Vendée Globe: Sorge um Louis Burton – Zweitplatzierter fällt deutlich zurück

Speed abgesackt

Louis Burton hat als Zweitplatzierter bei der Vendée-Globe verlangsamt, 150 Meilen verloren und ist auf Rang drei abgesackt. Seine Frau und Team-Managerin erlebte schon vorher dramatische Stunden.

Burton hat im Sturm mächtig Gas gegeben, jetzt gibt es aber ein Problem. © Stephane MAILLARD

Servane Escoffier, Ehefrau des zuletzt Vendée-Globe-Zweitplatzierten Louis Burton (35), kann sich dieser Tage nicht über allzu große Langeweile beklagen. Und das liegt nicht nur an ihrem Mann, dessen VG-Projekt sie managt.

Es begann am vergangenen Sonntag, als Haas-Formel1-Fahrer Romain Grosjean beim Grand-Prix von Bahrain nur knapp einen spektakulären Feuerunfall von (Video) überlebte. Der französisch-schweizerische Pilot und seine Frau sind Burtons Familie eng verbunden. Der Rennfahrer ist jeweils seit Burtons erstem Vendée Globe-Start 2012 Pate seines Bootes.

Burton mit seiner Frau und Managerin Servan Escoffier. © Buro Louis Burton

“Diese 28 Sekunden des Wartens, ohne zu wissen, in welchem Zustand Romain sich befand, waren schrecklich”, sagt Servane Escoffier. Bewusst informierte sie ihren Mann nicht sofort. Der kämpfte sich zu diesem Zeitpunkt im Sturm durch den Southern Ocean. “Als wir es ihm dann doch sagen mussten, war er geschockt.” Immerhin überlebte der Rennfahrer nur leicht verletzt.

Untergang des Cousins

Kaum hatte sich Escoffier von diesen Emotionen erholt, folgte der spektakuläre Untergang von PRB. Skipper Kevin Escoffier ist ihr Cousin. “Zuerst war ich nicht allzu besorgt, denn Kevin ist stark. Aber mit zunehmender Dauer der Rettung machte ich mir immer mehr Sorgen.” Besonders als Jean Le Cam den Blickkontakt verlor und die drei Konkurrenten in das Gebiet geschickt wurden. “Auch Louis wollte abdrehen und bei der Suche helfen. Aber die Rennleitung hat es ihm nicht erlaubt.” Er war zu weit entfernt, und es wäre zu gefährlich geworden.

Burton ist der Überraschungsmann der Vendée Globe. © Louis Burton / Bureau Vallee 2

“Nach der guten Nachricht von der Rettung weinte ich vor Freude. Erst im Laufe des Tages habe sich die Anspannung gelöst. “Ich bin zusammengebrochen! Was Kevin passiert ist, könnte auch Louis passieren. Vor allem in diesem gefährlichen Gebiet.”

Aber Burton zog seinen genialen Abstecher gen Süden weg von der Spitzengruppe und parallel zur Eisgrenze durch. Er habe ihr schon vor dem Rennen gesagt, dass er strategische Risiken eingehen wolle. Bei den brutalen Bedingungen im chaotischem Seegang legte er dann einen Höllenspeed vor und war tagelang Schnellster der Spitzengruppe. Er katapultierte sich von Rang zehn auf zwei vor und distanzierte Samantha Davies, die den gleichen Kurs gewählt hatte allein durch seine höhere Geschwindigkeit.

Abstand in Meilen: Wie Burton (gelb) Samantha Davies noch vor ihrem Problem auf gleichem Kurs distanzierte.

Servane Escoffier sagt im VG-Interview über ihren Mann: “Ich freue mich für ihn. Er hat es so sehr verdient. Seit dem Formel1-Unfall von Romain und dem Schiffbruch von Kevin ging es ihm ganz schlecht. Aber er befindet sich nun im Southern-Ocean-Angriffsmodus. Ich lese es in seinen Nachrichten morgens, mittags und abends. Er hat eine Moral aus Stahl”.

Leistung nicht zugetraut

Und er hat nun offenbar ein Boot, das immer noch ganz vorne mitsegeln kann, die ex “Banque Populaire” von Armel Le Cléac’h, den Sieger von 2017. Dabei hat dem Außenseiter aus St. Malo, der fernab von den französischen Hochsee-Stützpunkten stationiert ist, diese Leistung kaum jemand zugetraut.

Auch wenn er für einen 35-Jährigen schon relativ viel IMOCA-Erfahrung hat. Burton segelt seine dritte Vendée Globe. 2012 fiel er nach einer Kollision mit einem Fischtrawler aus, 2017 belegte er Rang sieben und avancierte dann nach dem Kauf seines neuen IMOCA zumindest vor den Stapelläufen der acht Neubauten zum Rennfavoriten für die großen Atlantik-Regatten.

Aber er lieferte nie ab. Kam über Rang sieben bei der Transat Jacques Vabre 2017 nicht hinaus, musste ein Jahr später die Route du Rhum aufgeben und ersegelte 2019 zwei zehnte Plätze im IMOCA-Feld.

Frühstart, Strafe und Near Miss

Dass er sich bei dieser Vendée Globe etwas anderes vorgenommen hat, wollte er wohl beim Start zeigen. Allerdings brachte ihm der Frühstart eine fünfstündige Stopp-Strafe ein, die er nach drei Tagen abgesaß und ihn den Anschluss zur Spitze kostete. Dazu kamen weitere zwei Stunden, weil sein Team ein Foto von der Motor-Versiegelung nicht wie vorgeschrieben geschickt hatte.

