Vendée Globe: Topp Drei in zweieinhalb Stunden? – Herrmann immer noch entspannt

Der Norden holt auf

Yannick Bestaven scheint bei der Vendée Globe mit seiner nördlichen Biskaya-Ansteuerung ein großer Wurf gelingen zu können. Aber Boris Herrmann ist auch immer noch sehr flott unterwegs. Die neuesten Berechnungen.

Boris Herrmann gibt sich bei seiner Annäherung an Kap Finisterre immer noch entspannt. Keine Spur von Druck oder Anspannung. Eher strahlt er die Freude aus, nahe der spanischen Küste heimatlichen Gefilden näher zu kommen. “Hier könnte man auch mal Urlaub machen.”

Auch Charlie Dalin betont, wie sehr er sich freut, wieder in die Biskaya einzutauchen. Zehn Jahre lang sei er hier zuletzt in allen Richtungen herum gesegelt – insbesondere bei der Solitaire de Figaro, bei der er unglaubliche viermal auf das Podium gesegelt ist. Dieser Heimvorteil könne ihm bei den letzten Meilen helfen.

Bisher allerdings schafft er es nicht, seinen hartnäckigen Verfolger abzuschütteln. Boris Herrmann hängt ihm im Kielwasser und er konnte über den aktuellen Tag den Rückstand auf mit 80 Meilen stabilisieren. Wenn das so bleibt, landet der Deutsche in der Endabrechnung mit seiner Zeitgutschrift knapp eine Stunde vor dem großen Favoriten.

Die Berechnung von Yoann Richomme nach der 15 Uhr Positionsmeldung: Herrmann würde auf Platz zwei landen.

Das hat jedenfalls Yoann Richomme, Skipper des nächsten Ocean Race-Favoriten, aktuell ausgerechnet. Ihm zufolge hat sich die Nord-Option von Yannick Bestaven über den Tag besser entwickelt als zuvor gedacht. Sein aktuelles Routing sieht Maitre Coq inklusive der Zeitgutschrift mit 1:42 Stunden Vorsprung diese Vendée Globe gewinnen

Diese Zeitdifferenzen wirft die Andrena-Routensoftware aktuell aus mit eingerechnetem Bonus

Die Routings werden genauer, je näher die Zielankunft  Mittwoch Abend und in der Nacht zum Donnerstag rückt. Aber immer noch ist der Querabstand zwischen der Nord- und Süd-Route mit rund 350 Meilen so groß, dass kleinste Wetterschwankungen viel bewirken können.

Klar ist, dass Bestaven wie auch Ruyant und Burton im Norden mächtig Fahrt aufgenommen haben. Ihre finale Aufholjagd hat begonnen. Durch den direkten Kurs, den sie jetzt zum Ziel nehmen verringert sich zunehmend der Abstand, den der Tracker angezeigt.

Komplizierte Finale

Der französische Wetterexperte Dominic Vittet erwartet laut einer etwas älteren Berechnung, dass die ersten sieben Boote innerhalb von weniger als 12 Stunden die Ziellinie überqueren. Charlie Dalin wird demzufolge am Mittwoch gegen 19 Uhr als erster in den Hafen von Les Sables einlaufen, vier Stunden später gefolgt von Louis Burton und Boris Herrmann etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht.

Beim Positionsreport um 18 Uhr kämpft sich Charlie Dalin am Verkehrstrennungsgebiet vor Kap Finisterre vorbei. Die Boote im Norden geben Gas.

Das würde ihm auch nach Vittets Rechnung ausreichen, um die beiden mit seinem Sechs-Stunden-Bonus zu überholen. Der Sieg ginge aber an Bestaven, der in der Nacht gegen 3:45 Uhr eintreffen soll und mit seinem 10:15 -Stunden-Bonus die Zeit von Herrmann um etwa dreißig Minuten unterbietet. Vittets und Richommes Kalkulationen unterscheiden sich also aktuell um mehr als eine Stunde.

Herrmanns Speed gegen 19 Uhr. Es geht hoch und runter. Der jüngste Ausschlag nach unten bezeichnet die nächste Halse gen Norden.

Herrmanns Kurslinie mit aktueller Halse an Finisterre vorbei

Herrmanns Halse korrespondiert mit dem zuletzt nach rechts gedrehten Wind.

Es ist ein kompliziertes Finale. Und besonders die Unwägbarkeiten auf der Route unter der spanischen Küste sind schwer einzuschätzen. Es drohen Winddreher und -Löcher wie auch zunehmender Frachter-Verkehr.

Während die drei Skipper auf ihrem weiteren Weg über die Nordroute das Gaspedal auf einem langen Schlag durchdrücken können, müssen Dalin und Herrmann zahlreiche Halsen in ihren Kurs einbauen. Dabei dürfen sie nicht zu nahe an die spanische Küste geraten, wo die Südwestwinde schwächer werden.
Es bleibt spannend. Nach der kommenden Nacht wird das Bild klarer.

Tracker

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Topp Drei in zweieinhalb Stunden? – Herrmann immer noch entspannt“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Also schon sehr entspannt. Während unsereiner Nägel kauend sich die nächste Routenberechnung anschaut, erklärt uns Boris im Video wo er gerne an der spanischen Küste ums Cap Finistere herum Urlaub machen würde.
    Mach so weiter!!! Es ist und wird grandios! Komme gut an!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn + neunzehn =