Volvo Ocean Race: Mapfre gewinnt in der Heimat – Die Favoriten und ihre Frauen-Strategien

Prognosen nach dem Prolog

Das spanische Mapfre Team ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat nach den ersten Vorregatten auch den Prolog gewonnen. Ein anderes Spitzenteam strauchelte.

Gut zwei Wochen vor dem Start der ersten Etappe des Volvo Ocean Races sollte der Prolog von Lissabon nach Alicante besonders den spät gemeldeten Teams noch einmal die Möglichkeit geben, zur Konkurrenz aufzuschließen.

Die nicht zählende Zubringer-Regatta schloss sich an das Leg Zero an, in dessen Rahmen die sieben Yachten ebenfalls auf vier Etappen – inklusive dem Fastnet Race – gegeneinander angetreten waren. Diese Rennserie war ein wichtiges Argument für die Akquise potenzieller Teams. Sie erlaubte – zumindest theoretisch – neuen und spät in die Vorbereitung gestarteten Crews eine Chance zum Aufholen. Schließlich legen die erfahrenen Teams Dongfeng, Mapfre und Brunel, die schon bei der vergangene Volvo-Ocean-Race-Auflage mit den neuen VO65 Onedesign Yachten stark gesegelt sind, die Latte sehr hoch.

Viel Flaute, wenig Informationen

Insofern war es für die Neuen nicht hilfreich, dass der Prolog so untypisch flaue Bedingungen aufwies. Es musste sogar eine Bahnverkürzung erfolgen. So viel Leichtwind wird auf den kommenden Etappen, bei denen die langen, harten Southern-Ocean-Strecken höher bewertet werden, nicht erwartet. Und die nun nutzbaren gesammelten Erfahrungen in Bezug auf Speed und Segelwahl dürften sich in Grenzen halten.

Skipper Fernandez freut sich über den Prolog-Sieg in seiner Heimat. © Volvo Ocean Race

Dazu trug auch der Verlauf der Langstrecke bei. Denn Mapfre und Brunel segelten nach ihrem Split an der Spitze schnell außer Reichweite für den Rest des Feldes. Beide Teams bestätigen damit ihre Favoritenrolle und es ist auch keine Überraschung, dass Mapfre den direkten Zweikampf gegen die Holländer gewann.

Die Spanier zählen zusammen mit Dongfeng zu den beiden Top-Favoriten. Sie haben am meisten trainiert – zueltzt oft sogar zusammen – und verfügen über das vermeintlich beste Personal. Dongfeng führt gleich 12 Segler im Team um Tausch-Optionen zu haben. Den Prolog segelte die französisch geprägte Mannschaft wie die meisten zu neunt mit zwei Frauen. Dsd enttäuschende Prolog-Ergebnis auf Rang sechs mag noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Aber er zeigt, wie eng die Teams auf den Onedesign-Yachten zusammenliegen.

Bekking ist spät dran

2015-Sieger Ian Walker führt auf seiner persönlichen Prognose-Liste dahinter Brunel auf Rang drei, da Bouwe Bekking sein Team erst spät zusammengetrommelt hat und wenig üben konnte. Immerhin gelang es ihm noch Peter Burling (NZL, 26), Oracle Wing-Trimmer Kyle Langford (AUS, 28) und mit Carlo Huisman (NED, 26), den jüngsten America’s Cup Segler (Team New Zealand) zu rekrutieren. Brunel mag mit diesem U-30-Personal über die besten Entwicklungsmöglichkeiten verfügen.

Mapfre

Viel Flaute beim Prolog. © Volvo Ocean Race

Eigentlich sollte das AkzoNobel Team um Skandal-Skipper Simeon Tienpont  als Top-Favorit ins Rennen gehen. Es meldete zuerst, darf das einzige neue Boot segeln und schien viel Trainingszeit investieren zu können. Aber Insider Walker bezeichnet die Anfangsphase vorsichtig als “desorganisiert”.

Dahinter sieht er eine Dreiergruppe mit wenig Chancen. Vestas wird zwar von Charlie Enright geskippert, der zusammen mit Kumpel Mark Towill das Team Alvimedica beim vergangenen VOR zu Einzelerfolgen führte, und es gelang, den 2015-Sieg-Navigator Simon Fisher zu rekrutieren, aber die Leistung bei den Vorregatten war sehr ernüchternd.

Frauen-Gegner Witt?

Das gilt insbesondere auch für Team Sun Hung Kai/Scallywag und den australischen Skipper David Witt, der vor 20 Jahren zuletzt beim Volvo Ocean Race gestartet ist und sich seitdem auf das Sydney Hobart Race konzentriert hat. Beim Prolog konnte er anfangs gut mithalten und führte die Gruppe im Süden an. Aber dann wurde das unter der Flagge von Hong Kong startende Schiff vor Gibraltar doch bis auf den letzten Platz durchgereicht.

Peter Burling am Steuer von Brunel

Olympia- und AC-Sieger Peter Burling am Steuer von Brunel © Rich Edwards/Volvo Ocean Race.

Blair Tuke

Olympia- und AC-Sieger Blair Tuke auf Mapfre. © Volvo Ocean Race

Witt machte Schlagzeilen als Frauen-Gegner, weil es so schien als wolle er als einziger Skipper auf weibliche Begleitung verzichten und lieber nu zu siebt segeln. Inzwischen sagt er aber, das sei nie der Plan gewesen, und seine Bemerkungen seien aus dem Zusammenhang gerissen.

Allerdings hat es bei ihm im Unterschied zu den Gegnern nur eine Frau ins Team geschafft. Die Dreifach-Olympionikin und Silber-Gewinnerin 2008 Annemieke Bes aus Holland wechselte nach Unstimmigkeiten mit den Landsleuten auf AkzoNobel auf die Yacht aus HongKong.

Hinter den Neulingen wird nur noch die zuletzt gemeldete Crew von Turn The Tide on Plastic mit Skipperin Dee Caffari erwartet. Die Britin, die zuletzt das SCA-Frauen-Team um die Welt führte, schöpft das Mixed-Potezial der neuen Regel voll aus und segelt mit fünf Frauen und fünf Männern. Die Mehrzahl der Crew ist jünger als 30 Jahre und reichlich unerfahren. Aber Platz vier beim Prolog zeigt, dass mit den Onedesign Yachten viele verschiebungen möglich sind.

Ergebnisse – Prolog

1. MAPFRE (ESP), Xabi Fernández (ESP)
2. Team Brunel (NED), Bouwe Bekking (NED)
3. Team AkzoNobel (NED), Simeon Tienpont (NED)
4. Turn the Tide on Plastic (POR), Dee Caffari (GBR)
5. Vestas 11th Hour Racing (DEN/USA), Charlie Enright (USA)
6. Dongfeng Race Team (CHN), Charles Caudrelier (FRA)
7. Team Sun Hung Kai/Scallywag (HKG), David Witt (AUS)

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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