Vierter Tag in Enoshima mit zwei Topplatzierungen fürs deutsche Team

Mixedcrew brilliert mit Nacra-Tagessieg

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer starten als Zweite bärenstark in die Olympischen Spiele. Auch die 470er-Frauen Luise Wanser und Anastasiya Winkel überzeugten auf Rang vier. Je einmal Hui und zweimal Pfui der deutschen Skiff-Crews.

Drei Tage nach dem Sensationserfolg von Svenja Weger im Laser Radial feiert Segel-Deutschland einen weiteren Tagessieg. Bei harten Bedingungen in frischen Winden mit hoher Welle gewann die Kieler Kombination Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer das zweite von drei packenden Nacra-17-Rennen. Als Fünfte und Sechste vorher und nachher setzte sich die fliegende Katamaran-Mannschaft zum Auftakt gleich auf den zweiten Podiumsplatz.

Das Bootshandling war ein starker Trumpf beim Auftakt von Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer. Foto: Sailing Energy / World Sailing

Ganz vorsichtig, geradezu verhalten steuerte Kohlhoff die Startlinie an, fast etwas spät, aber mit freiem Wind ohne Gegner in der Nähe. Und die Wahl der linken Seite am Pin End war taktisch genau richtig. Als erster Kat wendete „GER“ aus der Spitzengruppe und kam über die Mitte hinter dem Titelverteidiger Santiago Lange aus Argentinien mit neuer Vorschoterin Cecilia Carranza Saroli an die Luvtonne. Doch eine langsame Wende ließ die Franzosen innen durchrutschen.

Es folgte der erste Ritt auf der Rasierklinge. In den Böen beschleunigten die Foiler auf deutlich mehr als 20 Knoten Bootsspeed. Lange wurde das teils zu heikel. Der 59-jährige Gold-„Junge“ von Rio 2016 stellte den Luvrumpf hoch, um Luvruder und -foil aus der Wasser zu bekommen. Das ist sicherer, aber auch etwas langsamer vor dem Wind. Kohlhoff/Stuhlemmer dagegen zeigten ihr ganzes Können und übernahmen die Spitze vorm Leegate. „Wir sind mit dem Boot gesegelt und nicht das Boot mit uns – das war in diesen Bedingungen schon viel wert“, so der Steuermann.

Bei den packenden Nacra-17-Rennen etablierten sich Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer in der Spitze. Foto: Sailing Energy / World Sailing

Taktisch clever und unaufgeregt verteidigten die Deutschen die Führung. Aber „Santi“ blieb immer dran, bis auf 24 Meter und sechs Sekunden an der letzten Luvtonne. Nach der Ablauftonne fiel eine Vorentscheidung: Wieder setzte Alica Stuhlemmer, mit 21 das Nesthäkchen in der Equipe, den Gennaker schneller als die Verfolger – ein 1a-Manöver. „Für mich war es besonders anstrengend, weil wegen der Welle auch an der Kreuz das Boot permanent ausgeglichen werden muss“, sagte die Vorschoterin.

Als Lange/Carranza bei der Halse auch noch einen Stecker auffangen mussten, war der Weg frei. Nur einmal sollte noch der Atem angehalten werden, denn auch die Kieler rasten kurz vor dem Ziel in einer Halse in den nächsten Wellenberg und steckten die Bugspitzen kurz, aber heftig ins Wasser. „Die Welle baut sich hier sehr stark auf und variiert je nach Wassertiefe, sodass wir an der Luvmarke teils ein anderes Wellenbild hatten als am Leegate“, erklärt Kohlhoff die Herausforderungen. „Die Bucht ist nicht ohne Grund ein Surfrevier. Es hat Megaspaß gemacht, auf dem Vorwind-Kurs die Wellen zu surfen, aber es ist auch super anstrengend, weil du jede Sekunde hundertprozentig konzentriert sein musst.“

Da bereits nach drei Wettfahrten die schlechteste gestrichen wird, liegen der Sportsoldat und seine Kameradin mit sechs Zählern punktgleich vor Jason Waterhouse und Lisa Darmanin aus Australien auf zwei. Zwei Tagessiege bescherten Ruggero Tita und Catarina Banti (Italien) das gelbe Trikot.

