Volvo Ocean Race: Gründe für die Bruchserie. Alinghi Designer Rolf Vrolijk spricht

"Niemand geht mehr vom Gas"

Segler  puschen bis zum Kollaps

Der Mastbruch auf Abu Dhabi auf der ersten Etappe war der erste von vier Rigg-Ausfällen. © Abu Dhabi Team

Sind es also die Segler, die ihre Schiffe zum Kollaps puschen? Tatsächlich ist die Profi-Welt in den vergangenen Jahren enger zusammen gerückt. Es gibt sie nicht mehr, die reinen Hochsee-Spezialisten. 49er-, Match Race-, Einhand- oder Katamaran-Segler geben den Ton an. Sie puschen die Yachten wie bei Wochenend-Rennen um die Tonnen. Fehlt ihnen die Erfahrung oder das Gefühl, den richtigen Zeitpunkt zum Bremsen zu finden?

Vrolijk mag sich dann doch nicht festlegen. “Klar hat sich der Segelstil verändert. Aber die Jungs in den verantwortlichen Positionen sind doch alle schon mehrfach um die Welt gesegelt.” Ohne Frage messen sich beim Volvo Ocean Race die besten Segler der Welt. “Das ist die erste Liga.”

Ein weiteres Erklärungsmodell für die Bruchserie ist die besondere Routenwahl, die so gar nichts mehr mit den klassischen Round the world Races zu tun hat. Das Abklappern der Sponsor-Häfen Abu Dhabi und Sanya erforderte Kurse durch notorische Leichtwindgebiete. Mehrfach mussten die Doldrums durchquert werden.

Das macht die Aufgabe für die Designer besonders schwer. Sie müssen Schiffe entwerfen, die ihr Potenzial im stürmischen Southern Ocean offenbaren als auch in den pazifischen Flautengebieten. Das mag zu Kompromissen geführt haben.

Extrembedingungen nicht zu simulieren

Der Schaden bei Sanya. Die D2 Rigging Diagonale hat sich von der Saling gelöst.

Sanya Skipper Mike Sanderson bestätigt die Annahme, dass die Schiffe leichter geworden sind gegenüber dem Internet-Portal dailysail. Das sei durch neue Regeln erfolgt, die das Kielgewicht auf 7.400 Kilo festlegten. Das gesamte Gewicht der Boote habe bei der Vermessung im Racemodus zwischen 14.000 und 14.500 Kilos betragen dürfen. Also habe man für die Vermessung so viel Ausrüstung wie möglich an Bord geschafft, um dafür den Rumpf möglichst leicht zu bekommen.

Ob das aber wirklich der Grund für die Schäden ist? Vrolijk meint dagegen, die Schiffe seien eher schwerer, als die der letzten Generation, weil sie den Vorschriften des ISO Standards entsprechen mussten. Er glaubt auch nicht, das fehlende Bauqualität als Argument greift.

Bei dieser Auflage des Volvo Ocean Races mag zwar eine Rolle spielen, dass alle Teams relativ spät dran waren, und vielleicht weniger Trainingsmeilen, als üblich im Kielwasser haben. Aber Vrolijk glaubt, dass man Extrembelastungen, wie sie im Southern Ocean vorkamen, nicht bewusst austesten kann. “Man mag ja auch zweimal um die Welt segeln und dennoch nicht bestimmte Boot-Brech-Situationen simuliert bekommen.”

Dennoch glaubt Mike Sanderson, dass die erstmalig limitierte Trainingszeit vor dem Start des Rennens einen negativen Einfluss hatte und wird von seinem Kollegen Ian Walker (Abu Dhabi) bestärkt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Gründe für die Bruchserie. Alinghi Designer Rolf Vrolijk spricht“

  1. avatar Stefan Z sagt:

    Was soll denn eine Einheitsklasse bringen? Sind nicht die Kosten für das Boot selber relativ gering? Von den 20 Mio € sind doch der größte Anteil Personalkosten. Einheitsklasse bedeutet doch auch, dass alle versuchen werden, im Rahmen der Möglichkeiten soviel wie möglich an den Schiffen zu tunen. Dafür braucht man viele schlaue Leute und das kostet…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Schlaufux sagt:

    Ich weiss ja nicht, ob man dem Konstrukteur der drei schnellsten Boote wirklich einen Vorwurf machen kann.
    Rausgefallen Ringschotten und Delamination im nahezu unbelastetem Mittschiffsbereich deuten ja doch eher auf Produktionsmängel hin.
    Ich denke es wird kein weg an einem “nahezu” Einheitsboot vorbeiführen.
    Warum soll man Formel 1 Prototypen im Südpolarmeer testen ?!
    Das kann Leben kosten.

    Die Aussage, dass die Offshore-Profis (auf Mehrrümpfern) Tiefdruckgebieten ausweichen ist dummes Zeug.
    Selbst beim letzten VOR haben die Teams Tiefs gesucht und waren in der Lage im Südpolarmeer auf den Sturmfronten mitzufahren. Ansonsten sind die Durchschnittsgeschwindigkeiten nicht machbar.
    Neu sind ja nur die “Sponsoretappen” seit der letzten Edition.
    Ken Read meinte letzte Ausgabe dazu “das ist wie mit nem Formel1 Auto in der 30-Zone”.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 9

    • avatar Wilfried sagt:

      man muß die Aussagen auch lesen. Dort steht nicht das Tiefdruckgebieten ausgewichen wird sondern Extremwetter ausgewichen wird. das ist etwas völlig anderes. Fast niemand von uns kann auch nur im Ansatz beurteilen was schief gelaufen ist.

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  3. avatar Hansjörg Neun sagt:

    Super Beitrag, jedoch müßte der Titel heißen: “Niemend geht mehr vom Gas” oder “Niemand geht mehr auf die Bremse”.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  4. avatar HENK sagt:

    *klugschei…* Volvo ist schon ein Weilchen chinesisch ….

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