Vendée Globe: Le Cleac’h zieht im Sturm weiter davon – Thomson im Überlebensmodus

"Lebensgefährlich, die Toilette zu benutzen"

Alex Thomson meldet sich bei der Vendée Globe aus dem Sturm bei sechseinhalb Meter hohen Wellen. Er hofft, dass das Boot die Belastung aushält und sieht etwas angenockt aus.

Das Führungduo segelt seit Tagen im Überlebensmodus. Dabei drückt Alex Thomson etwas mehr auf die Bremse als sein französischer Gegner. Armel Le Clac’h hat jetzt schon fast 200 Meilen zwischen sich und den Briten gebracht.

Das Spitzenduo segelt immer noch im schweren Sturm.

Das Spitzenduo segelt immer noch im schweren Sturm.

In zwei beeindruckenden Botschaften von Bord macht der Hugo-Boss-Skipper klar, dass es für ihn im Moment nicht um Angriff geht. “Manchmal rase ich mit 30 Knoten eine Welle herunter bevor wir fast zu einem kompletten Stillstand kommen. Ich werde im Schiff herumgeworfen. Die Gedanken wandern herum. Was passiert, wenn etwas Strukturelles am Rumpf bricht oder wenn wir mit etwas kollidieren. In der absoluten Dunkelheit ist es noch schwieriger so etwas aus dem Kopf zu kriegen.”

Alex Thomson, Hugo Boss

Thomson segelt konservativ (graue Linie). Die Speed-Linie schlägt zugunsten von Le Cleac’h aus.

Thomson erzählt, dass er sich den Alarm auf 45 Minuten stellt, um nach dieser Zeit, das Schiff auf den Vorwindkurs zu bringen, an Deck zu gehen, und das Wasser aus dem Großsegel zu schöpfen, das sich am Großbaum sammelt. Es sei ziemlich gefährlich, wenn man das nicht tut.

Taktische Optionen

Er hofft, dass diese extremen Bedingungen nicht mehr lange andauern. Aber nach einer kurzen Beruhigung wartet schon der nächste Sturm, der aus nördlicher Richtung von Neuseeland herunter zieht. Dieses beinhaltet einige taktische Optionen für die beiden Führenden, da sich ihr Nord-Süd-Abstand auf gut 100 Meilen vergrößert hat.

Le Cleac’h segelt weiter im Süden auf einer theoretisch kürzeren Route, will unter das Zentrum des Tiefdruckgebiets kommen und es zuerst erreichen. Dafür muss er möglicherweise eine Zeitlang etwas höher am Wind segeln. Es kann sei, dass er sich in der noch einmal deutlich von Thomson absetzen kann, aber es besteht auch die Möglichkeit, dass der Brite stark aufholt.

Vendée Globe Tracker

In einem anderen Video-Protokoll von Bord gibt der Hugo-Boss-Mann weitere Einblicke in seine Situation. “Es ist lebensgefährlich, die Toilette zu benutzen. – Ich versuche, nicht daran zu denken, wo ich in diesem Rennen liege, sondern nur daran, wie ich durch das Tiefdruckgebiet komme.”

“Ich verliere etwas auf Armel, aber ehrlich gesagt, stört mich das im Moment nicht so sehr. Es ist nun das Wichtigste, das Boot zu schützen und nichts kaputt zu machen. Und selbst wenn man so konservativ segelt wie ich im Moment, mit eingezogenem Foil und drei Reffs, muss man sich wundern, was diese Boote aushalten.”

Problem mit dem Foil

Thomson war eine Zeitlang schneller als sein Duell-Gegner unterwegs, verlor aber trotzdem Meilen auf ihn. Es kann mit einer Schwierigkeit zusammen hängen, von der er berichtet: “Ich hatte ein Problem mit dem Foil, musste 12 Meilen lang vor den Wind abfallen. Das System zum Aufholen und Abfieren machte ein paar Probleme. Aber ich habe das gelöst.”

Weiter hinten im Feld hat Romain Attanasio seine komplizierte Ruder Reparatur erfolgreich erledigt. Ihm waren beide Ruder nach einer Kollision gebrochen. Danach segelte er nach Kapstadt in die Bucht vor Simonstown, um dort im ruhigen Wasser zu ankern und den Schaden zu begutachten.

Dabei stellte er fest, dass sein 18 Jahre altes Schiff auch einen zwei Meter langen Riss am Rumpf aufweist. Er schaffte es, den Riss zu schließen ein Ersatzruderblatt zu montieren und das zweite zu reparieren. Eine Extrem-Leistung, die wohl nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Nun hofft der Franzose, dass alles hält auf dem weiteren Weg um die Welt. Er hat seinen Kurs wieder aufgenommen 6500 Meilen hinter dem führenden Boot.

Die gebrochenen Ruder von Attanasio © Attanasio

Die gebrochenen Ruder von Attanasio © Attanasio

© Attanasio

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Le Cleac’h zieht im Sturm weiter davon – Thomson im Überlebensmodus“

  1. avatar Müller sagt:

    Keine Ahnung, wie die Stimmung bei Le Cleach an Bord ist, aber ich könnte mir vorstellen, dass sich Thomson als erstes einen Topf weiße Farbe kauft, wenn er zurück ist 😉
    Wie kann es sein, dass sich, bei einem Boot das dermaßen nass segelt, eine solche Menge Wasser im Groß sammelt, dass man man sich da stündlich drum kümmern muss? Was für ein ärgerlicher Bug…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 11

  2. avatar Fabian sagt:

    Le Cleach is halt mehr der Segelheld, der nicht über die Angst spricht… Thomson schert sich da nich drum und sagt das er die Hosen voll hat. Bei 6 m Welle und 50 kn Wind auf nem gerade mal 7.5 t schweren übertakelten 60 Füsser ist das wohl nicht komisch. Vorallem dann, wenn schon so oft wie für Thomsen, etwas schief gegangen ist und er aus arg bedrohlichen Situationen gerettet werden musste.
    Wie auch immer, ich bin mir sicher die Stimmung bei Le Cleach is nicht anders.

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    • avatar Müller sagt:

      Hallo Fabian,
      da bin ich ganz Deiner Meinung. Und, dass Thomson so offen kommuniziert macht ihn extrem sympatisch. Ich glaube halt, mit dem vielen schwarz (so cool das Boot aussieht) hat er sich für harte Bedingungen keinen Gefallen getan. In pechschwarzer Nacht auf einem bockenden Schiff herumspringen, das sich kaum vom Wasser absetzt dürfte nur Jack Sparrow entspannen und entstehende Schäden sind auch nur schwer auszumachen. Irgendwann schlägt fehlendes Licht ja auch aufs Gemüt. Jedenfalls war das mein Eindruck aus seinen letzten Kommentaren.
      Es ist ein tolles Rennen und ich drücke die Daumen, dass die beiden die nächsten Tage gut durchkommen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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