Vendée Globe: Neue Konkurrenz für Boris Herrmann – Sieger Bestaven baut neues Boot

Neubau für den Champ

Yannick Bestaven will seinen Überraschungserfolg bei der Vendée Globe mit einem Neubau wiederholen. Seine Siegeryacht hat er an einen anderen aufstrebenden VG-Star verkauft.

Einer der will… und kann: Yannick Bestaven © liot

Vor der vergangenen Vendée Globe war viel über die potenziellen Sieger spekuliert worden. Yannick Bestaven gehörte nicht dazu. Seine Erfolgsliste war zu spärlich, sein Boot zu alt. Der heute 48-Jährige zeigte zwar Talent als Mini-Transat-Sieger, aber der Erfolg liegt schon die Ewigkeit von 20 Jahren zurück. 2008 schaffte es der Franzose zwar an die Startlinie der Vendée Globe, aber schon nach 30 Tagen musste er mit einem Mastbruch aufgeben.

Danach kam nicht mehr viel. Erst 2015 schob sich Bestaven mit zwei Siegen in der Class40 wieder ins Blickfeld der Sponsoren. Der Deal mit Sponsor Maître CoQ kam fast schon überraschend. Er konnte damit zwar die ex “Safran” kaufen, die 2016 nach einem Ruderbruch die VG aufgegeben hatte, war aber nicht in der Lage, wie Boris Herrmann Foils der jüngeren Generation zu montieren.

Yannick Bestaven mit dem Pokal. © Jean-Louis Carli/Alea

Es musste viel passieren, dass eine solche Vorgeschichte zum großen Sieg bei der Vendée Globe führte. Das Material-Pech der schnelleren und jüngeren Boote, fehlendes Foiler-Wetter im Süd-Atlantik, eine wohlwollende Zeitgutschrift nach der dramatischen Suchaktion von Kevin Escoffier, harte Bedingungen im Southern Ocean, der die modernen Foiler bremste, und ein Skipper, der auf seinen Dickschädel vertraute, um alles aus seinem zuverlässigen, bestens vorbereiteten Schiff herausholte.

Vertrag bis 2025

Bei der nächsten Vendée Globe will und darf Yannik Bestaven nicht mehr so viel dem Zufall überlassen. Sein Sieg hat ihn in eine andere Liga katapultiert. Gemeinsam mit seinem Sponsor Maître CoQ kündigt er heute an, dass er ein neues Boot bauen darf, um zu versuchen, die Vendée Globe im Jahr 2024 erneut zu gewinnen – ein Kunststück, das bisher nur Michel Desjoyeaux gelang.

Maitre Coq – ein Verdier-VPLP-Riss aus dem Jahre 2015. Bis heute eines der leistungsstärksten Boote in der IMOCA-Flotte © liot

Der neue Sponsorvertrag mit Maître Coq soll bis 2025 laufen. Bestellt ist eine Konstruktion von Guillaume Verdier, also eine Weiterentwicklung von Apivia und LinkedOut. Die Werft CDK in Port-La-Forêt ist für den Bau verantwortlich. Dabei will Bestaven die neuen Formen benutzen, die für den neuen IMOCA vom 11th Hour Team entwickelt wurden. Das Schiff, das The Ocean Race im nächsten Jahr gewinnen soll.

Bestaven sagt zu seinem neuen Abenteuer: “Nach einer aufregenden Vendée Globe-Kampagne habe ich mir etwas Zeit genommen, um zu reflektieren. Ich wollte sicher gehen, mich und meine Partner nicht zu belügen, damit ich die Gewissheit habe, wirklich noch einmal mit einem IMOCA um den Planeten segeln zu wollen. Ich bin sehr berührt von dem Vertrauen, das Maître CoQ in mich gesetzt hat. Mit großer Bescheidenheit werden wir uns mit meinem gesamten Segelteam an die Arbeit machen.”

