Volvo Ocean 65 überzeugten im harten Sevenstar Round Britain and Ireland Race

"Das war brutal"

Die Generalprobe für das Anfang Oktober beginnende Volvo Ocean Race ist zu einem echten Härtetest geworden. „Die ersten 48 Stunden waren brutal“, berichtete der siegreiche „Azzam“-Skipper Ian Walker, „die halbe Mannschaft hat Blessuren davongetragen und muss teils noch zum Röntgen.“

Volvo Ocean Race

Eindrucksvoller Sieg des Favoriten Teams für Abu Dhabi. © Justin Chisolm/Abu Dhabi Ocean Racing

Über weite Strecken sei die Crew eher gesegelt worden, als selber alles unter Kontrolle zu haben. Aber das war auch die Phase, in der sich das favorisierte Abu Dhabi Ocean Racing im Überlebenstraining an die Spitze der fünf Kontrahenten setzte. Sie scheinen eben noch ein bisschen härter gepuscht zu haben als die Konkurrenz.

Und das war auch die Phase, als das SCA-Frauenteam unter Skipperin Sam Davies die frühe Führung nach dem besten Start wieder abgeben musste. Sie wurden bis ans Ende der VO65 Flotte durchgereicht. Der Rückstand vergrößerte zunächst kontinuierlich.

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Schön Ian Walker mal wieder lachen zu sehen. Beim vergangenen Volvo Ocean Race war er der große Verlierer. © Justin Chisolm/Abu Dhabi Ocean Racing

Trotz einer elfköpfigen Crew (statt acht) und der längsten Vorbereitungszeit machte es den Eindruck, dass die Frauen bei harten Bedingungen noch nicht konkurrenzfähig sind. Aber in der zweiten Hälfte des Rennens konnte das frustrierte SCA-Syndikat auch vom aufkommenden Wind begünstigt nochmal zu Dongfeng und Alvimedica aufschließen.

Kurzzeitig konnte es Charlie Enrights türkisch-amerikanisches Jugendteam Alvimedica überholen, musste dann aber doch den Zweikampf verloren geben. Vor dem Ziel wurde es allerdings noch einem sehr knapp. Das SCA Team kam bis auf elf Minuten an Alvimedica heran.

Davor platzierte sich das Chinesische Dongfeng Team, dem mit vier Chinesen an Bord zuvor nicht so viel zugetraut worden war. Aber die Crew des französischen Skippers Charles Caudrelier schlug sich gut und präsentierte besonders durch die mediale Darstellung eine sehr sympathische Seite seiner asiatischen Team-Hälfte, die das Potenzial hat, Publikumsliebling zu werden.

Das Dongfeng Team freut sich über besseres Wetter und singt chinesische Seemannslieder:

Einerseits überraschend, andererseits erwartet stark war die Leistung vom spanischen Team Campos. Obwohl erst seit drei Wochen im Training zeigten Iker Martinez und Xabi Fernandez mit ihren erfahrenen Hochseerecken, von denen viele schon beim vorigen Volvo Ocean Race dabei waren, dass das One Design Prinzip der VO65 funktioniert. Sie benötigen wenig Vorbereitungszeit, um eine starkes Leistungsniveau zu erreichen.

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Das Abu Dhabi Team hat am härtesten gepuscht. © Justin Chisolm/Abu Dhabi Ocean Racing

Die Pace von „Azzam“ konnten sie zwar noch nicht ganz halten, aber am Ende machten sie gegen die „Araber“ in den stark abflauenden Winden noch viele Meilen gut. „Die letzten zwölf Stunden waren grausam“, so Abu Dhabi Skipper Walker. „Zum Glück hat Si Fi (Navigator Simon Fischer) praktisch keinen Fehler gemacht.“

Die Sieger kamen zwei Stunden und 20 Minuten eher als die Iberer kamen ins Ziel vor Cowes nach vier Tagen, 13 Stunden und zehneinhalb Minuten und 1.800 Seemeilen. Das war mehr als 30 Stunden schneller als alle Einrumpfboote zuvor. „Azzam hat die Messlatte gelegt. Jetzt wissen wir, wo wir stehen und wo wir noch hinmüssen“, meinte der spanische Skipper Martinez. „Vor allem ihr Bootshandling war noch besser.“

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Team Campos kurz nach dem Start. © RORC/Rick Tomlinson

Das Ergebnis dürfte vor allem auch Chris Nicholson Mut machen, der mit der siebten und letzten Volvo Ocean Race Kampagne Vestas Wind Systems aus Dänemark seine Vorbereitungen gerade erst beginnt. Ob er allerdings zu den vorderen Plätzen aufschließen kann, bleibt abzuwarten. Sicher zur ersten Gruppe wird allerdings das holländische Brunel Team gehören, dass seine Karten in Abwesenheit noch nicht aufdeckte.

Die Zuverlässigkeit der 65-Fuß-Racer hinterließ in der steilen Nordseewelle einen guten Eindruck. Ausläufer des Hurrikans Bertha hatten zu Beginn des Sevenstar Round Britain and Ireland Race trotz 21 Stunden Startverschiebung für Sturmbedingungen gesorgt – allerdings durch die Kursänderung gegen den Uhrzeigersinn „nur“ vor dem Wind. Dass dies für Rekordgeschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten im Durchschnitt sorgen würden, war fast erwartet worden.

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Das SCA Frauenteam wurde maximal gefordert. © Team SCA

Die Volvo Ocean 65 hielten stand – scheinbar passé sind die Ruder- und Mastbrüche sowie die massiven Kielprobleme der Vorgänger Volvo 70. Bruch gab es lediglich bei den Segeln und Seglern selbst. So büßte die drittplatzierte Dongfeng von Charles Craudelier frühzeitig ein Code 0 Segel ein, hatte aber das Glück, danach auf Bedingungen zu treffen, bei denen es nicht mehr eingesetzt werden musste.

Bemerkenswert ist, dass der russische Volvo 70 “Monster Project” den Speed der Proficrews auf den VO65 nicht halten konnte und wohl genau einen Tag nach den aktuellen Volvo Racern ins Ziel kommen wird.

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Die SCA Frauen blieben noch hinter den Erwartungen zurück. © Team SCA

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Zwei von vier Chinesen an Bord vom Dongfeng Team. © Yann Riou/Dongfeng Race Team

Zuvor hatte der MOD 70 Trimaran “Musandam-Oman Sail” im einsamen Kampf den Rekord für die Umrundung der Inseln gebrochen, den der fast doppelt so große Trimaran “Banque Populaire 5” 2011 festgesetzt hatte. Der 70 Fuß Tri dessen Schwesterschiffe sich auch schon häufiger überschlagen hatte, profitierte wie auch die VO65 Racer von perfekten Bedingungen auf den 1800 Meilen um die Inseln.

SCA Team:

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2 Kommentare zu „Volvo Ocean 65 überzeugten im harten Sevenstar Round Britain and Ireland Race“

  1. avatar LaserRecke sagt:

    Auf dem Foto ist ja nicht alvimedica, näch…

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