Vendée Globe: Thomson mit Problemen – Japaner hat nach Mastbruch aufgegeben

Pleiten, Pech und Pannen

Bei der Vendée Globe ist am Wochenende viel passiert. Stürme haben zu zahlreichen Schäden und einem Rennabbruch geführt. Alex Thomson hat sehr viel Boden verloren.

Le Cleac'h hat sich etwas vonThomson absetzen können. Die Verfolger bekommen ordentlich auf die Mütze.

Le Cleac’h hat sich etwas vonThomson absetzen können. Die Verfolger bekommen ordentlich auf die Mütze.

“Hugo Boss” ist am Wochenende unter die Räder von “Banque Populaire” geraten. Vor zwei Tagen lag Armel Le Cleac’h noch nahezu gleichauf, nun ist er über 100 Meilen weit weggezogen. Dabei scheint diesmal das gebrochene Foil auf “Hugo Boss” eine größere Rolle gespielt zu haben.

Die Flotte muss die Schotten dicht machen angesichts der sktuellen Stürme im Süd-Meer.

Die Flotte muss die Schotten dicht machen angesichts der sktuellen Stürme im Süd-Meer.

Kurz nach einer Linksdrehung gen Westen frischte der Wind am Samstag auf und offenbar war das genau der sogenannte Cross-Over, bei dem die Tragfläche des Franzosen funktionierte und Thomson nicht mehr die gleiche Tiefe halten konnte.

Lange Zeit hielt Thomson den Kurswinkel von Le Cleac'h. Dann konnte er ohne Foil die Tiefe nicht halten. Die Windzunahme mag den Franzosen auf den Flügel geholfen haben...

Lange Zeit hielt Thomson den Kurswinkel von Le Cleac’h. Dann konnte er ohne Foil die Tiefe nicht halten. Die Windzunahme mag den Franzosen auf den Flügel geholfen haben…

...Die Kurslinien führten auseinander. Der Franzose segelte tiefer, vergrößerte den Vorsprung und halste zuerst...

…Die Kurslinien führten auseinander. Der Franzose segelte tiefer, vergrößerte den Vorsprung und halste zuerst…

...Auf dem neuen Bug war Thomson zuerst wieder schneller mit seinem Foil. Dann geriet er in ein Schwachwind-Feld und musste deutlich anluven.

…Auf dem neuen Bug war Thomson zuerst wieder schneller mit seinem Foil. Dann geriet er in ein Schwachwind-Feld und musste deutlich anluven.

Als der Wind stärker wurde erreichte Armel Le Cleac'h (blau) einen höheren Speed al Thomson.

Als der Wind stärker wurde, erreichte Armel Le Cleac’h (blau) einen höheren Speed als Thomson.

“Ich bin sehr müde”, sagt der Brite. “Es war sehr böig und sehr windig. Es ist sehr feucht im Boot und die Lebensbedingungen sind nicht gerade toll. Aber die nächste Front soll einen wärmeren, stabileren Nordwind bringen und dann kann ich mich etwas ausruhen.

Es ist praktisch unmöglich, den Speed von Armel zu halten. Auf dem einen Bug bin ich jetzt erheblich langsamer. Ich versuche mein eigenes Spiel zu spielen und mir nicht zu große Sorgen über Armel zu machen. Er kann andere Winkel steuern. Ich glaube, dass ich das Boot zu hart pusche, wenn ich versuche, seinen Speed zu halten.”

Die Flotte im Sturm

Die Gegner hinter dem Führungsduo haben mit substanzielleren Problemen zu kämpfen. Zwei heftige Stürme fegen über die Flotte hinweg. Der Brite Conrad Colman ist südlich von Afrika erwischt worden und dokumentiert eindrucksvoll, wie es ihn auf die Seite gelegt hat:

 

Brutaler ist es für den Japaner Kojiro Shiraishi gelaufen, der mit einem Mastbruch aufgegeben hat. In der Nacht hatte der Wind auf bis zu 40 Knoten aufgefrischt und Shiraishi segelt mit kleiner Fock und drei Reffs im Groß, als der Mast über der zweiten Saling abknickte. Er konnte danach in den Mast klettern und die gebrochenen Teile bergen. Nun ist er auf dem Weg nach Kapstadt.

