Vendée Globe: Thomson schleppt sich ins Ziel – Le Cléac’h kurz vor dem Triumph

"Ich will einfach nur schlafen"

Alex Thomson hat große Probleme, diese Vendée Globe zu beenden. Das Rennen ist gelaufen. Armel Le Cléac’h erreicht die 100 Meilen-Zone vor dem Ziel und wird gegen 18 Uhr in Les Sables d’Olonne erwartet.

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Thomson bei der Arbeit. © jean-marie-liot-dppi-vendee-globe

Der finale Schlag zum Ziel mit Wind von Backbord hat die Entscheidung zugunsten von Armel Le Cléac’h bei der Vendée Globe gebracht. Sein Widersacher Thomson konnte keinen Druck mehr aufbauen mit einer frühen Wende am Eintritt des englischen Kanals. Er deckte jetzt auch auf, dass er ganz andere Probleme hat, als sich um den Rennsieg kümmern zu können.

Kurs halten ist schwierig

“Ich kann Armel nicht mehr einholen”, sagt er schon vor dem Einbruch der Dunkelheit vor der vergangenen Nacht. “Die Route bis zu den Scilly-Inseln sei ziemlich klar. Dort komme die Linksdrehung des Windes und dann müsse die Wende erfolgen. “Es gibt für mich jetzt keine Optionen mehr.”

Armel Le Cléac'h hat die 100 Meilen Zone vor dem Ziel erreicht.

Armel Le Cléac’h hat die 100 Meilen Zone vor dem Ziel erreicht.

Dabei legt er offen, dass ihn die Probleme mit dem Autopiloten aktuell mehr beschäftigen, als er bisher zugeben wollte. Seit die Apparatur am Mast-Topp nicht mehr funktioniert, oder abgerissen ist, hat Thomson ein Windmessgerät mit einer Stange am Heck installiert. Aber das Gerät schafft es offenbar nicht “Hugo Boss”, automatisch entsprechend des sich fortlaufend ändernden Windwinkels auf Kurs zu halten.

Banque Populaire war zuletzt deutlich schneller unterwegs

Banque Populaire war zuletzt deutlich schneller unterwegs

Er kann nur einen Kompasskurs einstellen, dem das Schiff folgt. Ändert sich die Windrichtung, so muss er mit einer Anpassung des Trimms reagieren. Optimale Höhe am Wind ist auf diese Weise nicht zu erreichen, wenn er nicht selber am Steuer sitzt. Das ist neben dem fehlenden Steuerbord-Foil eine Erklärung dafür, dass der Brite in der Nacht seinen Rückstand auf fast 100 Meilen mehr als verdreifacht hat. Er war in den vergangenen 24 Stunden gut zwei Knoten langsamer als der Franzose unterwegs.

Absolute Erschöpfung

“Im Moment halte ich das Windmessgerät in meiner Hand und versuche Drähte zu verbinden. Das Ziel ist mir gerade egal. Ich will einfach nur schlafen.” Seit gut vier Tagen hat er kaum ein Auge zugetan. Thomson befindet sich in einem Zustand absoluter Erschöpfung.

Deshalb gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass Armel Le Cleac’h diese Vendée Globe gewinnen wird. Er hat die letzte Nacht ohne größere Probleme und drohende Kollisionen mit Fischerbooten überstanden und sollte gut sechs Stunden vor seinem Rivalen in Les Sables d’Olonne eintreffen.

55 Tage lang segelte er an der Spitze, 18 Tage musste er sich das schwarze Boot von hinten ansehen. Der größte Rückstand nach der Passage des Süd-Atlantiks betrug 133,7 Meilen, der größte Vorsprung am Kap Hoorn belief sich auf 762 Meilen. Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor konnte sich Sieger François Gabart nie mehr als 263 Meilen von Le Cléac’h absetzen.

Ab sofort seit “Banque Populaire” die 100 Meilen-Grenze bis zum Ziel erreicht hat, wird der Tracker jede Stunde aktualiesiert. 30 Minuten vor dem Zieleinlauf beginnt die Live-Berichterstattung auf Englisch bei Facebook und dauert bis zwei Stunden danach. Der Sieger wird gegen 18 Uhr im Ziel erwartet, “Hugo Boss” liegt gut sechs Stunden zurück.

Dreikampf um Rang vier

Das nächste Herzschlag-Finale spielt sich knapp 2000 Meilen hinter dem Führenden ab. Während Jérémy Beyou sicher auf Rang drei liegt streiten sich drei Skipper um Platz vier. Jean-Pierre Dick hat diesen Platz seit einem Monat belegt, wird heute aber hinter Yann Elies und Jean Le Cam geführt.

Jean-Pierre Dick kämpft gegen seine beiden Verfolger und liegt virtuell hinten.

Jean-Pierre Dick kämpft gegen seine beiden Verfolger und liegt virtuell hinten.

Der Vierte der vergangenen Vendée Globe kämpft seit Tagen mit leicherem Wind und versucht, mit seinem neuen Foiler die Kollegen mit ihren Booten der älteren Generation abzuschütteln. Erstmalig seit Tagen liegt er virtuell hinten, weil der Tracker immer nur den direkten Weg zum Ziel misst. In Bezug zum Wind behauptet er seine Vorteile, aber das kann sich bei der komplizierten Flauten-Passage schnell ändern.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Vendée Globe: Thomson schleppt sich ins Ziel – Le Cléac’h kurz vor dem Triumph“

  1. avatar Martin sagt:

    Ich wünsche allen nach dem Zieleinlauf ein dickes Steak und ein warmes Bett!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  2. avatar baltico sagt:

    Ein toller Kämpfer! Ich drücke ihm für die letzten Meilen beide Daumen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

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