Gelungene Olympiapremiere: Luise Wanser und Anastasiya Winkel im 470er. Foto: Sailing Energy / World Sailing

Wie rau die Bedingungen auf der Sagami-Bucht waren, zeigten auch eindrucksvollen Bilder von der Bahn der 470er-Frauen. Immer wieder schlugen Wellenkämme gegen die Bordwand und gaben Luise Wanser wie ihrer Vorschoterin Vollgussduschen. Ein guter Start mittig der Linie war Grundlage einer Startkreuz unter den besten Sechs, wobei die vor ihnen liegenden Australierinnen nach Tonnenberührung kringeln musste. Spätestens als die Schwedinnen vor dem Gate kenterten, wurde dem Zuschauer klar, dass Durchkommen schon ein hohes Ziel war.

Während das Duo vom Norddeutschen Regatta Verein ein wenig den Anschluss an die Spitze verlor und am Ende noch zwei Punkte von elf auf neun gutmachte, drehte es im Race 2 mit guter Moral den Spieß um. Nur 14. nach der ersten Runde ging es fortan bergauf. 9./8./7./5. bedeutenden 14 Zähler punktgleich mit den gesamtfünften Gastgeberinnen Kondo/Yoshikoa. Eine weiße Weste behielten Angieszka Skrzypulec und Jolanta Ogar aus Polen.

Luise Wanser und Anastasiya Winkel kämpften sich im zweiten 470er-Rennen bis auf den fünften Platz vor.
Foto: Sailing Energy / World Sailing

Am frühen Morgen deutscher Zeit waren die 49er-Männer gefordert, die zum Auftakt nur ein Rennen absolvierten und am Donnerstag „nachsitzen“ müssen. Für die Bronzemedaillengewinner von Rio verlief der Tag eher gebraucht. Zwar war der fünfte Platz in der zweiten Wettfahrt durchaus der Geschmack von Erik Heil und Thomas Plößel. Doch ein 13. zuvor und ein 14. danach waren im 19-Boote-Feld beides Ausrutscher.

Ganz ähnlich lautete die Bilanz von Tina Lutz und Susann Beucke im 49erFX. Durch einen dritten Platz nur acht Sekunden hinter den Siegerinnen aus Dänemark lag das Team zunächst in Schlagdistanz zu den Top Drei. Es folgte jedoch der Streicher (14.) und Rang zwölf, was 34 Punkte und Siebte in der Tabelle bedeutet. Charlotte Dobson und Saskia Tidey (Großbritannien) verteidigten die Führung (15) fünf Zähler vor Bekkering/Duetz aus den Niederlanden, mit zwei Rennsiegen Tagesbeste.

Nach einem starken dritten Platz kamen Tina Lutz und Susann Beucke etwas aus dem Tritt. Foto: Sailing Energy / World Sailing

„Für uns waren Welle und Wind am Anschlag. Es geht dann irgendwann nur noch darum, den Mast aus dem Wasser zu halten“, berichteten Lutz und Beucke unisono. Und weiter: „Es ging heute doch mehr über die Seiten, als wir angenommen haben. Leider haben wir ein paar Mal die falsche Seite genommen. Das fühlt sich frustrierend an.“

Am Donnerstag um 5.05 Uhr deutscher Zeit beginnen die 470er Frauen, deren beide Tagesrennen auch im ZDF-Livestreaming übertragen werden sollen. Parallel will Philipp Buhl im Laser nochmal angreifen, 10 Minuten vor Svenja Weger im Laser Radial. Auch die Nacra 17 gehen gleich zu Beginn auf ihre Bahn, genau wie die 49er-Männer mit dem ersten ihrer beiden Nachholrennen.

6 Kommentare zu „Vierter Tag in Enoshima mit zwei Topplatzierungen fürs deutsche Team“

  1. avatar Lyr sagt:

    oje, was ist denn bei den 470er passiert? Da steht das in der Ergebnisliste:
    ARG and GER score DSQ in Race 1. Cases 16 and 17.
    ARG and GER score DSQ in Race 2. Cases 16 and 17.

    🥺

  2. avatar Manfred sagt:

    @ Andreas K. : Woher hast Du bitte die tollen Bilder. ARD hatte keine Übertragung angeboten, jedenfalls hatte ich deren Live Seite rauf und runter gescrollt. Jede Menge Sportarten im Livestream dabei, aber kein Segeln.

    Die im ZDF übertragenen Bilder sind unglaublich gut. Also stellt der Veranstalter hervorragende Liveaufnahmen zur Verfügung. Weiß jemand hier, ob man die noch später am Tag irgendwo abrufen kann? Auch hier hatte ich mit für mich aufwändiger Suche kein Erfolg.

  3. avatar Thomas sagt:

    Wie kommt ihr darauf das Santiago Lange eine neue Vorschoterin hat?
    Wenn neu heisst vor Rio neu, dann mag das vllt stimmen, aber mit ihr hat er 2016 schon auf dem Treppchen gestanden. 😉

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