Vendée Globe: Violette Dorange (20) will 2024 um die Welt – Fokus “jüngste Teilnehmerin”

Opti, Mini… IMOCA!

Nach der Vendée Globe ist vor der Vendée Globe. Als Beitrag zum Weltfrauentag berichten wir von den Ambitionen der Violette Dorange. Sie will 2024 auf einer IMOCA dabei sein – und hat durchaus das Zeug dazu! 

Eine Woche Wintertraining mit Violette Dorange – Vorbereitung für die Figaro 3-Transat im Mai!

“Es erfordert eine Menge Willenskraft, sich als Frau auf ein Segelprojekt einzulassen. Ich bin seit meinem 6. Lebensjahr in einer Männerwelt unterwegs und in vielen Regatten gegen Jungs angetreten. Ich habe sogar ein Mal, zusammen mit meiner Teamkollegin, eine nationale Meisterschaft im 420er vor 66 Booten und einer großen Mehrheit von Jungen gewonnen! 

Segeln ist eine der wenigen gemischten Sportarten. Große Frauen haben mir den Weg gezeigt und ich bin bereit, die Herausforderung anzunehmen!”

So und nicht anders beschreibt die heute 20 jährige Violette Dorange auf ihrer Website ihre Ambitionen, im Segelsport weiter, viel weiter zu kommen. Sie war gerade mal 17 Jahre jung, als sie diesen Text schrieb. Doch als Maxime für die kommenden Jahre soll er genau so stehen bleiben. Man müsse sich Ziele setzen, sonst bleibe man auf der Stelle stehen und drehe sich womöglich noch im Kreis, schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite. Nur wer zum Horizont segle kann auch wirklich wissen, ob es dahinter weiter geht! 

Sympathische Zusammenfassung von Violette Doranges Solitaire du Figaro 2020!

Nun könnte man meinen, dass solche Worte aus dem Mund einer gerade mal  20-Jährigen etwas dick aufgetragen wirken. Doch bei Violette Dorange sind solche ambitionierten Sprüche durchaus gerechtfertigt. Weil sie eben schon zum Horizont segelte und auch ansonsten dafür bekannt ist, sehr gerne über den Tellerrand hinaus zu blicken. Anders formuliert: Violette Dorange weiß was sie will, weiß was sie kann und weiß, wie weit sie gehen, pardon: segeln möchte. 

Im Opti über den Ärmelkanal

Violette Dorange ist SegelReporter-Leserinnen und -Lesern längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Seit ihren ersten spektakulären Offshore-Aktionen begeistern wir uns für die pfiffige, charismatische und erfrischende junge Französin. Was, zugegeben, nicht nur an ihrer sympathischen Art liegt, sondern auch mit ihren sportlichen Leistungen einhergeht. 2015 wurde sie 4. bei den Europameisterschaften im Optimist. 2016 französische Meisterin im 420er und gewann die Bronzemedaille bei den Jugendweltmeisterschaften. 2017 wieder dritter Platz, diesmal bei den Europameisterschaften im 420er. Ein Jahr später erneut Bronze bei den Jugendweltmeisterschaften.

Einen ersten Medien-Coup “landete“ die Jugendliche, als sie 2016 im zarten Alter von 15 Jahren im Optimisten den Ärmelkanal überquerte. Mal eben schnell von der Insel Wight nach Cherbourg in der eckigen „Badewanne“ gesegelt – das ist schon mal reichlich mediale Aufmerksamkeit im segelverrückten Frankreich wert. Ein Jahr später noch eine Premiere im Opti – diesmal nahm sich Violette die Straße von Gibraltar vor und bezwang sie lässig in ihrer Nussschale. 

Optimist, Straße von Gibraltar, Violette Dorange

Auch wenn sie vor Anker liegen… die großen Pötte sind dann doch furchteinflößend © Bernard Le Bars / Signatures

Logisch, dass so eine nicht bei den Jollen bleibt! Noch im Opti, irgendwo zwischen Marrokko und Spanien, beschloss sie, Hochseeseglerin zu werden. Jollen sind ja schön und gut, aber richtig weit komme frau damit eben nicht! Die eigentlich geplante Karriere im 470er wurde so in den Wellen der Straße von Gibraltar versenkt.  2019 saß sie schon in einem Mini und wuppte locker die Mini Transat als jüngste Teilnehmerin aller Zeiten. Sie finishte als sehr respektable 16te in der heiß umkämpften Serienwertung, obwohl sie nur ein Jahr Vorbereitungszeit hatte. Und „nebenher“ noch die 420er-Szene aufmischen musste. Drei Wochen vor dem Start stand die damals 18-Jährige noch auf der Warteliste zur Mini-Transat. Als dann die Teilnahme im letzten Moment doch noch klappte, war große Medienaufmerksamkeit in ihrem Heimatland erneut vorprogrammiert… und wurde von der quirligen Französin genossen und ausgekostet. 

Mini-Transat als Sprungbrett 

Die Mini-Transat trug sofort Früchte für Violette. Die „Großen“ in der Szene wurden auf sie aufmerksam, man/frau sprach von einem neuen Stern, der über der Szene aufgehe.

Ein bisschen Glück und Zufall halfen dann auch weiter: Der bekannte IMOCA-Segler Jean-Pierre Dick ist ein Studienfreund von Violettes Vater. Und der öffnete die eine oder andere Tür, nicht zuletzt auch mit kleinen medialen Aufmerksamkeiten. 2018 lag seine JP 54 in Funchal auf Madeira, als sich der Hurrikan „Leslie“ schon gefährlich nah in Richtung Azoren bewegte, um gen Madeira weiter zu ziehen. Dick entschloss sich zu einer Spontan-Aktion und flog von einer Stunde auf die andere nach Funchal und segelte die JP 54 mal eben schnell in Sicherheit runter zu den Kanaren. Als einzige Begleiterin für den Trip nahm der Vendée Globe-Held Violette Dorange mit – „einfach nur um mal zu sehen, was sie so drauf hat“. 

Will die jüngste Vendée Globe-Teilnehmerin werden: Violette Dorange © Bernard le Bars

Sowas „zieht“ in der Szene. Nach der Mini-Transat mietete Violette von Dicks Kumpel Yann Eliès dessen Figaro 3, um bei der Soiltaire du Figaro 2020 als jüngste Teilnehmerin aller Zeiten teilzunehmen. Mehr noch: Eliès half ihr beim Trimm, verbachte einige Zeit mit der jungen Frau auf dem Wasser und gab entscheidende Tipps. Zwar war Violette letztendlich mit dem Ergebnis (Rang 30 von 35, nach 2 Etappen jedoch auf Rang 23) nur wenig zufrieden, doch sie hat angebissen. Auch in der Saison 2021 will sie sich „mit den größten und stärksten Seglerinnen und Seglern unserer Szene auf dem Figaro 3 messen“, lässt sie in den Sozialen Medien verlauten. Vorläufiger Höhepunkt: Die Figaro-Transat (ehemals AG2R), Start Mai 2021.

Vorhang auf für die Vendée Globe!

Wer ein wenig die französische Szene beobachtet ahnt, was förmlich folgen muss: Die Teilnahme an einer Vendée Globe. Was jedoch auch für französische Verhältnisse etwas außergewöhnlich erscheint: Frau Dorange will bereits an der kommenden Vendée Globe im Jahr 2024 teilnehmen. Und zwar dann als 23-Jährige (mal wieder) als jüngste Teilnehmerin in der Vendée Globe-Geschichte.

Auch das ruft beim aktuell noch nachwabernden Hype um die legendäre Einhand-Weltumseglungs-Regatta reichlich Medienaufmerksamkeit auf den Plan. Genau das, was Violette Dorange jetzt braucht und will! Denn nach der Vendée Globe ist bekanntlich vor der Vendée Globe. Und obwohl noch kein Hauptsponsor für ihr Projekt gefunden wurde, muss sie jetzt ein korrektes Boot für die Realisierung ihrer Pläne finden – und kaufen! Sie wolle und könne kein übertrieben großes Projekt in die Welt setzen, schreibt sie auf ihrer Website und auf Facebook. Sie brauche lediglich ein verlässliches Boot, dass sie sicher um die Welt bringt. Das sei wohl mit einem Budget von einer Million Euro machbar, wenn auch finanziell etwas eng gestrickt. 

Das Jahr 2020 – ein Rückblick mit Violette Dorange

So ganz nebenbei studiert Violette Ingenieurswesen auf der größten technischen Universität der Bretagne. Und will auch hier ihre Frau stehen, vor allem im Vergleich zu den „Herren der Schöpfung“. Es sei nicht von ungefähr, dass die erfolgreiche Sportlerin in einer immer noch von Männern dominierten Sportszene auch beruflich auf einem „typisch männlichen“ Terrain unterwegs und dort Erfolg haben will. 

Jetzt oder nie?

Im Prinzip komme es jetzt und in den nächsten Monaten darauf an, ob und mit welchen Erfolgsaussichten sie ihr Projekt Vendée Globe 2024 angehen wird und kann, berichtet Violette Dorange in einigen Interviews, die sie im Dunstkreis der derzeit immer noch aufgeregten IMOCA-Szene den interssierten französische Medien gibt. Boote, die zu ihrem Profil passen, dürften derzeit genug auf dem Markt angeboten werden. Fragt sich nur, ob sich rechtzeitig Sponsoren für einen Kauf finden werden. 

In der Hochseeszene ist man diesbezüglich optimistisch. Von einer „nachwachsenden „Clacla“ Clarisse Cremer ist die Rede und von einer engagierten wie talentierten jungen Hochsee-Hoffnung. In ihrem Trainingszentrum Port la Foret sieht man jedenfalls sehr wohlwollend auf Violettes Ambitionen. So wie die französische Hochseeszene tickt, wäre das schon mal die „halbe Miete“. 

Voolette Dorange gibt sich jedenfalls selbstsicher: „Bisher haben sich meine kühnsten Träume immer noch erfüllt! Wieso sollte bei der Vendée Globe 2024 also nicht auch klappen?“ 

Ja, wieso eigentlich nicht? 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Vendée Globe: Violette Dorange (20) will 2024 um die Welt – Fokus “jüngste Teilnehmerin”“

  1. avatar Carlos sagt:

    Tolle Story aber in der Segelwelt brauchen wir keinen (Sprach—) Sexismus = gendertalk = Orwell ‘scher Neusprech, denn wir wissen Segler sind wie Gäste, Menschen Bürger etc. Frauen & Männer & Alan Mac A. War seinerzeit der schnellste Skipper round the World….

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