Kojiro Shiraishi Vendee Globe, Mastbruch

Der Masttopp des Japaners Kojiro Shiraishi ist von oben gekommen. © Kojiro Shiraishi/ Vendée Globe

Schwierig waren die vergangenen Tage auch für den fünftplazierten Jérémie Beyou mit seiner “Maître CoQ”. Bei 30 Knoten Wind kam sein Großsegel von oben. Das Fallenschloss am Topp war gebrochen. Beyou steuerte nach Norden in den Wind- und Wellenschatten der kleinen französischen Inselgruppe Sankt Paul und Amsterdam und ihm gelang es, mit einem Ersatzteil den Schaden zu beheben und das segel wieder zu setzen. Es ist zwar ein einer Stelle eingerissen, aber Beyou glaubt, auch diese Reparatur schaffen zu können, wenn er wieder bei Kräften ist. Er hat nun wieder Speed aufgenommen, aber Paul Meilhat (“SMA”) , mit dem er seit Tagen Seite an Seite segelt, liegt nun 250 Meilen voraus.

Peinlicher Fehler

Nutznießer hätte unter anderem Jean-Pierre Dick sein können, der auf Rang sieben liegt. Doch der ursprüngliche Mitfavorit mit seinem Foiler “St. Michel Virbac”, der in der ersten Woche des Rennens noch in Führung lag, aber seit einem Taktik-Fehler bei Madeira den Anschluss verlor, hat einen peinlichen Fauxpas begangen.

Peinlicher Fehler. Jean Pierre Dick hat die virtuelle Eisgrenze überquert, muss zurücksegeln und verliert gut acht Stunden.

Peinlicher Fehler. Jean Pierre Dick hat die virtuelle Eisgrenze überquert, muss zurücksegeln und verliert gut acht Stunden.

Er passierte die virtuelle südlche Eisgrenze und musste wieder zurücksegeln. Offenbar hat er ein Kurs-Update nicht mitbekommen. Acht Stunden verlor er durch das folgende Manöver. Jean Le Cam macht sich im Video über den Fehler lustig:

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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11 Kommentare zu „Vendée Globe: Thomson mit Problemen – Japaner hat nach Mastbruch aufgegeben“

  1. avatar Jule sagt:

    Thomson ist platt. Es hat zuviel Kraft gekostet, mit dem angeschlagenen Boot (Foil gebrochen) Armels Pace mitzugehen.
    Darüberhinaus hat er sein Material durch das Pushen zu stark belastet, so dass er es jetzt langsamer angehen muss, um heil ins Ziel zu kommen.

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  2. avatar Armel Le Cléac'h sagt:

    Hast Du gerade mit Alex telephoniert?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 12

    • avatar Jule sagt:

      Ich habe detaillierte Infos von ihm:

      “I am pretty tired. It has been very gusty, very windy. It is damp inside the boat and really not great living conditions. Apart from that I am well fed. But I am looking forwards to the next front which will bring northerlies, the nice stable warmer air and I will be able to rest. It is virtually impossible for me to pace myself with Armel because on the one side

      I am significantly slower than him and so I am trying not to.

      I am trying to sail my own game and not worry too much about Armel. He has got different speeds to me and is likely to go different ways and so I am trying to play my own game.

      I think if I try to pace him I will probably push the boat too hard.”

      http://www.vendeeglobe.org/en/news/16827/southern-oceans-finding-weaknesses

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  3. avatar Armel Le Cléac'h sagt:

    Dann solltest Du nächstes Mal gleich Deine Quelle angeben und richtig übersetzten und nicht nach gut dünken interpretieren….

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 17

    • avatar Jule sagt:

      Obne habe ich keine Übersetzung gepostet sondern eine Interpretation dessen, was in den letzten Wochen zu beobachten war. gepostet. Da Alex momentan stark zurückfällt, kam als Ursache nur Erschöpfung oder Bruch in Betracht.