Er meldete auch noch einen Beinahe-Zusammenstoß mit einem unmarkierten Fischerboot, aber das alles hielt ihn bisher nicht davon ab, ein bisher unglaubliches Rennen abzuliefern. Er ist aktuell die große Überraschung dieser Regatta.

Louis Burton bei Reparaturarbeiten am 11. November kurz nach dem Start. © Louis Burton / Bureau Vallee 2

Schließlich gehört der seit elf Jahren treue Möbelhaus-Sponsor Bureau Vallée allemal nicht zu den größten Geldgebern der Flotte. Burton konnte sich nicht die Modifikation mit der neuesten Foil-Generation leisten – wie etwa Herrmann, Davies, Joschke und Escoffier – und nur wenige neue Segel kaufen. Und er trainierte in seinem Standort St. Malo überwiegend alleine. Nicht weil er das so toll findet, wie seine Frau betont, sondern weil das Geld für gemeinsame Trainings etwa vor Lorient fehlte.

Wie viel hält das Boot aus

Aber bei dieser bisher sehr untypischen Vendée Globe, bei der die neuen Foiler im unerwartet chaotischen Seegang des Southern Ocean ihre Stärken bisher kaum ausspielen konnten, kommt es mehr auf das Gefühl des Skippers an, was er seinem Boot zumuten kann. Viele Konkurrenten segeln sehr vorsichtig. Burton gehört nicht dazu. Er belastet sich und sein Boot extrem – und schien bisher damit durchzukommen.

War es nun aber doch zu viel des Guten? Seine Frau mochte im Interview die Glückwünsche zur Leistung ihres Mannes, mit dem sie selber schon die Route du Rhum gesegelt ist, kaum hören. Das Rennen sei noch so lang. Gerade einmal 35 Prozent der Strecke sind erst absolviert. Sie wolle jetzt erst einmal mit ihren Kindern Lino und Edith ein Video drehen, das sie vor dem Weihnachtsbaum zeigt. Am Nikolaustag, den 6. Dezember solle er es erhalten.

Burton (gelb) hat in kürzester Zeit 150 Meilen auf Dalin verloren.

Ob es hilft? Inzwischen scheint Burton jedenfalls ernsthafte Probleme bekommen zu haben. Die jüngsten Daten machen Anlass zu großen Sorgen. In den vergangenen zwei Tagen verlor er 150 Meilen und den zweiten Platz. Seine Geschwindigkeit ist extrem abgesackt.

Die gelbe Speed-Linie von Burton im Vergleich zur Spitzengruppe sieht nicht gut aus.

Er segelt sechs Knoten langsamer als der nächste Konkurrent Yannick Bestaven (Maitre Coq) auf einem vergleichbaren Foiler der alten Generation.

Burtons 24h-Speed im Vergleich zu dem knapp hinter ihm segelnden Yannick Bestaven (Maitre Coq)

Aus dem Vendée Globe-Hauptquartier ist noch wenig von Burtons Problemen zu hören. Er soll Probleme mit dem Autopiloten haben. Hoffentlich bahnt sich da nicht das nächste Drama an. Aber in seinem jüngsten Video sieht es so aus, als wenn er die aktuellen Schwierigkeiten erst einmal behoben hätte. Er dankt seinem Team für die Mithilfe:

UPDATE: Burton hat an den vergangen zwei Tagen von Hand gesteuert, versuchte im Treibmodus die Autopilot-Probleme beheben wartet aber auf ruhigere Bedingungen. Er berichtet, der elektronische Kreislauf, in den die beiden Piloten eingebunden sind, sei unterbrochen. Er wisse nicht, an welchem Teil es liege und er müsse jedes testen. Bei 4,5 Metern Welle und 35 Knoten Wind sei das schwierig.

Dazu konnte er ein Vorsegeln nicht einrollen. Eine Kletterpartie zum Bugspriet sei nötig gewesen. Dort habe er eine Leine einfädeln müssen und das sei wahrlich kein Spaß gewesen. “Aber ich habe es geschafft.” Nun kann er auch das kleine Vorsegel benutzen, das er in Vorbereitung auf den kommenden Sturm geriggt hat.

Er müsse unbedingt versuchen vor der kommenden Front zu bleiben. Dafür werden viele Halsen notwendig sein. “Unbedingt muss ich das Boot aufräumen, bevor ich etwas schlafen kann. Das Durcheinander führt nur zu noch mehr Problemen undUnfällen. Ich werde dann einfach so schnell wie möglich segeln. Ich sage mir, dass die anderen auch Probleme haben müssen. Man muss einfach durchhalten”.

Race-Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Vendée Globe: Sorge um Louis Burton – Zweitplatzierter fällt deutlich zurück“

  1. avatar Breizh sagt:

    Mal etwas Aktuelles: Kevin Escoffier ist heute Nacht (3.10 Uhr MEZ) von der französischen Marin bei Jean Le Cam abgeholt worden. Bewegte Bilder wird es dann wohl heute Mittag in den Sendungen der VG geben.

  2. avatar meerkater sagt:

    Und Louis Burton hatte seien Autopiloten wieder Repariert als für Artikel raus kam das er Probleme hat…

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