Vendée Globe: Schock für zweitplatzierten Thomas Ruyant – Schaden an der Tragfläche

Flügel gestutzt

Der zweitplatzierte Vendée-Globe-Skipper Thomas Ruyant erklärt, wie es zu dem großen Rückstand zu Charlie Dalin gekommen ist. Er vermeldet einen schweren Schaden.

Thomas Ruyant im Foil-Modus. Auf diesem Bug kann er noch fliegen. © Pierre Bouras / TR Racing

Thomas Ruyant ist der “Spezialist beim Fliegen”, wie wir gestern noch berichtet hatten. Aber nun sind dem Überflieger der vergangenen Tage die Flügel gestutzt worden. Er lag auf dem zweiten Platz und hatte in der Nacht weiter auf Charlie Dalin verloren, der bis auf 72 Seemeilen weggesegelt war. Nun erklärt Ruyant, was unter anderem zu dem Rückstand geführt hat. Er musste stoppen, um einen Schaden zu begutachten.

Das schockierende Ergebnis: LinkedOut kann die Tragfläche auf der Backbordseite bis zum Ende des Rennens nicht mehr benutzen.

Ruyant erklärt, dass er am Morgen gegen 0.200 Uhr UTC geschlafen hatte, als er durch ein lautes Geräusch geweckt wurde. Er habe keinen Schock wie bei einem Zusammenstoß festgestellt. Aber ei der Inspektion des Bootes mithilfe seiner Stirnlampe bemerkte er  größere Risse an seinem Backbord-Foil. Der Bereich direkt nach dem Rumpfaustritt, der sogenannte Schaft, ist beschädigt.

“Ich segelte etwa mit 120 Grad zum Wind und war etwa 20 Knoten schnell, als ich dieses laute Geräusch hörte. Ich habe keine richtige Erklärung dafür. Ich habe die Tragfläche danach so weit wie möglich eingezogen, so dass sie nicht im Wasser schleift. Bei Tageslicht war ich in der Lage, den Schaden genauer zu inspizieren. Immerhin tritt kein Wasser ein und der Foil-Schacht ist nicht beschädigt. Aber das Foil selbst hat an einigen Stellen Risse. Die Struktur is beeinträchtigt. Ich warte auf die Analyse des Konstrukteurs, um zu sehen, ob ich sie abschneiden soll. ”

Wie damals bei Hugo Boss

Was für ein Tiefschlag für Ruyant. Er segelte bisher ein großartiges Rennen und schien dem führenden Dalin insbesondere bei Foiling-Bedingungen mehr als Paroli bieten zu können. Nun macht er den Alex Thomson. Der segelte etwa ab dieser Stelle auch mit nur einem Foil – auf der Backbordseite – weiter um die Welt auf Platz zwei. Allerdings war seine damalige “Hugo Boss” durch ihre Rumpfform weniger auf die Hilfe von Tragflächen angewiesen. Die neue Generation der IMOCAs ist schmaler und viel mehr vom Auftrieb der deutlich längeren Flügel abhängig.

Die Backbord-Tragläche soll nicht mehr einsetzbar sein. © Pierre Bouras / TR Racing

Ruyant versucht trotzdem positiv zu bleiben: “Ich bin Zweiter bei dieser Vendée-Globe. Seit Sonntag haben sich einige kleinere Probleme angesammelt, die ich in den Griff bekommen habe. Und diese werden nun von diesem Schaden noch einmal übertroffen. Ich fahre trotzdem weiter, auch wenn ich mit nur einem Foil etwas gehandicapt bin. Aber ich tröste mich mit dem Wissen, dass ich meine Steuerbord-Tragfläche noch habe. Die ist statistisch gesehen die wichtigste für eine Weltumrundung – man segelt einfach mehr mit Wind von Backbord. Die Strecke ist noch sehr lang. Ich mache weiter, ich halte durch!”