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      • avatar Armel Le Cléac'h sagt:

        Aha.
        “kam…nur…in Betracht.”
        Dann mal herzlichen Dank, dass die Segelwelt, dank deiner Interpretation, der “letzten Wochen”, bei gesegelten 29 Tagen, nun weiss was bei Alex T homson Sache ist.
        Ich nehme an Deine Interpretation basiert zusätzlich auf eigenen empirischen Werten.

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  4. avatar Südlicht sagt:

    Wer mit dem Namen “Armel Le Cleac’h” schreibt hat glaube ich ganz andere Probleme.
    Warum lässt Du nicht Jule’s Meinung einfach so stehen und bewertest sie negativ falls sie Dir nicht gefällt.

    Sie so runter zu machen spricht für ganz schlechten Stil, aber was will man von einem erwarten, der sich mit dem Namen eines Segelstars schmückt…

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    • avatar Armel Le Cléac'h sagt:

      Warum soll man eine Meinung nicht bewerten dürfen? Es ist eine Meinung und keine feststehende, bewiesene Tatsache.
      Und wieso leitest Du etwas her , über einen frei wählbaren Benutzernamen auf der Kommentarleiste von einer Webseite? Hobbypsychologe? Kann sich auch nur um (D)eine Meinung handeln. Wissen keinesfalls.

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  5. Ihr seid lustig. Ich glaube ich habe das was Jule da geschrieben hat, schon woanders gelesen. Da ist offensichtlich jemand sehr von seinen Analysen überzeugt. Ich maße mir jedenfalls nicht an, zu beurteilen, ob Alex ein paar Probleme gelöst hat oder halbtot oder depressiv in der Koje gehangen hat, weil er vorübergehend etwas langsamer war … Tatsache ist einzig, dass er nur noch auf einem Bug (gegenüber Armel) konkurrenzfähig unterwegs ist, wenn der Wind etwas spitzer ausfällt und die Wellen nicht zu hoch sind. Also wird er seinen eigenen Weg fahren müssen, was bedeutet, dass er entweder auf Wetterglück hoffen muss, wenn er an Armel ( ohne Bruch bei Armel ) vorbeikommen möchte. Zum Glück hat er ja nach hinten eine ganze Menge Luft …
    VG, Frank

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    • avatar Jule sagt:

      Statt Verschwörungstheorien und weitere Vermutungen über Thomson zu äussern, wäre es m.E. sinnvoller gewesen, sich mit dem zu befassen, was Alex selbst gesagt hat. Thomsons Äusserungen lassen m.E. wenig Interpretationsspielraum zu. Er ist müde – “tired” – und spricht von der nächsten Front, die es ihm ermöglichen werde sich auszuruhen. Des weiteren spricht er davon, sein Boot nicht so hart pushen zu wollen, um Armel zu folgen.

      “I am pretty tired. It has been very gusty, very windy. It is damp inside the boat and really not great living conditions. Apart from that I am well fed. But I am looking forwards to the next front which will bring northerlies, the nice stable warmer air and I will be able to rest. It is virtually impossible for me to pace myself with Armel because on the one side

      I am significantly slower than him and so I am trying not to.

      I am trying to sail my own game and not worry too much about Armel. He has got different speeds to me and is likely to go different ways and so I am trying to play my own game.

      I think if I try to pace him I will probably push the boat too hard.”

      http://www.vendeeglobe.org/en/news/16827/southern-oceans-finding-weaknesses

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

      • Wenn ich mal ein paar Tage hintereinander mit entsprechendem Schlafdefizit auskommen muss dann bin ich auch “tired” … Ob das jetzt für Alex noch zutrifft wird er wohl nur selbst wissen … wie auch die Frage, ob er nicht selbst – angesichts des riesigen Vorsprungs – versuchen möchte, Armel indirekt “zu überreden” , etwas Druck weg zu nehmen …

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