Vendée Globe Neubau: Thomas Ruyant bleibt großer Herrmann-Konkurrent – 10 Mio Investment

"Ich bin hungrig"

Thomas Ruyant ist als der “Mann mit der Säge” in Annalen der Vendée Globe eingegangen, als er sein Foil abschneiden musste. Zuvor war er auf Siegkurs. Nun darf er ein neues Boot bauen. Mit einer ungewöhnlichen Strategie.

Längst legendär: Thomas Ruyant sägt die Spitze seines Foils ab.

Thomas Ruyant gehörte vor der vergangenen Vendée Globe zu den Geheimfavoriten und bestätigte diese Einschätzung als Schnellster Foiler. Bei 13 Positionsmeldungen führte er die Flotte an. Kurz nach der Äquator-Passage überholte er Charlie Dalin auf dem Verdier-Schwesterschiff im Vollgas-Modus und dann auch Alex Thomson. Seine 24-Stunden-Bestmarke von 515,3 Meilen konnte bis zum Ende niemand knacken.

Danach wurde er in der für den Süd-Atlantik ungewöhnlichen Leichtwind-Phase von Dalin mit einigen gut getimten Halsen deutlich distanziert. Und als er schließlich Risse an seinem Backbord-Foil bemerkt war das Duell beendet. Immerhin segelte er mit nur einer intakten Tragfläche auf Rang vier ins Ziel, wurde aber durch die Zeitgutschriften von Jean Le Cam und Boris Herrmann auf Platz sechs gewertet.

Es war deutlich mehr drin für den Mini-Transat-Sieger von 2009 und doch schien es nicht sicher, ob seine Geldgeber das genauso sehen. Sein Vertrag mit LinkedOut endet offiziell erst nach der Route du Rhum im November 2022. Andererseits steht er mit seinem TR Racing Team als einer der wenigen VG-Spezialisten auf der Meldeliste bei The Ocean Race, das im Oktober 2022 startet. Er war schon einer der härtesten Gegner des siegreichen deutschen OTG-Teams beim Ocean Race Europe.

7 Millionen für einen neuen IMOCA

Ob er noch einmal bei der Vendée Globe angreifen und neu bauen darf, war bisher offen. Würde ihm der Sponsor die Treue halten? Die Firma Advens ist im Bereich Cybersicherheit tätig und hat mit dem Segel-Projekt sein Produkt LinkedOut beworben. Es war bisher nicht klar, ob das Engagement als Erfolg verbucht wurde.

Thomas Ruyant mit Leinensalat auf seiner LinkedOut. © Thomas Ruyant / LinkedOut

Aber nun hat Ruyant erklärt, dass der Partner im Boot bleibt. Advens will 7 Millionen Euro in den Bau eines neuen IMOCA investieren und mit 3 Millionen die laufenden Kosten decken. Das Schiff soll Anfang 2023 nach der Route du Rhum vom Stapel laufen, wenn eigentlich The Ocean Race läuft. Ob der 40-jährige Franzose damit seine Teilnahme an der Regatta um die Welt absagt, ist nicht bekannt.

Besonders spannend war bei Ruyants Online-Pressekonferenz die Ankündigung der Konstrukteure. Zuletzt beherrschten Verdier und VPLP die Szene der Neubauten und Sam Manuard machte mit seinem Plattbug Eindruck. Aber nun öffnet sich das Spielfeld wieder.

Für den neuen IMOCA kehrt nun das Design-Büro Finot-Conq auf die Bühne zurück, auf der es mit den Vendée-Globe-Siegen von 1993 bis 2004 (Gautier, Auguin, Desjoyeaux, Riou) die Hauptrolle spielte. Die Konstrukteure hatten die Entwicklung der Foiler-Generation verpasst, aber nun wollen sie in der Person von Pascal Conq wieder mitspielen.

Rückkehr der ex-Siegeryacht-Konstrukteure Finot – Conq

Für das neue Projekt bekommt er aber den Designer Antoine Koch vorgesetzt. Mit dem 43-jährigen ehemaligen Figaro-Segler und Ingenieur arbeitet Ruyant schon seit 2018 zusammen und ist mit ihm auf der nagelneuen LinkedOut 2019 bei der Transat Jacques Vabre auf Platz fünf gesegelt. Koch hatte zuvor mit dem Gitana-Team als Design-Koordinator für den Maxi Edmond de Rothschild Erfahrung gesammelt. Zuvor half er Ruyant und Boris Herrmann, die von Gitana neu erworbene Malizia zu verstehen, bevor die beiden gemeinsam 2017 die Jacques Vabre bestritten. Bei LinkedOut kümmerte er sich dann aber mehr um die Segel, während Verdier das Vertrauen für Boot und Foils erhielt. Nun darf sich Koch auch auf diesem Gebiet austoben.

Thomas Ruyant im Foil-Modus. Der schnellste Flieger. © Pierre Bouras / TR Racing

Thomas Ruyant erklärt: “Die Wahl eines Konstrukteurs ist immer heikel. Ich wollte mich für den Entwurf einer siegfähigen Vendée-Globe-Rennmaschine mit einem multidisziplinären Team umgeben, das unterschiedliche Hintergründe hat und über sich ergänzende Fähigkeiten verfügt. Antoine Koch ist ein Segler, mit dem ich schon viele Abenteuer auf dem Wasser erlebt habe. Als Designer bringt er mir eine Vision und einen globalen Ansatz für die Konstruktion. Dabei kann er auf die Erfahrung des Teams Finot-Conq zurückgreifen, das unter der Leitung von David de Prémorel und Pascal Conq bereits vier Ausgaben des Vendée Globe gewonnen hat. Gsea Design wird sich um die statischen Berechnungen kümmern.”

Zum Team gehört auch Gwénolé Bernard, der bei den vergangenen beiden America’s Cup Kampagnen für Luna Rossa arbeitete und zuletzt insbesondere für den doppelwandigen Segelflügel zuständig war. Er soll sich für Ruyant bei den mechanischen Systemen einbringen. Dazu stößt Bobby Kleinschmit. Er hat erst vier Jahre für Guillaume Verdier gearbeitet und ist seit 2018 beim Team New Zealand beschäftigt. Kleinschmit entwarf die beiden AC75 Rümpfe für die Neuseeländer.

Thomas Ruyant 2019 auf dem riesigen Foil seines Neubaus “Advens” © Pierre Bourras

Ruyant weiter: “Sobald ich meine Weltumrundung beendet hatte, wollte ich schon ein neues Projekt ankündigen. Aber ich musste mich erst mit meiner Familie und meinen Freunden zurückziehen, um es genau zu besprechen – und mit Alexandre Fayeulle reden, dem Präsidenten von Advens. Aber er hat mir sofort seine Unterstützung für die kommenden Jahre zugesagt. Sie wird weiter reichen als bis zur nächsten Vendée Globe. Ich habe immer noch viel Lust und bin hungrig. Ich bin davon überzeugt, dass ich bei der Vendée Globe erfolgreich sein kann.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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