Wenn es allerdings tatsächlich einen strukturellen Schaden ohne Außeneinwirkung an der Tragfläche gegeben hat, dann dürfte er sich auch um das andere Foil große Sorgen machen. Und auch Chalie Dalin, der die gleichen Verdier-Foils benutzt, könnte zittern. Allerdings sind seine bisherigen Highspeed-Rekorde mit Wind von Backbord erfolgt. Da hat sich die Steuerbord-Fläche unter Dauerbelastung standgehalten.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

5 Kommentare zu „Vendée Globe: Schock für zweitplatzierten Thomas Ruyant – Schaden an der Tragfläche“

  1. avatar meerkater sagt:

    Die Ausfallquote ist bisher extrem gering. Noch sind bis auf einen alle im Rennen. Allerdings sind von den 8 Neubauten schon 6 mit großen Problemen unterwegs. Nur Apivia und Arkea Paprec sind diesbezüglich noch nicht durch große Probleme aufgefallen. Eine alte Englische Rennfahrerweisheit sagt: “You have to finish first, to finish first!”

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    • avatar Till sagt:

      Du meinst wohl “to finish first, first you have to Finish” 😉 aber ja, wirklich interessant wie viele der Neubauten dieses Mal Massive Probleme haben, arkea Paprec ist bisher aber auch weit hinter den Erwartungen zurück, nur apivia liefert bisher wie erwartet. Scheinbar hat der lockdown in der Vorbereitung der Teams zu massiven Problemen geführt, der ausfall von Corum und die Probleme bei Hugo Boss wären durch umfangreichere Tests jedenfalls zu vermeiden gewesen bzw. vor der VG aufgetreten. Auch das Defekte Foil an LinkedOut ist problematisch, falls es tatsächlich ohne Zusammenstoß zerstört wurde.

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  2. avatar meerkater sagt:

    Spannend wird sein, wie die beiden Schwesterschiffe an der Spitze auf das Foil Problme reagieren.
    Das sind doch Schwesterschiffe und von den Fotos her haben die auch die gleichen Foils, alles vom gleichen Designer. Wenn das nicht hält wird der Weg weit, die neuen Boote sind stärker auf die Foils angewiesen als die vorherige Generation. Segeln die jetzt defensiver? Charlie Dalin könnte sich das vielleicht leisten, wenn er ein Wettersystem vor den anderen schaffen würde aber danach sieht es für mich noch nicht aus.
    Ich bin auch gespannt ob Arkea Paprec wirklich hält. Juan K hatte noch nie ein Schiff im Ziel.
    Das WetterVideo von Will Harris lohnt auch heute wieder. https://www.youtube.com/watch?v=qjmzcBoK-mU&feature=emb_rel_end

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    • avatar Till sagt:

      Definitiv. Ja apivia und LinkedOut sind nahezu identisch, die Fouls sind sehr ähnlich und nutzen scheinbar den gleichen schaft, genau der hat ja
      bei LinkedOut nachgegeben. Könnte also sehr spannend werden. Wenn er das schafft wird er das Schiff danach vermutlich schonen, allerdings weiß man nicht ob das Foil nicht möglicherweise durch die permanenten Lastspitzen zerstört wurde, dann könnte es auch Für ihn problematisch werden. Ich denke da wird man jetzt im Hintergrund auf Hochdruck arbeiten um genau das rauszufinden.

      Grundsätzlich finde ich es erschreckend wie massiv die folgen des lockdowns sind, strukturelle Schäden ala Hugo Boss gab es bei einem top Team bisher nicht ohne Kollision, die Probleme bei Charal, zumindest das gebrochene backstag welcher sich zerlegt hat, kann man durch gute Vorbereitung ebenfalls ausschließen. Das ganze wird wirklich noch spannend.
      Arkea Paprec habe ich ebenfalls im Auge, bin mal gespannt ob die hält. Und es wird spannend ob Hugo Boss nach der Reparatur tatsächlich funktioniert, das dürfte, abgesehen von der legendären Mast Reparatur so ziemlich die umfangreichste Reparatur während der gesamten Geschichte der VG gewesen sein, strukturelle Schäden bedeuten im Normalfall immer das Aus.

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  3. avatar Till sagt:

    Kleiner Nachtrag: war Pindar 5.platz bei der vendee Globe 2008/2009 nicht von Juan K. ?

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