Volvo Ocean Race: Mapfre gewinnt die zweite Etappe – spannender Dreikampf am Ende

Sieg unter dem Tafelberg

Das spanische Mapfre Team ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat die zweite Etappe des Volvo Ocean Races gewonnen. Eine fehlerlose Vorstellung verhalf zum souveränen Sieg. Aber dahinter ist es spannend.

Mapfre vor dem Ziel am Tafelberg © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Der spanische Volvo Ocean Race Skipper Xabi Fernandez hat mit seinem Mapfre Team alle Zweifel zerstreut, dass er nach seinem Einsatz beim America’s Cup (BAR-Team) dem Um-die-Welt-Rennen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt haben könnte. Während der ex 49er Olympiasieger bei Ainslies Cup-Team in Bermuda eher in der zweiten Reihe stand, hat er offenbar bei der Vorbereitung des Hochseerennens aus dem Hintergrund die richtigen Fäden ziehen können.

Jedenfalls zeigte sein Team bei der längsten Etappe des Rennens die abgeklärteste Leistung und segelte mit einem Vorsprung von mehr als 40 Meilen ins Ziel. Fernandez sagt im Hafen unter dem Tafelberg: “Das werden wir auf allen weiteren Etappen sehen: Super enge Rennen, jeder hat guten Speed und kleine Fehler sind sehr teuer. Diesmal hatten wir das Glück, die wenigsten Fehler zu machen, und deshalb haben wir gewonnen.”

Mapfre

Mapfre kämpft sich nach Kapstadt. Drohnenaufnahme. © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Fernandez nimmt die typische Understatement-Rolle des souveränen Siegers ein. Denn von gleichem Speed aller Teams kann nicht die Rede sein. Die Etappe hat deutlich gemacht, wie viel schneller die Spanier und Dongfeng gegenüber ihren Gegnern sind.

Dongfengs entscheidender Fehler

Besonders bei langen, harten Raumschots-Passagen segelten die beiden Favoriten in ihrer eigenen Speed-Welt. Dabei hatte eigentlich Donfeng die besseren Karten. Fast die Hälfte der Etappe segelte Mapfre den Trainingspartnern hinterher. Aber dann machten die unter chinesischer Flagge fahrenden Franzosen den entscheidenden Fehler: 25 Meilen achteraus halste Mapfre gen Südwesten weg vom Kurs Richtung Kapstadt und Charles Caudrelier deckte nicht.

Dongfeng

Dongfeng beim Zieldurchgang. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Schlimmer noch: Er rutschte stattdessen in ein Schwachwindgebiet und reihte sich erst gut 50 Meilen hinter den Spaniern auf Platz vier wieder ein. Erstaunlich, dass so eine Missinterpretation der Wetterdaten in heutigen Zeiten mit der modernen Informationstechnik noch möglich ist.

Danach war der Weg frei für Fernandez und seinen Navigator Juan Vila, dessen Namen eigentlich mit dem Alinghi-Sieg beim America’s Cup 2007 verbunden ist, der aber schon 2002 mit Illbruck das Volvo Ocean Race gewonnen hat.

Mapfre segelte genau 7,886.5 Meilen über Grund  und kam dabei auf einen Durchschnitt-Speed von 17.3 Knoten. Die Spanier sichern sich auch den Bonus-Punkt, der bei jedem Etappensieg vergeben wird und übernehmen nach Rang zwei bei der ersten Etappe souverän die Tabellenführung.

Frustrierter Bekking

Dahinter sichert sich nach einer ungeheuren Energieleistung doch noch Dongfeng den zweiten Platz vor Vestas, den Überraschungssiegern der ersten Etappe. Eine weitere Enttäuschung erlebt Brunel mit Rang vier. Nach guten Ansätzen fehlte beim finalen Power Reach Richtung Kapstadt deutlich der Speed.

Und auch das Spiel mit dem Stealth Mode ging ziemlich in die Hose. Bekking wechselte aus einer südlichen Position kaum elf Meilen hinter Mapfre auf Platz zwei heimlich auf eine nördlichere Kurslinie, fand sich dann aber 30 Meilen achteraus auf Rang vier wieder. Danach war das gelbe Boot mit America’s Cup Sieger Peter Burling an Bord erschreckend langsam. Auf parallelem gingen gut 100 Meilen auf die direkten Gegner um das Podium verloren.

Der Zweikampf zwischen Turn The Tide und AkzoNobel. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Extrem frustrierend verläuft die Etappe auch nach wie vor für AkzoNobel. Das Chaos-Team konnte teilweise in der Spitze mithalten und schien die Erfahrung von Chris Nicholson nutzen zu können, aber schließlich zeigte sich, dass auch der Australier keine Wunder verbringen kann.

Plötzlich fiel das blaue Boot nach dem Verpassen einer Front auf den letzten Rang zurück noch hinter den deutlich achteraus segelnden Teams von Scallywag und Turn the Tide zurück. Beide nutzten diese Etappe, um beim Two-Boat-Testing Speed-Defizite auszugleichen, die man normalerweise im Training behebt. Aber hier rächt sich jeweils die fehlende Vorbereitungszeit.

AkzoNobel müht sich nun, im spannenden Dreikampf, den Schaden in Grenzen zu halten. Wenn das nicht klappen sollte, wird es nicht gerade einfacher, auf diesem Schiff eine positive Stimmung zu erzeugen.

Live Berichterstattung von den Zieldurchgängen

Volvo Ocean Race Tracker

Leg 2 – provisorische Ergebnisse als Mapfre im Ziel ist

1. MAPFRE — FINISHED — 15:10.33 UTC – 19 days, 01 hour, 10 minutes, 33 seconds
2. Dongfeng Race Team +37.2 nautical miles
3. Vestas 11th Hour Racing +62.1
4. Team Brunel +131.6
5. team AkzoNobel +447.1
6. Turn the Tide on Plastic +449.4
7. Sun Hung Kai/Scallywag +451.3

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Mapfre gewinnt die zweite Etappe – spannender Dreikampf am Ende“

  1. avatar TCW sagt:

    Ich verfolge das Volvo Ocean Race ja gerne und mit Begeisterung. Aber gerne würde ich auch mal ein Format sehen, bei dem die Protagonisten ohne detaillierten Zugang zu Wetterdaten auskommen müssten. D.h. vielleicht nur eine Isobarenwetterkarte einmal am Tag. Mit der permanenten Versorgung mit Grib-Files, fahren alle immer ihren Wetterprogrammen hinterher.

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