Vendée Globe: Miranda Merron im Ziel – Die größten Risiken ging sie an Land ein

Die meiste Zeit gute Laune

Die Britin Miranda Merron (51) hat ihre Vendée Globe nach 101 Tagen und 9 Stunden auf Rang 22 beendet. Drei Boote sind noch im Rennen. Ihr Partner Mabire sagt, das Projekt sei wie Russisch Roulette gewesen.

“Ich war die meiste Zeit über gut gelaunt”, sagt Miranda Merron nach 101 Tagen auf See bei der Vendée Globe. “Ich habe versucht, Spaß zu haben. Ich hatte keine technischen Probleme, abgesehen von ein paar Sorgen im ersten Monat. Ich bin froh und stolz, hier zu sein. Ich weiß nicht wirklich, was ich mir vorgenommen hatte. Ziel war es, einmal um die ganze Welt zu segeln.”

Miranda Merron mit ihrem Langzeit-Partner Halvard Mabire. © Jean-Marie Liot / Alea

Tatsächlich war die Motivation von Miranda Merron, bei dieser Vendée Globe teilzunehmen, vergleichsweise banal. Der langjährige Sponsor Campagne de France, eine der führenden französischen Agrargenossenschaften, habe noch einmal für zwei Jahre unterschrieben “und da dachte ich, dass ich noch etwas Großes leisten sollte.” So erklärte es die Skipperin, die vor der intensiven Segelzeit eine erfolgreiche Werber-Karriere mit Camebridge-Studium gestartet hatte, vor dem Start (Porträt).

“Zuerst wollte ich den Solo-Rekord um die Welt in der Class 40 versuchen. Aber er Halvard meinte, dass es besser sei, die Weltumsegelung im Rahmen eines Rennens zu absolviren. Und so begannen wir das Gespräch über die Vendée Globe.”

130.000 Meilen zusammen als Duo

Halvard Mabire (64) ist seit gut 20 Jahren Lebenspartner der 51-jährige Britin und eine Legende der französischen Segelszene. Fünfmal nahm er am Whitbread Round the World Race teil und war schon Zweiter und Dritter bei der Solitaire du Figaro. Seit zwölf Jahren segelt er mit Mirron eine Class40 auf höchstem Niveau und ist auch Präsident der Klasse. Er hielt es unter anderem für sicherer, wenn seine Frau ihren Traum von der Einhand-Weltumseglung auf einem größeren Schiff im Rahmen einer Regatta verwirklicht. Und so machten sich die beiden an die Arbeit.

Mehr als 130.000 Meilen hat das Duo schon zusammen gesegelt. Und zu zweit geben sie richtig Gas. “Wir sind kein Paar, wenn wir zusammen segeln”, sagt Merron einmal. “Wir küssen uns dann vielleicht einmal in der Woche.” Am Ende des Rennens begrüßen sie sich dann regelrecht. “Hey Darling. Wir haben uns ja vier Wochen nicht gesehen.”

Merron am Ziel ihrer Träume. © Jean-Marie Liot / Alea

So etwa ist auch das Wiedersehen nach der Vendée Globe abgelaufen. Viel geredet wurde nicht. “Es gab nicht unbedingt sofort etwas zu sagen”, meint Mabire. “Wir waren einfach froh, wieder zusammen zu sein. Unterwegs habe man viel in Kontakt gestanden. Die Kommunikationsmöglichkeiten seien ja heutzutage extrem.

“Vielleicht ist es zu viel.” Man funke ja einfach an Land “Houston, wir haben ein Problem” und dann machen sich die Spezialisten Gedanken, wie es zu beheben sei. Den Teams an Land ist erlaubt, im Schadensfall mit ihrem Skipper Kontakt aufzunehmen. Dabei überprüft die Wettfahrtleitung die Kommunikation, damit keine verbotenen Hinweise zur Strategie gegeben werden können. Mabire glaubt, dass es auch durch diese intensivierte Praxis diesmal so wenige Ausfälle gegeben hat. “Eine große Landcrew ist ein großer Vorteil.” Dabei solle das Rennen ja eigentlich ohne Hilfe von außen stattfinden.

