Vendée Globe: Mit Vollgas gen Süden – “Rothschild”-Josse auf Rang drei vorgerückt

Alex lässt es laufen

Die Foiler zeigen ihre Überlegenheit. Le Cleac’h knabbert an Thomsons Vorsprung. Josse greift auf der Innenkurve an und schiebt sich auf Rang drei vor.

Thomson lässt laufen, Josse spitzt etwas an und versucht abzukürzen.

Thomson lässt laufen, Josse spitzt etwas an und versucht abzukürzen.

Die Führenden halten auf den linksgedrehten Starkwind bei Rio zu.

Die Führenden halten auf den links gedrehten Starkwind bei Rio zu.

Alex Thomson behauptet an der Spitze der Vendée-Globe-Flotte eine solide Führung von 53 Meilen auf seinen ärgsten Widersacher Armel le Cleac’h. Aber der lässt nicht locker und pirscht sich langsam heran. In 24 Stunden machte er neun Meilen gut. Aber nun segeln beide Duellanten segeln mit ähnlichen Leistungswerten.

Der Meilenverlust von “Hugo Boss” hat nicht mit niedrigen Speedwerten zu tun. Im Gegenteil, der Brite ist meist das schnellste Boot der Flotte mit Werten über 20 Knoten. Aber das hängt auch mit einem anderen Modus zusammen, auf den er seinen Renner eingetrimmt hat.

Bestes Meilen-Etmal für “Hugo Boss”

Die Schoten sind etwas offener eingestellt, als bei der Konkurrenz. Thomson lässt es laufen. So erreicht er mit zuletzt 442 Meilen in 24 Stunden das beste Etmal und liegt damit sechs Meilen über dem von le Cleac’h.

“Hugo Boss” versucht möglichst schnell in den starken links gedrehten Wind im Süden zu kommen, wo sich ein Tief südlich von Rio formiert. Der VMG-Wert, der quasi den Speed in die richtige Richtung angibt, ist deshalb mit zuletzt 13 Knoten vergleichsweise niedrig ausgefallen.

Der rote Flecken im Süden ist der Zug, auf den Alex Thomson aufspringen will

Der rote Flecken im Süden ist der Zug, auf den Alex Thomson aufspringen will

Da ist Sébastien Josse mit seiner “Edmond de Rothschild” zurzeit deutlich effektiver unterwegs. Er kommt auf 17,5 Knoten VMG, was daran liegt, dass er einen spitzeren Kurs steuert und trotzdem auch absolut einen sehr hohen Wert von nahezu 20 Knoten erreicht.

Josse drückt zurzeit mächtig auf das Gaspedal und hat virtuell schon Rang drei von “PRB” erobert. Allerdings wertet der Tracker seine östliche Positionierung unrealistisch positiv. Er misst die Platzierung am direkten Weg zur Südspitze von Afrika. Eigentlich geht es aber gerade darum, möglichst schnell den Tiefdruck im Süden zu erreichen.

Sollte Josse aber den hohen Speed beibehalten, könnte ihm die Abkürzung weitere Meilengewinne zu Thomson bescheren. Sicher ist schon jetzt, dass er wie zuvor erwartet, den Speed der beiden Spitzen-Foiler absolut halten kann.

“PRB” versucht, dranzubleiben

Chancenlos bei diesen Bedingungen ist allerdings wie erwartet Vincent Riou mit seinem sechs Jahre alten Nicht-Foiler. Le Cleac’h ist an ihm vorbei gezogen, und so ist “PRB” dazu übergegangen, einen spitzeren und direkteren Kurs zu segeln.

“Die Bedingungen sind für mich im Moment sehr schwierig”, sagt Riou. “Wir wissen, dass die Tragflächen funktionieren. So ist es etwas unglücklich, dass der Wind nach den Doldrums so raum einsetzt.” Eigentlich war eine längere Strecke Am-Wind-Segelei eingeplant, und das hätte “PRB” sehr gut geschmeckt.

“Aber ich habe Glück, dass der Wind noch nicht so stark ist. Dann sind die existierenden Unterschiede nicht so groß. Ich muss nun einen Weg finden irgendwie dranzubleiben. Die Strecke ist noch lang. Ich warte darauf, zu sehen, was der Süd-Atlantik bringt. Dann weiß ich, ob meinen Fuß weiter durchdrücken muss. Es sieht so aus, als könnte es schwer schnell werden. Aber die Wettermodelle unterscheiden sich. Es gibt offenbar zwei Wege, um schnell zum Kap der Guten Hoffnung zu gelangen.” Mit seinem spitzeren Kurs hat er sich nun möglicherweise für einen anderen Weg als den der beiden Führungsboote entschieden.

Hinter Josse ist nun auch “Safran” in Schwung gekommen und zeigt mit einem 429 Meilen Etmal, dass es jetzt Zeit ist, Druck zu machen, wenn nach vorne noch etwas gehen soll. Lagravière bügelte über die mit Foils nachgerüsteten”Maitre CoQ” drüber, und deckte damit auf, dass Jérmie Beyou von technischen Problemen gebremst wird. Der Rückstand beträgt 150 Meilen. “Safran” bemüht sich, noch einmal in Schlagdistanz zur Spitze zu kommen.

Vendée Globe Tracker

So ballert Josse gerade durch den Atlantik:

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Vendée Globe: Mit Vollgas gen Süden – “Rothschild”-Josse auf Rang drei vorgerückt“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Das wird besonders für die hinteren im Feld noch einmal sehr interessant, wenn sich die Wetterprognosen bewahrheiten und sich das Tiefdruckgebiet auflöst, bzw. nach Osten abzieht und ein großes, schwachsinnig umlaufendes Nichts hinterlässt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Arwed sagt:

    …ein großes, schwachsinnig umlaufendes Nichts gibt es öfter, als man denkt. Im Arbeitsleben, beinahe täglich.
    Sch..ß Autokorrektur, oder?
    Sorry, aber der Ball lag perfekt perfekt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

    • avatar Johannes Bahnsen sagt:

      @Arwed: Neenee, das war schon so gemeint. Ich bin so albern…:-) Aber Recht hast Du!

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  3. avatar alikatze sagt:

    @ Johannes & Arwed: Danke Euch beiden für dieses bonmot 🙂

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