Vendée Globe Qualifikation: Verwirrung um Le Cams 6. Teilnahme – Kann er dabei sein?

Sonderregel für den Salzbuckel

Jean Le Cam (64) hat als Letzter die Retour à La Base beendet und damit die Voraussetzungen für einen weiteren Vendée Globe Start geschaffen. Oder doch nicht? Er war deutlich zu langsam.

Le Cam, der Anti-Mainstream-Held © Liot

Eine Vendée Globe ohne “den König” Jean Le Cam? Kaum vorstellbar. Der Franzose hat sich spätestens bei der vergangenen Regatta auch für ein größeres Publikum unsterblich gemacht. Der Ü60-Skipper rettete Kevin Escoffier, plauderte mit Präsident Macron und verdrängte schließlich mit seinem alten IMOCA ohne Foils Boris Herrmann vom vierten Platz. Es wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, um sich zur Ruhe zu setzen.

Jean Le Cam bei seiner verspäteten Abfahrt in Martinique. © Retour à La Base

Aber der Salzbuckel tut selten, was man von ihm erwartet. Diese Eigenschaft hat er zu einer Art Markenzeichen entwickelt. So startete er tatsächlich ein neues Projekt für die Vendée Globe 2024, erklärte, dass man Foils eigentlich gar nicht benötigt, und ließ seinen IMOCA als letzten von 14 Neubauten vom Stapel laufen.

Damit wurde seine Qualifikation für die Welt-Regatta knapp. Denn die Kriterien besagen, dass 2023 zwingend die Teilnahme an dem neuen Einhand-Rennen Retour à La Base nötig ist, wenn man zuvor nicht die Route du Rhum oder Vendée Arctique alleine bestritten hat.

OceansLab auf dem Weg nach Martinique mit neuem Flügelpaar. Das alte bekam Boris Herrmann für The Ocean Race. – Als der Bugspriet brach, drehte Phil Sharp ab. © OceansLab

Das ist etwa Philip Sharp nicht gelungen. Der Brite war parallel zu Le Cam auf dem Weg, den Neubau OceansLab nach Martinique zu überführen, um seine Vendée-Globe-Chancen zu wahren. Er hatte ebenso gewartet, bis sich ein Wetterfenster für das unerprobte Schiff öffnet, und war deshalb verspätet gestartet. Als dann der Bugspriet brach, drehte er um. Die Begründung: Ohne ihn können keine großen Vorwindsegel mehr gesetzt werden. Er habe deshalb keine Chance, die Startlinie der Retour à La Base rechtzeitig zu erreichen.

Diese blieb zwar noch eine Woche geöffnet, aber es war klar, dass man mit Verspätung die geforderte Qualifikationszeit des Siegers (plus 50 Prozent) nicht schaffen würde. Die VG-Kriterien wären allein mit einer Teilnahme also nicht erfüllt. Das ist etwa dem Belgier Denis Van Weynbergh passiert. Auf Platz 30. der Retour à La Base fehlten ihm nach 13 Tagen und 19,5 Stunden nur 90 Minuten.

Der neue Nicht-Foiler von LE Cam. © Retour à La Base

Ob Phil Sharps Entscheidung abzudrehen anders ausgefallen wäre, wenn er vom Umgang der VG-Rennleitung im Fall Le Cam gewusst hätte? Der jedenfalls scherte sich nicht um die Regeln. Er überführte sein neues Schiff zusammen mit dem alten Kollegen und Weggefährten Bernhard Stamm (60) aus der Schweiz – dessen letzter Sponsor Armor Lux auch Le Cam nun auch das Vertrauen schenkt – in die Karibik.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Vendée Globe Qualifikation: Verwirrung um Le Cams 6. Teilnahme – Kann er dabei sein?“

  1. avatar lisa sagt:

    Davon abgesehen, dass eine VG ohne Le Cam gar nicht geht 🙂 …
    Selbst wenn ihm zum Verhängnis würde, dass er 6 Tage nach dem Feld gestartet ist,
    so hätte er noch 2024 die Chance ein Rennen in 150% der Siegerzeit zu absolvieren.
    Wenn ich die Regeln richtig verstanden habe, gilt die Zeitvorgabe bei den neuen Booten nur für
    eines der beiden Qualifikationsrennen.
    Yes we cam! 🙂

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  2. avatar Wolfgang Quix sagt:

    Regeln sind dazu da, um eingehalten zu werden.

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    • avatar PL_berthneutze sagt:

      Wenn die Details im Artikel stimmen, hat die WL die Regeln noch zum letztmöglichen Zeitpunkt auf LeCam hingebogen. Also: Regeln eingehalten. muhaha

      • avatar atlantis sagt:

        Angeblich soll ja die gesegelte Zeit gelten, so dass Le Cam das Limit eingehalten hat 🙂

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      • avatar Manuel A. sagt:

        Der Artikel ist – sorry – Mist.
        Le Cam war nicht ‘zu langsam’ sondern 22. von 32 Startern und um in der Zeit zu sein hätte er noch einen Tag länger unterwegs sein können. Dabei hat er aufgrund der Route die meisten Meilen zurückgelegt und hatte zumindest in den ersten Tagen deutlich schlechtere Windbedingungen.
        Und Regeln anpassen wäre auch nicht nötig gewesen, man hätte ihm einfach die Wildcard gegeben.

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  3. avatar meerkater sagt:

    Ich denke die Hafenkapazität in Les Sables-d’Olonne ist der begrenzende Faktor. Wie sollen die ein Race Vilage machen wenn nicht alle Schiffe an den Steg passen? Das die Foiler doppelt so breit am Steg sind wie alten Schiffe ohne Decksalinge und Foils hilft auch nicht wirklich.

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    • avatar PL_hoffy sagt:

      Ja, meine ich auch schoma so gelesen zu haben. Und die MRCCs mahnen dazu das Feld zu begrenzen, meine ich so von einem der Vendee-cheffes gehört zu haben.

  4. avatar PL_hoffy sagt:

    Der King hat schon n Punkt, der ursprüngliche Spirit der Vendee verändert sich.
    40 oder 44 Boote mag für die Orga und Safety im Südozean keinen grossen Unterschied machen, schwieriger wirds wenn dann die V28 mit 50 oder 60 möglichen Startern konfrontiert wird.
    Bin sehr gespannt ob Non-Foiler @V24 wider ähnlich Eindruck machen können, wird sicher schwer. Statistisch sollten ja mindestens 50% der rassig schnellen V20/24-Foiler ohne lethale Schäden durchkommen dass um einen Platz auf dem Podium gefightet werden kann.

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