Volvo Ocean Race: Gründe für die Bruchserie. Alinghi Designer Rolf Vrolijk spricht

"Niemand geht mehr vom Gas"

Limitierte Testzeit erlaubt

Der abgebrochene Kohlefaserstumpf vom Sanya-Ruderschaft. © AndrÃes Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

“Es gab keine Einschränkungen für das Einsetzen jüngster Entwicklungen, aber man durfte sie nur limitiert testen.” Das sollte Kosten sparen, habe möglicherweise großen Einfluss auf die Probleme mit den Riggs gehabt. Drei Masten sind gebrochen und Sanya musste mit einem gerissenen Want aufgeben.

Rigg-Experte Hasso Hoffmeister vom Germanischen Lloyd in Hamburg bestätigt gegenüber SegelReporter, dass in den vergangenen zwei Jahren ein relativ großer Umbruch beim Rigging von PBO-Material zu Kohlefaser Stangen erfolgt ist.

“Beim Bau der Masten kann man nicht mehr viel falsch machen”, sagt Hoffmeister. Die Fertigungstechnik für die Kohlefaserrohre sei ausgereift. Probleme hätten die Wanten bereitet. Das sogenannte Discontinuous Rigging mit verschiedenen aneinander gefügten Want-Abschnitten sei dem Continuous-Rigg gewichen.

Der Mast wird seitlich von durchgehenden Kohle-Strängen gehalten, die sich im Saling-Bereich aufsplitten. “Kritisch sind die Belastungen an den Y-Splits.” Ein Bruch an dieser Stelle hat auf der ersten Etappe das Abu Dhabi Rigg von oben kommen lassen und es war auch der Grund für die Renn-Aufgabe von Sanya. Bei Puma und Groupama werden ähnliche Probleme vermutet.

Neue Rigging-Methode

Das Gute an der neuen Rigging-Methode sei, dass Karbon keine Ermüdungserscheinungen zeige.  Allerdings sei der Transport der langen Stangen schwierig. Außerdem werden die Konstruktionen für Belastungen bei verschiedenen Winkeln ausgelegt. Bei den extremen Stampf-Bedingungen werden die Winkel aber nicht immer eingehalten. So ist der Bruch des Diagonal-Wants auf Sanya in Lee erfolgt.

Möglicherweise haben auch hohe Kompressionen auf dem Rigg durch das heftige Einsetzen in der Welle zum Kollaps geführt. In diesem Bereich seien die Belastungsspitzen sehr schwer zu berechnen.

Das Sanya-Problem beim Y-Split des Diagonal-Wants trat in Lee auf.

Mike Sanderson sagt, alle Composite-Rigg-Hersteller hätten bisher bei diesem Rennen Probleme gehabt. Vielleicht müsse man da einfach durch. Als die ersten Riggs mit Rundstäbe aus rostfreiem Stahl (Rod-Rigg) auf den Markt kamen, seien auch viele Masten umgefallen.

Und was nun? “Entweder muss der technische Ansatz deutlich konservativer werden, oder man darf sie vor dem Rennen deutlich länger austesten. Ich weiß auch nicht, was nun richtig ist.”

Pläne für den Volvo Einheitsracer?

Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass sich die Veranstalter ernsthafte Gedanken machen einen Weg im One-Design Bereich zu suchen. Das würde die Kosten für die Teams senken und ein weiteres großes Problem des Volvo Ocean Races verringern, die bei einem seriösen Syndikat über 20 Millionen Euro liegen. Es sollten mehr Teams an der Startlinie erscheinen.

Ob es tatsächlich so weit kommt, bleibt abzuwarten. Einheitsboote würden auch die spannende Konstruktions-Fassette aus dem Rennen nehmen. Wenn allerdings schon jetzt drei Yachten aus der gleichen Feder von Juan K stammen, ist der Weg zum One Design nicht mehr weit.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Gründe für die Bruchserie. Alinghi Designer Rolf Vrolijk spricht“

  1. avatar Stefan Z sagt:

    Was soll denn eine Einheitsklasse bringen? Sind nicht die Kosten für das Boot selber relativ gering? Von den 20 Mio € sind doch der größte Anteil Personalkosten. Einheitsklasse bedeutet doch auch, dass alle versuchen werden, im Rahmen der Möglichkeiten soviel wie möglich an den Schiffen zu tunen. Dafür braucht man viele schlaue Leute und das kostet…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Schlaufux sagt:

    Ich weiss ja nicht, ob man dem Konstrukteur der drei schnellsten Boote wirklich einen Vorwurf machen kann.
    Rausgefallen Ringschotten und Delamination im nahezu unbelastetem Mittschiffsbereich deuten ja doch eher auf Produktionsmängel hin.
    Ich denke es wird kein weg an einem “nahezu” Einheitsboot vorbeiführen.
    Warum soll man Formel 1 Prototypen im Südpolarmeer testen ?!
    Das kann Leben kosten.

    Die Aussage, dass die Offshore-Profis (auf Mehrrümpfern) Tiefdruckgebieten ausweichen ist dummes Zeug.
    Selbst beim letzten VOR haben die Teams Tiefs gesucht und waren in der Lage im Südpolarmeer auf den Sturmfronten mitzufahren. Ansonsten sind die Durchschnittsgeschwindigkeiten nicht machbar.
    Neu sind ja nur die “Sponsoretappen” seit der letzten Edition.
    Ken Read meinte letzte Ausgabe dazu “das ist wie mit nem Formel1 Auto in der 30-Zone”.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 9

    • avatar Wilfried sagt:

      man muß die Aussagen auch lesen. Dort steht nicht das Tiefdruckgebieten ausgewichen wird sondern Extremwetter ausgewichen wird. das ist etwas völlig anderes. Fast niemand von uns kann auch nur im Ansatz beurteilen was schief gelaufen ist.

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  3. avatar Hansjörg Neun sagt:

    Super Beitrag, jedoch müßte der Titel heißen: “Niemend geht mehr vom Gas” oder “Niemand geht mehr auf die Bremse”.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  4. avatar HENK sagt:

    *klugschei…* Volvo ist schon ein Weilchen chinesisch ….

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