vendée Globe ist Kevin Escoffier mit zwei Besatzungsmitgliedern während eines IMOCA-Trainings in der Nacht bei gut 30 Knoten Speed gegen Treibgut geknallt. Die beiden Mitsegler verletzten sich bei dem Aufprall sogar leicht. Das Boot wurde aus dem Wasser geholt und einer gründlichen Strukturprüfung unterzogen. Ob es vielleicht doch Folgeschäden gab?

PRB (orange) war in den vergangenen Tagen neben Bureau Vallée (gelb) das schnellste Schiff auf dem Kurs.

Escoffier schien keine Zweifel an der Belastbarkeit seines Materials zu haben. Zum Zeitpunkt des Unfalls drückte er im Southern Ocean mächtig auf das Gaspedal. Er war im Begriff, den zweiten Platz zu erobern und machte auch Boden auf den Führenden Charlie Dalin gut. Ob er zu stark gepuscht hat?

Das Boot war 2009 für Vincent Riou vom Stapel gelaufen, um die Vendée Globe zu gewinnen. Riou, der 2004 schon gewonnen hatte, war mit seinem Neubau der große Favorit. Das VPLP-Verdier-Design galt mit nur sieben Tonnen Gewicht schon damals als leichtester Neubau der Flotte.

2018 beauftragte den argentinischen Designer Juan Kouyoumdjian damit das Schiff für die Route du Rhum mit Tragflächen aufzurüsten. Seitdem gehört PRB zu den schnellsten Schiffen der IMOCA-Flotte und Escoffier bewies das mit Co-Skipper Nicolas Lunven 2019 durch einen zweiten Platz bei der Atlantik-Regatta Transat Jacques Vabre gegen die schnellsten Neubau-Foiler. Es wird der letzte große Erfolg des orangen Bootes gewesen sein. Es liegt nun tief auf dem Grunde des Southern Ocean.

Race-Tracker

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „Vendée Globe: Kevin Escoffier sagt, was mit “PRB” passiert ist – Le Cam erklärt die Rettung“

  1. avatar Ahoi sagt:

    Irgendwie nimmt die Qualität der Berichterstattung bei SR enorm ab. Wenn man schon die Pressemitteilung der Vendée Globe 1:1 übernimmt dann bitte zumindest richtig und unverzerrt. Das ist ehrlich gesagt eine klägliche Übersetzung.

    • avatar Horst sagt:

      Das war hier nie anders…

    • avatar eku sagt:

      Mal ganz einfach gedacht …
      Was soll Carsten denn machen, außer genauso wie die wenigen Verrückten hier immer alle passenden Webseiten zu scannen?
      OK! die Pressemitteilungen wird er automatisch bekommen. Ja, da läuft dann die Google Übersetzung. In diesem Fall aber sicher händisch korrigiert, sonst wäre das schlimmer (habe auch die PM in englisch zuerst gelesen)

      Zur Frage was er denn machen soll: Hinfliegen? – Live per Video/Audio? – … in letzterem Fall müssen da sicherlich ein paar Taler fließen.

      Michael Kunst ist mW der einzige S-Reporter, der da etwas mehr Input aus dem Umfeld beisteuern kann.
      Meinst du, das der an diesem Tag von irgendjemandem Antworten bekommt (die seriös veröffendlicht werden können)? Da werden alle, die da näher bei sind, unter Schock stehen.

      Behelfsweise wird sich heute Abend in der Kneipe drüber unterhalten (Die geschlossen ist! Nicht vergessen!). Aber auch wenn die geöffnet wäre … das dürfte ein seriöser Jurnalist nicht einfach raushauen.

      Ich finde das schon ok, was diese Webseite macht – geht iA einfach nicht besser!

      Habt in diesem Fall Verständnis !!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × vier =