Vendée Globe: Nach dem Sieg für Deutschland bekommt Benjamin Dutreux selbst einen IMOCA

Eigene Pläne

Benjamin Dutreux hat gerade erst mit dem Sieg beim Ocean Race Europe auf “Einstein” seine bei der Vendée Globe entdeckten Fähigkeiten bestätigt. Nun wird er auch mit dem passenden neuen Boot belohnt.

“Dieses Rennen hat mir wirklich Lust gemacht, nächstes Jahr beim Ocean Race dabei zu sein”, sagte Benjamin Dutreux nach dem sensationellen Sieg mit dem Offshore Team Germany beim Ocean Race Europe. Und Robert Stanjek hatte hatte dem französischen Mitsegler die Türe weit geöffnet. Er könne sich gut vorstellen, 2022 mit dem 31-jährigen Franzosen auch die gesamte Runde um den Globus segeln zu können.

Aber daraus wird nichts. Dutreux hat seine eigenen Pläne. Er kann selbst ein Team zusammenstellen, mit dem er The Ocean Race bestreitet. Denn nun hat er auch das passende Boot. Die ehemalige “Hugo Boss”, von Alex Thomson 2017 auf Rang zwei bei der Vendée Globe gesegelt und seit 2019 im Besitz von Charlie Enrights Team 11th Hour, ist in seinen Besitz übergegangen.

Das OTG-Team: Annie Lush, Robert Stanjek, Benjamin Dutreux und Philipp Kasüske © miku

Dutreux erklärt, dass die Vorbereitungen für den Deal unmittelbar nach seinem Zieldurchgang bei der Vendée Globe gestartet seien. Er wollte unbedingt in vier Jahren erneut am Star sein und das mit einem schnelleren Schiff als dem 14 Jahre alten Nicht-Foiler “Omia”.

Schnellster IMOCA der alten Generation

“Ziel Nummer eins war es, mein Boot zu verkaufen. Das zweite war, ein zuverlässiges Boot kaufen zu bekommen, damit ich in der IMOCA Globe Series Championship sofort konkurrenzfähig sein kann”, sagt der Franzose auf der IMOCA-Klassenseite. Nun habe die Firma Crédit Agricole Atlantique Vendée den Kauf eines der spannendsten Boote der Klasse ermöglicht. “Es war nicht einfach. Wir waren ja nicht die einzigen Interessenten.”

Kein Wunder. Denn Alex Thomons ehemaliger 60-Fußer gilt immer noch als schnellster IMOCA der vergangenen Generation und hätte bei der vergangenen Vendée Globe eine wichtige Rolle spielen können – wenn er dabei gewesen wäre. Aber das Schiff diente dem 11th Hour Team nur als Entwicklungsplattform für The Ocean Race.

Benjamin Dutreux mit Bart. Selfie bei der Vendée Globe. © Benjamin Dutreux

Die Amerikaner haben das Schiff permanent modifiziert, teilweise mit asymmetrischen Foils ausgerüstet, 2019 noch mit Rang vier bei der Transat Jacques Vabre das Potenzial gegen die Neubauten gezeigt und schließlich mit weiter optimierten Flügeln auch beim Ocean Race Europe stark gesegelt. Besonders die wenigen Highspeed-Momente, als sich das US-Team auf Augenhöhe mit LinkedOut, dem schnellsten Foiler im vollen Flugmodus, bewegte, zeigten den immer noch hohen Wert der Konstruktion.

Für Enright und Co ist das Projekt mit der alten Hugo-Boss abgeschlossen. Der neue IMOCA steht kurz vor dem Stapellauf. Aber für Dutreux pass dieses Schiff perfekt zu seiner Entwicklung. Es ist ein Original-Foiler und muss nicht aufwendig mit Tragflächen nachgerüstet und verstärkt werden. Die Struktur des Bootes ist dafür ausgelegt. Sie hat viele Meilen im Kielwasser und große Zuverlässigkeit bewiesen. Im Nachhinein wäre sie wohl auch für Alex Thomson die bessere Wahl für die Vendée Globe gewesen als sein Neubau, der noch nicht überzeugen konnte.

Übergabe nach der TJV

“Ich bin sehr froh. Dieses Boot entspricht genau unseren Bedürfnissen”, sagt der neue Skipper. “Wir wollten mit dem Team so viel wie möglich segeln können und wenig Zeit an Land verbringen. Denn wir werden jeden Tag lernen müssen, wie man diese neue Flugmaschine fährt. Mit dieser IMOCA haben wir Ruhe und Zeit gekauft, die es uns ermöglichen, schnell Fortschritte zu machen.”

11th Hour rast in Lee von OTG mit Dutrex an Bord vorbei. Gut zu sehen, wie viel dichter die Schoten bei dem höheren Speed geschotet werden können. © SailingEnergy / TORE

Dutreux will also The Ocean Race mit Crew segeln und dann auch die Vendée Globe alleine. Es muss sich zeigen, wie diese Doppelfunktion funktioniert. Viele der Vendée Globe Stars haben sich noch nicht darauf eingelassen.

Bis zur Übernahme des Schiffes muss sich der neue Skipper allerdings noch gedulden. Er kann es erst nach der Transat Jacques Vabre (TJV) 2021 (Start 24. Oktober) übernehmen, dem Höhepunkt der Klasse in dieser Saison. Dann wird 11th Hour mit zwei IMOCAs bei der Doublehanded Regatta über den Atlantik segeln. Enright und Bidégorry segeln den Neubau, Justine Mettraux und Simon Fisher bewegen die alte Hugo Boss über den Teich.

Zweihand mit dem Paralympics-Sieger

Für diese Regatta hat sich Dutreux deshalb mit Paralympics-Sieger Damien Seguin zusammengetan, der nach dem sensationellen siebten Platz , ebenfalls einer der großen Gewinner der vergangenen Vendée Globe ist. Er konnte sich inzwischen Yannnick Bestavens Siegeryacht sichern und wird mit Dutreux unter der Flagge der APICIL Gruppe an drei Rennen der IMOCA Globe Series Championship teilnehmen. Die Saison 2021 steht für alle IMOCA-Skipper ganz im Zeichen der TJV und wird überwiegend im Zweihand-Modus ausgetragen.

Benjamin Dutreux macht wie schon Boris Herrmann klar, dass die Vendée Globe als Ziel deutlich wichtiger ist als The Ocean Race. Er bezeichnet das Round-the-World-Race mit Crew als perfekte Lösung, um die Funktionsweise seines neuen Bootes zu ergründen. Es sei quasi ein Training, um später als Solist das Potenzial voll auszuschöpfen zu können.

So weit ist es für den Franzosen aber noch nicht. Die Finanzierung für die Weltregatten fehlt noch. “Wir tun alles, was wir können, um Sponsoren zu finden, die mit uns bei diesen legendären Events antreten wollen.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Nach dem Sieg für Deutschland bekommt Benjamin Dutreux selbst einen IMOCA“

  1. avatar breizh sagt:

    Nicht schlecht, wie sich das Rad für Dutreux gerade dreht aber auch mit welchem Einsatz die Amerikaner von 11th Hour hier unterwegs sind. Gleich zwei IMOCA bei einer Regatta am Start. Das gab es noch nicht (glaube ich). Da will es jemand richtig wissen.
    Dann schauen wir einmal, wie sich das für die Deutschen Teilnehmer im IMOCA Zirkus weiter entwickelt.

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