Vendée Globe: Mit 18 Knoten Container getroffen – Ryant mit klaffendem Riss im Boot

"Der Rumpf spaltet sich"

Der Franzose Thomas Ruyant meldet sich nach der Kollision bei der Vendée Globe von seinem auseinanderbrechenden Schiff. Der Riss im Rumpf wird immer größer.

Der Riss im Rumpf wird immer größer. © Ruyant

Der Riss im Rumpf wird immer größer. © Ruyant

 

“Ich habe das Großsegel geborgen und fahre unter Motor”, sagt Thomas Ryant von Bord seiner havarierten “Le Souffle du Nord pour Le Projet Imagine”.”Der Riss im Vorschiff spreizt sich immer weiter auf. Der Rumpf öffnet sich und die Rahmen-Spanten lösen sich überall.”

Die Situation des Franzosen ist alles andere als beruhigend. “Ich bin nicht sicher, ob das Schiff in einem Stück bleibt”. Ruyant befürchtet ein Auseinanderbrechen. Der Sturm ist zwar inzwischen über ihn hinweggezogen, aber der Wellengang in der Region beträgt immer noch  vier bis fünf Meter.

100 Meilen bis zum rettenden Land

Das einzig Gute an seiner Situation ist die Position kaum mehr als 100 Meilen von der Südküste Neuseelands entfernt. “Ich befinde mich Gott sei Dank in Helikopter-Reichweite, und das ist sehr beruhigend. Ich muss nur auf den Knopf drücken und dann kommen sie mich holen…” Ruyant steuert jetzt den Hafen von Bluff an, der noch 190 Meilen entfernt ist.

Ruyants Position. Er steuert Bluff an gegenüber von Stewart Island

Ruyants Position. Er steuert Bluff an gegenüber von Stewart Island

Das Cockpit sei auch nach wie vor nicht durch den Riss bedroht. Die Schotts nach vorne halten dicht und gewähren Schutz vor dem eindringenden Wasser. “Der Schock des Aufpralls war außergewöhnlich heftig. Ich zittere jetzt noch, wenn ich daran denke. Bei 17 bis 18 Knoten Speed ist das Schiff zum Stopp gekommen. Es muss wohl ein Container gewesen sein, wenn ich mir den Schaden am Rumpf ansehe. Das gesamte Vorschiff ist geradezu explodiert und hat sich zusammengefaltet. Glücklicherweise ist das Rigg nicht von oben gekommen.”

“Das möchte ich niemandem wünschen”

Ruyant sagt, er habe im Sitzsack geschlafen und sei mit ihm gegen das Schott auf Masthöhe geschleudert worden. Material, das im Heck gestaut war, sei bis ganz nach vorne geflogen. Das ist eine Strecke von zehn Metern. Die Nähe zur Frachter-Route zwischen Australien und Neuseeland mag das Problem sein. Ruyant glaubt, dass bei diesen harten Seegang-Bedingungen in diesem Gebiet sicher viele Container im Wasser schwimmen.

“Es war eine scheußliche Vendée Globe. Sie ist für mich nun vorbei. Ich bin auf halber Strecke um die Welt gekommen und bin nun sehr niedergeschlagen, dass es so enden muss. Ich hatte einige Probleme. Eine Menge Probleme, aber das möchte ich niemandem wünschen…”

Das Deck ist nahezu "explodiert". © Ruyant

Das Deck ist nahezu “explodiert”. © Ruyant

Ruyant hat laut Team-Sprecher Laurent Bourguès versucht, den Riss abzudichten. Er führt vom Deck bis unter die Wasserlinie. Allein die Längs-Struktur halte das Schiff noch zusammen. Auch das Steuerbord-Ruder drohe komplett abzureißen.

Mastbruch in voller Fahrt

1400 Meilen weiter westlich hat der Kollege Stéphane Le Diraison nach seinem Mastbruch ein Notrigg aus seinem Großbaum gebaut.  Er versucht, Melbourne zu erreichen und wird wohl mehr als eine Woche Zeit benötigen. Zurzeit ist er mit 3,5 Knoten Speed unterwegs.

Die Sturmfock am Notrigg. © Team S. Le Diraison

Die Sturmfock am Notrigg. © Team S. Le Diraison

Er wundert sich immer noch, dass der Mast direkt auf Deckshöhe gebrochen ist als er gerade einen Surf mit 28 Knoten Speed erlebte. Ein Auge am Achterstag-Beschlag ist gebrochen, als sich das Boot mit Vollgas in die nächste Welle bohrte.

Der Skipper versuchte mit großen Schwierigkeiten, das gebrochene Rigg zu kappen, denn brechende Wellen stiegen in das Cockpit ein. Dabei dachte er an seine Segel. “Es ist so schwierig, Geld für die Segel zu bekommen, und wenn man sie dann abtreiben sieht, tut es richtig weh.”

Abtreiben in die Eiszone

Es habe zwölf Stunden gedauert, alles in Ordnung zu bringen und ein Notrigg zu setzen. Der Großbaum stellt einen sieben Meter langen Mast dar, an dem er die Stumfock setzen kann. “Ich war wirklich erschöpft, und man muss irgendwo tief drinnen noch die Kraft finden. Aber ich wollte nicht so weit nach Süden in die Eiszone abtreiben.”

Das Deck übersät mit Kohlefaser-Splittern. © Team S. Le Diraison

Das Deck übersät mit Kohlefaser-Splittern. © Team S. Le Diraison

Der sieben Meter lange Baum in der Senkrechten. © Team S. Le Diraison

Der sieben Meter lange Baum in der Senkrechten. © Team S. Le Diraison

Le Diraison ärgert sich nun, dass er so weit von Frankreich entfernt ist wie es nicht weiter geht. Daraus ergeben sich große logistische Probleme, das Schiff wieder zurückzubringen. “Aber so ist eben die Vendée Globe – ein echtes maritimes Abenteuer. Und ich kann euch sagen, dass das Abenteuer weiter geht.”

Live-Koferenz aus dem Vendée Haupquartier:

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Carsten Kemmling

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