Vendée Globe als unfinished business

Für Merron gab es solch ein Team nicht. Gut eineinhalb Jahre lang arbeitete sie unablässig alleine mit Mabire an dem Schiff – an sieben Tagen in der Woche oft von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr abends. Für die Skipperin war es ein Traum, der schon schnell nach ihrem ersten großen Einhandsegel-Abenteuer bei der Route du Rhum 2003 begann. Schon ein Jahr später versuchte sie einen Vendée Globe Start zu realisieren. Sie scheiterte aber genauso an der Beschaffung der finanziellen Mittel wie vier Jahre später.

“Fast immer gute Laune” © Jean-Marie Liot / Alea

Seit 2009 segelte im Duo mit Mabire und auch er empfand diese Regatta als unfinished business. Mitte der 1990er Jahre hatte der Skipper aus Cherbourg sogar mit eigenen Händen eine IMOCA gebaut, die auf dem Papier in der Lage gewesen wäre, das Rennen 1996 gewinnen zu können. Aber das Boot sank während der Route du Rhum 1995. “Ich bin nie darüber hinweggekommen”, sagt er heute. Das Projekt mit Merron sei auch für ihn eine Möglichkeit, mit diesem Rennen abzuschließen, das ihn so sehr zum Träumen gebracht habe.

Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass sie beide für dieses Rennen große finanzielle Risiken eingegangen sind. Ein großer Schaden wäre wohl nicht zu verkraften. Es sei ein wenig wie Russisch Roulette mit fünf Kugeln im Lauf gewesen. “Wir haben es getan, weil wir es wirklich wollten. Aber wir hatten nicht die Mittel, um es gut zu machen. Es wird nicht möglich sein, ein solches Projekt zu wiederholen. Wir sind ein sehr großes Wagnis eingegangen und haben gewonnen, umso besser.”

Und die Frisur sitzt – Miranda Merron bei ihrer abschließenden Pressekonferenz. © Jean-Marie Liot / Alea

Sportlich hätten sie nach eigenen Angaben ohne Ausfälle auf dem Papier einen Platz zwischen 29. und 32. anstreben können. Das Schiff war 2006 für den Schweizer Dominique Wavre gebaut worden und ist bei der Vendée Globe zweimal um die Welt gesegelt. Wavre wurde 2013 schließlich Sieber in 90 Tagen. Bei der vergangenen Vendée benötigte der Amerikaner Rich Wilson 107 Tage. Mit 101 Tagen habe Merron damit “eine achtbare Leistung” abgeliefert sagt Mabire. “Ich denke, sie ist sehr gut gesegelt.”

Mit Manuel Cousin, Alexia Barrier und den Finnen Ari Hussela habe sie damit die Boote geschlagen, die technische etwa auf Augenhöhe sind. Alle drei befinden sich noch im Rennen. Nur Pip Hare auf der gleichaltrigen Medallia hat gezeigt, dass dann doch noch mehr drin war. Sie kam etwa sechs Tage früher ins Ziel.

Mehr wäre wohl möglich gewesen, wenn sie von ein paar weniger Problemen gebremst worden wäre. Das Fallenschloss des Gennakers hakte schon kurz nach dem Start, die Kielhydraulik leckte, Hydrogeneratoren brachen und vor Kap Hoorn streikte der Autopilot.

“Absolute Heldin”

Aber in der Öffentlichkeit machte sie das nur spärlich bekannt. Sie ist keine Pip Hare oder Sam Davies, die intensiv an ihrem Abenteuer teilhaben lassen. Die Außenwelt hörte erst davon, wenn die Probleme in Absprache mit Mabire gelöst waren.

Miranda Merron auf ihrer alten Campagne de France. © merron

Ein wenig Emotion zeigte sie dann doch bei der Rundung von Kap Hoorn. Sie dankte Tracy Edwards, die vor 23 Jahren einen elfköpfige Frauencrew für einen Jules-Verne-Rekordversuch zusammengestellt hatte und deren Teil sie war. Der Katamara “Royal SunAlliance” verlor allerdings auf der Höhe von Kapo Hoorn den Mast. “Ohne Tracys Abenteuer wäre meine Berufswahl wohl anders verlaufen.”

Edwards antwortete: “Du bist meine absolute Heldin bei dieser Vendée Globe.” Merron ist erst die neunte Frau, die jemals die Vendee Globe beendet hat, fünf von ihnen sind Briten. Ellen MacArthur, Sam Davies, Dee Caffari, Pip Hare und nun Miranda Merron.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 − 4 =