Die alte Hugo Boss, Vendée Globe Zweite 2017 dient dem 11th Hour Team als Testplattform für den Neubau, dessen Form auch Bestaven nutzt. © Amory Ross / 11th Hour Racing

Es sei schnell klar geworden, dass ein neues Boot notwendig ist, um konkurrenzfähig zu sein. Denn die Konkurrenz werde wieder sehr stark sein. Die Wahl der 11th Hour Form von Verdier habe mit einer längeren “besondere Beziehung zu dem Designer Guillaume Verdier” zu tun. Aber es sei ein besonderer Vorteil, Zugriff auf ein Schwesterschiff zu haben. “So profitieren wir nicht nur von den Studien des amerikanischen Teams, sondern sparen auch wertvolle Zeit.

Der Mockup für die neue IMOCA von 11th Hour © 11th hour racing

Wie gut dieses Schiff dann wirklich für eine Vendée Globe-Kampagne geeignet ist, muss sich noch zeigen. Denn es ist auf die speziellen Anforderungen des The Ocean Races zugeschnitten mit einem höheren Kreuz- und Leichtwind-Anteil wie auch mehr Platz unter Deck für die fünfköpfige Crew (inkl. Onboard-Reporter). Bisher haben Spezialisten angezweifelt, dass man mit demselben Design bei beiden Regatten erfolgreich segeln kann.

Paralympics-Sieger kauft Vendée Globe Siegeryacht

Bestavens Neubau bedeutet auch für einen anderen prominenten Skipper eine gute Nachricht. Damien Seguin hat nun die alte Maître CoQ gekauft. Der Paralympics-Sieger, der die vergangene Vendée Globe mit seinem alten Nicht-Foiler auf dem sensationellen siebten Platz beendete, hat bekannt gegeben, dass ihm Sponsor APICIL bei diesem Deal zur Seite steht.

Seguin beim Kurbeln mit seiner Spezial-Manschette für die fehlende linke Hand. © Jean-Louis CARLI

“Wenn ich wieder bei der Vendée Globe dabei bin, dann auch und vor allem, weil ich noch besser werden will”, sagt Seguin, dem seit Geburt die linke Hand fehlt. Es sei aus Kostengründen nicht in Frage gekommen, einen Neubau in Angriff zu nehmen, aber dieses Schiff könne gut weiterentwickelt werden.

Nach zwei Vendée Globe Rennen sei es zudem sehr zuverlässig und er wolle die Segelzeit auf dem Schiff maximieren. “Ich habe gesehen, dass dies einer der Schlüssel zum Erfolg ist. Ihr Rumpf ist eine gute Plattform, so dass wir in der Lage sein werden, das Boot weiterzuentwickeln, ohne viel Zeit in der Werft verbringen zu müssen.”

Seguin auf seiner 13 Jahre alten Groupe Apicil © Jean-Marie LIOT

Philippe Barret, Geschäftsführer der APICIL Gruppe, erklärt zum sportlichen Ziel: “Diese Frage ist neu für uns. Wir haben uns auf Damien vor allem deshalb eingelassen, um unsere Bekanntheit zu steigern, seine Geschichte zu erzählen und unsere Botschaft für Inklusion weiterzutragen. Letztendlich waren wir sehr angenehm überrascht, dass wir  Damien in diesem Zusammenhang bei dem Wettkampf aufblühen sehen konnten. Er ist ein Wettkämpfer und wir verstehen, dass er sportliche Ziele braucht, um voranzukommen. Wir haben mit Damien vereinbart, bei der nächsten Vendée Globe eine Top-Fünf-Platzierung anzustreben. Wir wissen, dass er dazu durchaus in der Lage ist. ”

In der Zwischenzeit wird Damien diese Saison auf seinem aktuellen IMOCA-Boot segeln. Der Skipper und ein Co-Skipper, dessen Name bald bekannt gegeben wird, werden beim Rolex Fastnet und der Défi Azimut teilnehmen, bevor sie am 7. November zur Transat Jacques Vabre aufbrechen. Dies wird Damien Seguins letzte Regatta an Bord seines 60′ Einrumpfbootes sein, das jetzt in Lorient La Base stationiert ist.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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