Volvo Ocean Race: Nicholson und Verbraak mit weiteren Details – Neubau möglich

Der "schlimmste Moment"

Vestas auf dem Riff. © Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Vestas auf dem Riff. © Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Bei einer telefonischen Pressekonferenz in Abu Dhabi beantworten Wouter Verbraak und Chris Nicholson weitere Fragen zum Vestas Unglück beim Volvo Ocean Race. Neubau ist eine Option.

Skipper Nicholson erklärt, dass wie er sich mit seinem Navigator über das nahende Flach ausgetauscht hat. So erwartete er bei der extremen Verringerung der Tiefe durch den Unterwasser-Berg von gut 3000 auf 40 Metern eine mögliche Veränderung des Wellenstatus. Die Strömung sei vernachlässigbar gewesen.

Nicht weit genug gezoomt

Diese Erwartung des veränderten Wellengangs sei sogar der Crew mitgeteilt worden. Die Tiefe von 40 Metern habe kein Kopfzerbrechen bereitet meint Verbraak. Er bestätigt noch einmal, dass er nicht weit genug gezoomt hat und das Riff deshalb nicht entdeckte.

Vestas Wrack

Das zerstörte Heck. Die Ruder sind herausgerissen. Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

“Uns ist es noch nicht gelungen, die Computer zum Laufen zu bringen, um den Vorfall rekonstruieren zu können. Aber wir werden das noch hinbekommen, weil wir genau sehen möchten, was passiert ist.”

In den Tagen zuvor seien sie öfter über solche Unterwasser-Gebirge gesegelt. Und der Wellengang habe sich wegen der Stürme verstärkt. Aber der Effekt war nicht so groß wie befürchtet. Deshalb seien die 40 Meter eigentlich auch eine sichere Tiefe gewesen.

Chris Nicholson wurde gefragt, ob die Crew ernsthaft in Gefahr gewesen sei. Und er lässt das Geschehnis noch einmal Revue passieren. Klar seien sie in Gefahr gewesen, seit dem Zeitpunkt, als die Yacht den Felsen traf. Das Schiff drehte sich sofort um 180 Grad und dabei brachen die Ruder wie auch das Schwert ab. “Wir steckten zwischen den brechenden Wellen.”

Das Schlimmste befürchtet

Er hab ja nicht gewusst, dass es nebenan auf der anderen Seite des Riffs eine relativ sichere Lagune gebe. “Meine ersten Gedanken richteten sich auf das offensichtlich Schlimmste. Wir mussten die Rennzentrale informieren. Es gab hundert Jobs gleichzeitig zu erledigen.”

Die wasserdichten Schotts mussten gesichert, die Überlebensanzüge und persönlichen Funk-Sender angezogen und die Rettungsinseln bereit gelegt werden. “Dabei war es bemerkenswert, wie relativ gelassen die gesamte Crew in der Situation reagierte.”

Verbraak sagt: “Wir haben einen schweren Fehler gemacht. Aber die gute Nachricht ist, dass wir danach keine weiteren begingen.” Oft folge in solchen Situationen ein Fehler auf den nächsten und wie nach dem Schneeballsystem wird die Situation dann immer gefährlicher. Die Zusammenarbeit und das Training sei sehr effektiv gewesen.

“Auch wenn es der schlimmste Moment in meiner Segelkarriere war, so war es auch einer der besten.”  Das Team-Erlebnis in dieser schwierigen Situation sei unglaublich gewesen insbesondere die Atmosphäre. Damit bezieht er sich wohl auf das Ausbleiben von Vorwürfen an seine Person, die in einem schwächeren Team sicher zu schweren Zerwürfnissen geführt hätten.

Plan für die Bergung

Zum weiteren Vorgehen erklärt Volvo Ocean Race Chef Knut Frostad, dass sein Team zusammen mit dem Sponsor Vestas Wind und den Versicherern des Bootes nach wie vor an einem Plan für die Bergung der Yacht arbeiten. Dabei gehe es besonders darum, keine Belastung für die Umwelt darzustellen. Das Boot werde aber sicher entfernt werden, entweder “in seiner jetzigen, oder in einer anderen Form”.

Morten Albaek von Vestas bekräftigte, dass er Chris Nicholson als Skipper nach wie vor vollkommen vertraue und er natürlich in seiner Position verbleibe. Es sei ein klares Ziel, das Team wieder auf das Wasser zu bringen. Wenn die Untersuchungen ergeben, dass das Boot nicht repariert werden könne, dann werde auch die Option geprüft, ein neues Schiff bauen zu lassen.

Albaek verweist darauf, dass der Vorfall nichts mit der sehr späten Meldung des Teams und der daraus resultierenden geringen Vorbereitung zu tun habe. “Wouter hat schon festgestellt, dass es ein menschlicher Fehler war.”

Yacht ist versichert

Knut Frostad bestätigte, dass die VO65 Yacht von Vestas nicht gekauft sondern nur geleast wurde. “Wenn das Boot nicht repariert werden kann und eine neues in Auftrag gegeben wird, werden wir über die Struktur der Besitzverhältnisse sprechen.”

Albaek erklärt, dass der Unfall keine finanziellen Konsequenzen für Vestas, als Sponsor hat. Das Boot sei versichert, und das Unglück habe keine Auswirkungen auf das Budget für das Rennteam, wenn die Möglichkeit bestehe, wieder in das Rennen einzusteigen. Auch der Sponsor Partner Powerhouse sei sehr daran interessiert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Team weitersegeln zu lassen.

Chris Nicholson sagt, es sei erstaunlich, dass es tatsächlich einen Hoffnungsschimmer gebe, doch noch das Rennen wieder aufnehmen zu können. Dafür werden jedenfalls alle im Team so hart arbeiten wie sie nur können.

Die Entscheidung soll vor dem Start der dritten Etappe fallen. Es sei eine sehr große Herausforderung, diese Geschichte tatsächlich real werden zu lassen, betonte Albaek.

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Carsten Kemmling

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16 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Nicholson und Verbraak mit weiteren Details – Neubau möglich“

  1. avatar Chris sagt:

    Es sind diese beinahe epischen Sternstunden, die unseren Sport auszeichnen. Ein Fehler ist gemacht worden, aber jetzt wird sachlich, klar und lösungsorientiert daran gearbeitet, diesen wieder zu beheben.

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  2. avatar dubblebubble sagt:

    Scandinavian Way of Life?

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  3. avatar Chenninge sagt:

    Die Sponsoren haben Chance eine großartige Geschichte zu schreiben! Selbst wenn sie das Budget nochmal erhöhen müssen wäre es wohl sehr kurzsichtig, sich zurückzuziehen. All inn!

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  4. avatar wm sagt:

    Wann war denn die epische Sternstunde? Falls diese noch kommt – bitte umgehend melden!!!

    Ich glaube ja fest daran dass Vestas mit Foils und etwas mehr Boatspeed locker über den Sandhaufen gekommen wäre.

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    • avatar Heini sagt:

      Allerdings! Das nachträgliche Heroisieren eines der dümmsten Unfälle des Segelsports nimmt etwas überhand.

      Kinder, zurück zur Schule und Zoomen lernen!

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  5. avatar Teamgeist sagt:

    Was ich so faszinierend finde ist, das Team Vestas ein wirkliches Team ist und an einem strang zieht. ein herr martinez ist da z.b das komplette gegenteil, kaum läuft mal was nicht nach seiner nase wird kurzerhand entlassen… ich hätte gerne mal gesehen wie er sich verhalten hätte in nicholsons position.
    Von Mapfre hört man ja übrigens auch nichts mehr… was ist denn da los?

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  6. avatar pjotr sagt:

    “abgrundtiefe dummheit” b.schenk zitat. dem kann ich leider nix hinzufügen. der hat aber auch wahrscheinlich keine so guten kontakte in die “szene” oder an die “front” wie segelreporter und kann deshalb wahrscheinlich das einfach mal so sagen wie das bestimmt viele denken.

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    • avatar Heini sagt:

      Bin Schenk gegenüber sonst immer sehr kritisch. Aber diesmal Daumen hoch. Wer es noch nicht kennt:

      http://www.yacht.de/schenk/n004/inwind35.html

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      • avatar Kluchschieter sagt:

        Sorry, ich kann den selbstgefälligen Schenk auch nicht leiden.
        Das was er da runter salbadert – so weit waren doch alle schon. Es war ein Riesenfehler des Navigators und gut. Da nützt es nichts alles nochmal in andere Worte zu kleiden.
        Ja, natürlich hat er recht, aber für mich hat es etwas von ‘Nachtreten’.

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      • avatar hanswurst sagt:

        In meinen Augen ist der Schenk ein absoluter Idiot! Der labert da einen ab was zu tun ist etc. und ist dabei nicht mal auf dem neusten Stand was die von Vestas etc. veröffentlichten Informationen angeht. An seinem Text merkt man, dass der nicht die geringste Ahnung hat was auf so einer Karre abgeht und versucht die Vorhergehensweisen auf seinem Wurstwagen, wenn er mit 3kn irgendwo rumeiert zu übertragen. Das bei Vestas Fehler gemacht wurden will ich gar nicht bestreiten, aber Schenk kann seine Meinung seinem Friseur erzählen…

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    • avatar Heinrich sagt:

      Der Kommentar von Herrn Schenk zeigt einfach nur, dass man sich ab einem gewissen Alter mit öffentlichen Statements wohl besser zurückhalten sollte.

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  7. avatar T.K. sagt:

    Schenk ist doch der Segelerpapst!
    Und Päpste sind allgemein unfehlbar!

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  8. avatar prospero sagt:

    Was haben denn hier alle? Schenk hat doch leider Recht. Und Verbraak war voll auf Speed, anders kann man diesen unvorstellbaren Aussetzer nicht erklären. Und er steht offenbar bei seiner Erklärung immer noch schwer unter Schock, anders ist sein Gestammel nicht zu verstehen. Welche 40m? Wo soll da bitte zwischen den Inseln 40m tiefes Waser sein? Welcher Zoom hat nicht funktioniert? Selbst im kleinsten Maßstab zeigt jede noch so schlechte Vektorkarte an, dass da Land ist. Kann das mal einer verständlich erklären?

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