Volvo Ocean Race: Chris Nicholson wirft Navigator Wouter Verbraak raus

"Alles Gute für die Zukunft..."

Verbraak

Wouter Verbraak wird Nicholson nicht mehr den Weg weisen. © Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Der Unglücks-Navigator beim Volvo Ocean Race Wouter Verbraak ist  von seinen Aufgaben beim Team Vestas Wind freigestellt worden.

Wouter Verbraak

Vestas Navigator Wouter Verbraak in Erklärungsnöten. © Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Das dänische Vestas Team hat bekannt gegeben, dass der Holländer Wouter Verbraak nicht die Chance bekommt, seinen massiven Fehler bei der zweiten Etappe des Volvo Ocean Races wieder auszubügeln.

In der Pressemitteilung heißt es, dass Chris Nicholson die Entscheidung gefällt hat, das geplante Comeback zum Lissabon Etappenstart im Juni ohne Verbraak anzupeilen. “Wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft”. Ein neuer Navigator ist noch nicht benannt.

Damit scheidet Verbraak auch aus den Prozess aus, das Schiff bei der italienischen Persico Werft für den Neustart vorzubereiten. Dort sollen alle Teammitglieder mit eingebunden werden. Und Nicholson sagte deshalb auch einen möglichen Start bei der 505er WM ab. Der Frachter mit dem Wrack wird am Sonntag in Genua erwarte und dann per Truck zur Werft im Landesinneren nach Bergamo gebracht.

Nicht zufrieden

Verbraak segelte auch schon auf "Hugo Boss".   © FNOB

Verbraak segelte auch schon auf “Hugo Boss”. © FNOB

Die Entscheidung kommt überraschend. Sie dürfte weniger mit dem Fehler von Verbraak als mit der generellen Leistung des Holländers und der Chemie mit dem Skipper zusammenhängen. Dabei hatte Vestas auf der ersten Etappe mit Rang vier eine durchaus ansprechende Leistung gebracht. Verbraak setzte einige positive Akzente bei der Kursführung. Das war mehr als man nach der späten Meldung und ungenügenden Vorbereitung hatte erwarten können.

Dennoch scheint Nicholson auch mit Verbraaks Gesamtleistung nicht besonders zufrieden zu sein. Ob es die Aufarbeitung des Unglücksfalls war? Konnte er nicht ausschließen, dass so ein Aussetzer nicht noch einmal passiert? Wollte der Skipper Schuld von seinen Schultern nehmen? Oder er wurde von den Sponsoren zu einem klaren Zeichen gedrängt?

“Ich bin traurig”

Verbraak sagt auf seiner Facebook Seite: “Ich bin sehr traurig, dass ich nicht mit dem Team Vestas Wind weitermachen werde. Ich respektiere aber die Entscheidung von Chris Nicholson und wünsche dem Team viel, viel Glück bei der harten Arbeit, die jetzt vor ihm liegt.”

Nicholson

Vestas Skipper Chris Nicholson erlebt eine schwere Zeit nach der Strandung mit Vestas. © Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Er freue sich auf die neuen Herausforderungen im Segeln, die vor ihm liegen. “Im Leben geht es nicht darum, wie viele Atemzüge man tut sondern um die Momente, die dir den Atem verschlagen. Ich freue mich auf viele neue solcher Momente. Das Hochseesegeln hält viele davon bereit.”

Keine Chance zur Wiedergutmachung

Damit ist der schwere Karriereknick des 39-Jährigen besiegelt. Ihm wird nicht die Chance gegeben, seinen Fehler wieder auszubügeln. Der aktuelle Brunel Navigator Andrew Cape hatte da mehr Glück. 2009 hatte er beim Volvo-Ocean-Race-Etappe von Marstrand nach Stockholm “Telefonica Blue” auf einen Felsen gesetzt. Aber sein damaliger Skipper Bouwe Bekking hielt zu ihm und segelt heute mit Cape um den Sieg bei dem Um-die-Welt-Rennen.

Mit dem Rauswurf ist die Geschichte von dem im Unglück zusammengeschweißten Team, das zusammen durch dick und dünn geht, kaputt. Als Skipper trägt Nicholson einen großen Teil der Mitverantwortung für das Auflaufen. Aber wenn intern das Vertrauen zum Navigator auch durch andere Entscheidungen gelitten hat, dann war der harte Schnitt wohl nicht zu umgehen.

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Chris Nicholson wirft Navigator Wouter Verbraak raus“

  1. avatar boatsailing sagt:

    “Mit dem Rauswurf ist die Geschichte von dem im Unglück zusammengeschweißten Team, das zusammen durch dick und dünn geht, kaputt.” Aber eine andere Geschichte bietet das gewollte Comeback von Vestas – ohne jede Chance auf einen sportlichen Erfolg – nicht.

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Nachdem Segel-Gau sah es ja zwischenzeitlich nach einen Marketing-Coup aus! Den haben sie jetzt verrissen und somit ist der Doppel-Gau perfekt. Was für eine vergebene Chance!

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  3. avatar Maxi sagt:

    Hallo,

    der vorletzte Absatz stimmt leider so nicht!!!!
    Andrew Cape war im VOR 2009 Navigator auf Puma und nicht auf Telefonica Blue.
    Der verantwortliche Navigator auf Telefonica Blue war Simon Fisher, momentan an Bord von Abu Dhabi Ocean Racing als Navigator.

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  4. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Sehr schade. Menschlich nicht nachvollziehbar.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 5

  5. avatar folke@fh-bertling.de sagt:

    Man weiss ja nicht was sonst so los war, aber ich kann eigentlich nur zustimmen.

    1. Menschlich sehr schade

    2. Marketingmässig auch noch versaut.

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  6. avatar wm sagt:

    Sorry, aber die Neubesetzung dieser Position ist doch nachvollziehbar.

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  7. avatar Arwed sagt:

    Ehrlich gesagt kann ich das nachvollziehen. Kommt für mich auch nicht “völlig überraschend”.
    Der Navigator hat m.E. ein so hohes Standing in einer Crew, quasi die Nummer zwei an Bord, dass man sich an seinem Handeln nicht den geringsten Zweifel leisten kann. Alle seine Aussagen und Entscheidungen würden in Zukunft von der Crew mit einem Misstrauensbonus behaftet sein, ggf. klammheimlich überprüft oder zumindest unterschwellig in Frage gestellt werden. Der gemachte Fehler war, ungeachtet des Spannungsfeldes zwischen Geschwindigkeit, Taktik, Siegeswillen und Erschöpfung der Crew einer Rennjacht für einen Berufssegler nicht akzeptabel. Vertrauen hat in diesem Umfeld ohne Zweifel überragende Bedeutung. Und alle Mitglieder der Crew müssen blind vertrauen dürfen und können.
    Schade für den netten, jungen und ambitionierten Menschen. Respekt vor seinem Mut und der Größe, offen zu seinem Fehler zu stehen. Er wird eine neue Chance bekommen.

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  8. avatar Manfred sagt:

    @ Arwed: sehr gute und überlegte Antwort.
    Warum der Abgang von Vouters marketingmässig schlecht sein soll, weiß ich nicht. Der “Schuldige” muss halt gehen. Sonst ist man doch auch als Unternehmen nicht glaubwürdig. Fliegt ein Flügel ab an der Windkraftanlage wg Falschberechnung, lässt man den Ingenieur doch auch nicht weiter machen.

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