Volvo Ocean Race: Mapfre stellt Dongfeng eine Falle – Brunel mit kapitalem Fehler

"Haken dran"

Die In-Port-Serie beim Volvo Ocean Race ist vor Göteborg entschieden. Sie war oft eine Farce und hätte fast eine Rolle gespielt, die ihr nicht zugedacht war. Aber Mapfre setzte wieder einmal ein psychologisches Ausrufezeichen.

Vor mehr als zehn Jahren war die Erfindung der Import-Races eine bahnbrechende Idee der Volvo-Ocean-Race-Macher. Sie machte es einfacher, zahlende Etappenziel-Gastgeber zu finden, weil diese den Zuschauern vor Ort attraktiven Sport bieten konnten. Damit die Teams diese Rennen auch ernst nehmen, machten beim Volvo Ocean Race 2005/06 die Zähler aus den In-Port-Wertung gleich 20 Prozent der Gesamtpunktzahl aus.

Die Teams reagierten auf diese neue Gewichtung, indem sie Spezialisten für Kurzrennen in ihre Crew aufnahmen, häufig mit olympischem Hintergrund. Das hatte den Nebeneffekt, dass der Regatta mehr Promi-Namen zugeführt wurden. Aber danach war man sich einig, dass die Gewichtung der “Hafen-Rennen” zu groß war im Vergleich zu einer harten Kap-Hoorn-Etappe.

Volvo Ocean Race Inport

Prozession beim Inport Race in Göteborg. © Jesus Renedo / Volvo Ocean Race

Denn die Kurse unter Land gerieten oft zur Farce. Der Platz vor dem Event-Gelände reichte meist nicht aus für einen taktisch hochwertigen Up-and-Down-Kurs gegen den Wind. Und die Zeitpläne sahen keine Startverschiebung vor. Wenn Hochsee-Renner bei Flaute über einen Mini-Parcours treiben, ist dem Laien-Zuschauer das Motto “Life at the Extreme” nicht zu vermitteln.

Folgerichtig wurde die Bedeutung der Rennserie wieder abgewertet. Das Ergebnis zählt seit der vergangenen Regatta nur noch für die Auflösung eines Gleichstandes – ein unwahrscheinliches Szenario nach elf Etappen. Aber in diesem Jahr deutete plötzlich viel  darauf hin, das das Volvo Ocean Race tatsächlich durch die Inport-Serie entschieden werden könnte.

Unattraktiver Hin-und-Her-Kurs

Es wäre ein Jammer gewesen. Das hat das Inport-Rennen vor Göteborg am Wochenende noch einmal deutlich gemacht. Im Schlauch vor dem schwedischen Hafen war nur ein unattraktiver Hin-und-Her-Kurs ohne Überholspuren möglich. Und eigentlich wäre das Rennen allein durch den Start entschieden gewesen.

Volvo Ocean Race Inport

Brunel hält mit zu kleinem Vorsegel die gesamte Flotte auf. © Jesus Renedo / Volvo Ocean Race

Den erwischte Brunel perfekt mit einem starken Timing zur Linie und maximalem Speed. Bouwe Bekking profitierte aber davon, dass Mapfre eine vordere Platzierung in diesem vorletzten Inport-Race herzlich egal war. Xabi Fernandez Plan war es, diese Gesamtwertung für sich schon vor dem Finale zu entscheiden, und dafür musste er einfach nur einen Punkt mehr als Dongfeng einfahren.

“Eigentlich haben wir geplant, dafür unser eigenes Rennen zu segeln”, sagt der spanische Skipper. Aber dann sah er doch die Möglichkeit, den Konkurrenten schnell zu distanzieren. “Unser Start lief nicht so gut. Deshalb entschieden wir uns Dongfeng hochzuluven und uns die Serie zu sichern.”

Wie ein Schuljunge in die Falle gelaufen

Charles Caudrelier lief wie ein Schuljunge in die Falle, die das Mapfre Team ihm stellte. Er geriet in die Luvposition rollte das große Code Zero Vorsegel aus, erkannte aber nicht, dass die Spanier nur das kleine Segel gesetzt hatten. Damit konnten sie höher luven, während Dongfeng mit flatterndem Vorsegel warten musste, bis Mapfre den Weg frei machte. Eine demütigende Position. Beide Boote starteten auf den letzten beiden Plätzen.

Volvo Ocean Race Inport

Das Ranking nach dem Start. Brunel führt, die beiden roten Boote duellieren sich am Tampen. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

“Wir haben einen Haken dran gemacht”, sagt Fernandez und meint die Sicherung der Gesamtwertung beim Inport-Race noch vor dem letzten Rennen in Den Haag. Das Manöver zeigt, wie überlegen das spanische Team bei solchen engen Situationen ist. Es segelte sogar noch auf Rang drei vor, während Dongfeng auf dem letzten Platz verblieb.

Diese Aufholjagd vor Göteborg war aber nur möglich, weil Brunel einen erstaunlichen Fehler machte. Nach dem starken Start von Peter Burling am Steuer führte das gelbe Boot die Prozession um die Tonnen an und hätte keine Probleme haben sollen, dieses Rennen für sich zu entscheiden. Aber an einer Wendemarke entschied sich Skipper Bekking für das falsche, zu kleine Vorsegel. 

Bewusst abgeschenkt?

Ob der Winkel zum Wind falsch eingeschätzt wurde, der Wind drehte oder Bekking das Rennen abschenkte, um die psychologisch starke Underdog-Position zu behalten, ist nicht klar. Jedenfalls hielt das holländische Boot den gesamten Verkehr auf, weil es zuerst niemand schaffte, seinen Windschatten zu durchbrechen. So kamen die hinteren Boote auf, schoben sich an der nächsten Marke in die Innenposition und besonders die zuvor zweitplazierte Scallywag fiel unglücklich bis auf den fünften Platz zurück.

Damit könnte für David Witt diese Inport-Wertung noch einmal ein größeres Gewicht bekommen. Denn er liegt dabei nur noch drei Punkte vor Turn The Tide und in der Gesamtwertung einen Punkt vor den ärgsten Gegnern im Kampf um die Vermeidung des letzten Platzes. Kommt er beim Finale direkt hinter Dee Caffari ins Ziel, so würde die Inport-Wertung entscheiden. Dann müsste er in Den Haag beim letzten Rennen den drei-Punkte-Vorsprung sichern.

Aber das ist nur einen Nebenkriegsschauplatz. Am 21. Juni startet der große Showdown zwischen den punktgleichen Topp-Drei um den Gesamtsieg. Und Gott sei Dank wird es keinen Gleichstand geben, über den die Inshore-Serie entscheidet. Für Mapfre bleibt es ein Phyrrus-Sieg. Er mag psychologisch seine Bedeutung haben, aber mehr auch nicht.

Volvo Ocean Race In-Port Race Series Points Table:

1. MAPFRE – 61 points – winner of the In-Port Race Series
2. Dongfeng Race Team – 50 points
3. team AkzoNobel – 45 points
4. Team Brunel – 43 points
5. Vestas 11th Hour Racing – 33 points
6. Sun Hung Kai / Scallywag – 24 points
7. Turn the Tide on Plastic – 21 points

Volvo Ocean Race Overall Points Leaderboard after Leg 10:

1. MAPFRE – 65 points
2. Team Brunel – 65 points
3. Dongfeng Race Team – 64 points*
4. team AkzoNobel – 53 points
5. Vestas 11th Hour Racing – 38 points
6. SHK / Scallywag – 30 points
7. Turn the Tide on Plastic – 29 points

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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