Volvo Ocean Race: Die Logistik. Wie Puma ohne Rigg nach Kapstadt kommt

Diesel statt Truthahn

Unterwegs im Niemandsland. Puma segelt unter Notrigg mit fünf Knoten Richtung Tristan da Cunha. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Ein weiteres Lebenszeichen von Puma. Als das Team um den charismatischen Skipper Ken Read am gestrigen Nachmittag im Rahmen der ersten Etappe des Volvo Ocean Race einen Mastbruch erlitt, herrschte an Bord angesichts der prekären Lage erst einmal Ratlosigkeit.

„Es hat mich viel Zeit und Mühe gekostet um zu folgender Einsicht zu kommen: Beim Offshore- Segeln darf einen nichts überraschen. Gestern hat da keine Ausnahme gemacht,” schreibt Read beim das Internetportal sailinganarchy.com.

Der Amerikaner schildert die Situation an Bord von Puma vor dem Mastbruch als durchweg optimistisch. Bei Durchschnittsgeschwindigkeiten in den unteren 20ern sagte die Routing Software Expedition, die an Bord von Puma zu Einsatz kommt, eine ETA von grade noch 5 Tagen für die verbleibenden 2230 Seemeilen voraus.

Das Puma Team unter Deck. Die Luft ist raus. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Das Team arbeitete fieberhaft an Strategien, den in Führung liegenden Spaniern so viel wie möglich abzunehmen. Einreffen, ausreffen, einreffen, Bordalltag auf einem gut funktionierend Regattaschiff von Ken Read passend zusammengefasst: „We were racing. Racing is great.“

„Das allerletzte, über das ich mir an diesem Tag habe sorgen gemacht, war unser Mast. Dieses Boot sowie sämtliches Equipment wurde gebaut, um zu pushen. Und das haben wir getan. Nichts Extremes aber wir hatten den Fuss auf jeden Fall am Gas.“

Dann kam der Mast. Die genaue Ursache ist noch unklar. Read vermutet, dass ein Fitting im falschen Moment den Geist aufgegeben hat, fügt jedoch nüchtern hinzu: „Es ist immer der falsche Moment.“

Ein wenig Wunschdenken klingt zweifelsfrei mit: der Ersatzmast gleicht 1:1 dem havarierten. Sollte eine strukturelle Schwachstelle den Verlust des Rigs verursacht haben, könnte es eng werden für Puma.

Zwei Segel sind am Stummelmast gesetzt. Aber das Team hofft auf ein Rendezvous mit einem Sprit-Frachter. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Das weiß auch Eric Hall, Präsident von Hall Spars, dem Mastenbauer, der sich für das Puma Rig verantwortlicht zeigt: „Der Verlust des Rigs war eine verheerende Enttäuschung für das Puma Team. Wir arbeiten fieberhaft an der Aufklärung der Ursachen für den Mastbruch.”

Der Mast selbst ist ein Weiterentwicklung des „Telefonica“- Mastes des vergangenen Volvo Ocean Race. Das stehende Gut (EC6+) kommt von Southern Spars. Viel Know- How ist in dieses Rig geflossen. 18 Fuss davon stehen jetzt noch.

„Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um Puma so schnell möglich zurück an die Startlinie zu bekommen“, kommentiert Eric Hall den Stand der Dinge. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Puma Shore Team. Alles, was zum Riggen des Ersatzmastes notwendig ist, wird in Cape Town bereit stehen.“

Und dennoch: Die Zeit drängt. Zurzeit wird der Ersatzmast von Newport, Rhode Island zum nächstgelegenen Flughafen JFK in New York gebracht. Ein nicht ganz unkritisches Unterfangen:

Thanksgiving steht vor der Tür. No Commercial Trucking! Von Donnerstag bis Sonntag transportieren Lastwagen in ganz Amerika nichts, von einer 30 Meter Kohle- Palme ganz zu schweigen.

Für die Männer um Ken Read an Bord „Mar Mostro“ wird es dieses Thanksgiving anstelle des obligatorischen Truthahns Diesel geben. Viel Diesel. Ein Frachtschiff hat Kurs auf die gestutzte Katze genommen, um mit 450 Litern Kraftstoff auszuhelfen.

Zeitgleich macht sich ein zweiter Frachter von Kapstadt auf den Weg zu einem ungewöhnlichen Rendezvous: Im Schutz der Insel Tristan de Cuhuna soll Puma direkt vom bordeigenen Kran des Frachter an Deck gehievt, und zurück nach Kapstadt gebracht werden.

Dabei kann von „Schutz“ nur bei gutem Wetter die Rede sein: Der Hafen von Tristan ist zu flach, die Übernahme von Puma wird also auf offener See erfolgen müssen. Reads Mannen haben wieder Hoffnung. Der Skipper sagt: „Bleibt wachsam und seit nicht überrascht, wenn die große Katze in Cape Town wieder an der Linie aufkreutzt“ Roger That!

avatar
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Die Logistik. Wie Puma ohne Rigg nach Kapstadt kommt“

  1. avatar Alex sagt:

    Sehr schoen geschrieben!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Seven sagt:

    Man kann den Kampfwillen rauslesen! Klingt nicht wie aufgegeben sonder wie herausgefordert.

    …5kn mit abgebrochenen Mast und falschrum gesetzen Segeln…..ich kenn Boote die es heil und gut getrimmt nicht diese Geschwindigkeit erreichen…. 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *